Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2019-04-20T03:50:16+02:00

Februar 2019.

5Februar

der Dousti 1 Satellit

Das Rahmenprogramm zum 40. Jahrestag der Islamischen Revolution im Iran sollte aus Sicht von Militär und Führungselite auch mindestens einen erfolgreichen Satellitenstart beinhalten. Bereits in der Vergangenheit hatten derartige Jubiläen einen willkommenen Anlaß geboten, nicht nur die Highlights aus dem Waffenarsenal vorzuführen, sondern zugleich die Fortschritte des „zivilen“ Raumfahrtprogramms zu demonstrieren. Tatsächlich waren aber gerade letztere zuletzt eher bescheiden ausgefallen. Nach ersten Anfangserfolgen war das iranische Raumfahrtprogramm zuletzt eigentlich nur noch mit einer langen Reihe von Fehlschlägen in Erscheinung getreten. Auch der Start einer Safir Rakete am 05.02.2019 vom Imam Khomeini Space Center bei Semnan war eher eine Rückfalloption, die den Mißerfolg mit einer leistungsfähigeren Simorgh Rakete am 15.01.2019 vergessen machen sollte. Denn die Nutzlastkapazität der Safir war derart bescheiden, daß sich mit ihr eigentlich keine propaganda-​wirksame Mission inszenieren ließ. Tatsächlich sollte es aber noch schlimmer kommen. Denn auch dieser Start scheiterte. Iranischen Pressemeldungen zufolge ging dabei der experimentelle Erderkundungssatellit Dousti 1 der Sharif University of Technology verloren. Der aus dem Orbit Aufnahmen mit einer Auflösung von besser als 30 m liefern sollen. Zur angestrebten Bahn wurden widersprüchliche Aussagen veröffentlicht, die von 250×310 km bis zu 500 km reichten. Bei einer angegebenen Startmasse von über 50 kg hätte aber wohl jede stabile erdnahe Bahn die Maximalperformance der Safir Rakete erfordert.
5Februar

Start der mit 55,33 m längsten Ariane 5

HS-4/SGS-1 in der Testkammer von Lockheed Martin

Test des „nördlichen“ Solarzellenauslegers von GSat 31

Mit Spannung verfolgte die indische Raumfahrtorganisation ISRO die Vorbereitungen zum Start der ersten Ariane 5 Mission des Jahres 2019. Denn die Verfügbarkeit einer der beiden Nutzlasten, GSat 31, wurde dringend erwartet. Sollte der Satellit doch den im September 2007 gestarteten Insat 4CR ablösen. Der war seinerzeit auf einem zu niedrigen Transferorbit gestrandet und nur unter Einsatz eines erheblichen Teils seiner Vorräte an Treibstoff für den Bahnerhalt noch auf eine geostationäre Bahn gelangt. Seinerzeit ging man daher von einer Halbierung der effektiven Lebensdauer des Satelliten aus. Tatsächlich hatte Insat 4CR inzwischen aber die Auslegungsbetriebsdauer sogar um mehr als ein Jahr übertroffen. Doch nun mußte dringend die Ablösung vollzogen werden, wollte man nicht riskieren, einen antriebslosen unkontrollierbaren „Zombie“ Satelliten im geosynchronen Orbit zu hinterlassen. Eigentlich hatte die ISRO einen Start noch kurz vor dem Jahresende 2018 erhofft. Einige Zeit stand wohl auch im Raum, den Satelliten mit einer indischen GSLV zu starten. Doch war die GSLV Mk. II zu leistungsschwach und die GSLV Mk. III stand noch in der Erprobung (die Wahl fiel schließlich auf GSat 29 als Nutzlast ihres zweiten Qualifikationsfluges). Der langjährige Partner Arianespace versprach da eine sicherere Verfügbarkeit. Allerdings verschob sich der Start der Ariane-​5ECA VA247 Mission doch bis zum 05.02.2019. Countdown und Aufstieg der extra für diese Mission mit einer um 50 cm verlängerten Nutzlastverkleidung ausgerüsteten Rakete verliefen dann mit der von der Ariane gewohnten Präzision. Als erste der beiden Nutzlasten wurde der von Lockheed Martin auf Basis der modernisierten A2100TR Plattform (nun LM-​2100 genannt) gebaute HellasSat 4/​SaudiGeoSat 1 ausgesetzt. Der griechisch-​zypriotische Satellitenbetreiber HellasSat, seit 2013 eine fast 100%ige Tochter des saudi-​arabischen Flotten-​Betreibers Arabsat, plante den Betrieb des kombinierten Ku-​/​Ka-​Band Modells über 39° Ost. Seine 34 Ku-​Band Transponder sollten die Kapazitäten des 2017 gestarteten HellasSat 3 absichern und ausweiten. Dabei strahlte der Satellit in eine europäische FSS (fixed-​satellite service) Zone und eine nahezu deckungsgleiche BSS (broadcasting-​satellite service) Zone aus, desweiteren wurden der Mittlere Osten und der Süden Afrikas versorgt. Die Ka-​Band Nutzlast wurde dagegen von Saudi-​Arabien unter dem Namen SaudiGeoSat 1 betrieben. Anläßlich der Auftragserteilung hatten Lockheed Martin im Jahr 2015 darauf hingewiesen, daß modernste Technologien eine flexible Reprogrammierung der Transponder im Einsatz sicherstellen konnten. Anpassungen der Frequenzen und Bandbreitenzuweisungen sollten die Bedürfnisse Saudi-​Arabiens nach sicherer (militärischer) Kommunikation abdecken. Angesichts des direkten und indirekten militärischen Engagements beispielsweise im Jemen und in Syrien hatte das saudische Militär ein großes Interesse daran, diese Fähigkeiten auszubauen. Entsprechend vage blieben aber auch die Informationen zu diesem Teil der „Condosat“ Nutzlast, den die KACST (King Abdulaziz City for Science and Technology) managte.
Der kleinere GSat 31 erreichte in der SYLDA (Système de Lancement Double Ariane) Doppelstartvorrichtung der Ariane die Transferbahn. Von dieser aus steuerte das I-​2K Modell mit drei Zündungen seines Flüssigkeits-​Bordtriebwerks den geosynchronen Orbit an. Nach einigen Tagen Drift wurde er über 48° Ost geostationär (währenddessen vollzogen sich die Bahnanhebungen von HS-​4/​SGS-​1 deutlich langsamer; die ersten Manöver wurden mit seinem konventionellen Triebwerk unternommen, dann übernahm der elektrische Antrieb). Die 19 Ku-​Band Transponder von GSat 31 sollten für vielfältige Kommunikationsaufgaben, die von VSAT Netzwerken über TV-​Programmzuspielungen, DTH-​Ausstrahlungen, die Anbindung von Mobilfunk-​Knoten bis hin zu DSNG Diensten (Digital Satellite News Gathering) reichten, genutzt werden.
8Februar

Blick auf den Slingshot CubeSat Starter von Cygnus NG-10E

In Vorbereitung des Ablegemanövers von Cygnus NG-​10E (SS „John Young“) von der Internationalen Raumstation wurde am 07.02.2019 die neuartige Slingshot Satellitenstartvorrichtung an der „Nase“, sprich an der Luke, des Raumschiffs montiert. Slingshot war von der SEOPS LLC, inzwischen Teil von Hypergiant Galactic aus Houston, Texas, entwickelt worden. Das System erlaubte die Aufnahme von CubeSats und „hosted payloads“ in unterschiedlichen Formaten, wobei das Maximum bei 12×6U (72U CubeSat Format) lag. Die Vorrichtung selbst war mit dem Dragon CRS-​16 Raumschiff angeliefert worden. Nun bestückten die US Astronauten David Saint-​Jacques und Anne McClain das System mit zwei SEOPS Quantum Radar Satelliten und einem Kommunikationsexperiment, UbiquityLink 1 (ULTP 1). Letzteres sollte eine Zwei-​Wege-​Kommunikation mit kleinen terrestrischen Terminals geringer Sendeleistung aufbauen. Das Unberthing vom „Unity“ Modul der ISS wurde am 08.02.2019 um 13:45 UTC vollzogen. Bis 16:16 UTC „hing“ das Raumschiff dann noch am Manipulatorarm der Station, bevor das Kommando zum Freisetzen gegeben wurde. Zunächst driftete die Cygnus auf einen Sicherheitsabstand zu ISS, bevor sie sich mit kleineren und schließlich größeren Triebwerkszündungen weiter absetzte. Auch wurde die Bahn für das geplante Aussetzen der Satelliten etwas über jene der ISS angehoben. Zwischen dem 09. und 13.02.2019 wurden dann fünf Satelliten aus zwei unterschiedlichen Startvorrichtungen ausgestoßen. Die Cygnus wurde schließlich nach der Rekordflugdauer von 100 Tagen am 25.02.2019 über dem Pazifik östlich von Neuseeland in die Atmosphäre gesteuert und verglühte planmäßig.
9Februar
Aus einer Bahn oberhalb derjenigen der Internationalen Raumstation setzte das Northrop Grumman Cygnus NG-​10E Raumschiff SS „John Young“ am 09.02.2019 um 00:00 UTC die beiden CubeSats SEOPS Quantum Radar 1 und SEOPS Quantum Radar 2 aus. Diese stammten, wie der eingesetzte CubeSat Starter Slingshot, vom US Raumfahrt Start-​Up Hypergiant Galactic. Die beiden Satelliten waren mit Laser-​Reflektoren besetzt und sollten im Rahmen eines STEM (science, technology, engineering, and math) Projekts interessierten Amateuren (Schülern, Studenten) die Gelegenheit eröffnen, ihre Bahn per Laser-​Illumination zu verfolgen. Die gemessenen Bahndaten sollten mit den anhand bekannter mathematisch-​physikalischer Modelle berechneten verglichen werden.
13Februar
Nach weiteren Manövern hatte sich das Cygnus NG-​10E Raumschiff SS „John Young“ auf die passende Ausgangsbahn manövriert, um die nächsten zwei CubeSats auszustoßen. Auch sie oberhalb der Bahn der ISS. Am 13.02.2019 um 12:00 UTC wurde das Kommando zum Aussetzen von MySat und CHEFsat 2 gegeben. Die beiden Satelliten hatten sich schon beim Start des Frachtraumschiffs im extern montierten NRCSD-​E (NanoRacks CubeSat Deployer — External) Startcontainer befunden. Nun wurden der 1U CubeSat aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und der am Naval Research Lab der US Navy entwickelte 3U CubeSat gemeinsam ausgestoßen. MySat war von Studenten des Masdar Institute of Science and Technology realisiert worden, um ihnen Erfahrungen beim Bau und Betrieb eines einfachen Satelliten zu verschaffen. Entsprechend umfaßte die Ausrüstung wenig mehr als ein Telemetriesystem und eine Kamera. Zur Ausrüstung zählte zudem ein am Institut entwickelter LiIon-​Akku. Mit CHEFsat 2 setzte das NRL dagegen die Mission von dessen Vorgänger fort, die Erprobung von kommerziell verfügbaren Systemen für die Kommunikation im E-​Band unter Weltraumbedingungen.
13Februar
Während die anderen vom Cygnus NG-​10E SS „John Young“ Frachter ausgesetzten Satelliten oberhalb der ISS kreisten, sollte der letzte im NRCSD-​E Starter wartende Satellit auf einem deutlich niedrigeren Orbit ausgestoßen werden. KickSat 2 war ein Re-​Flight eines 2014 gescheiterten Experiments, das auf Professor Zac Manchester von der Stanford University zurückging. Die Idee dahinter war, aus einem 3U CubeSat über 100 winzige Platinen („Sprites“) auszustoßen, die alle mit eigener Solarzelle zur Energieversorgung, Sensorik und Kommunikationssystemen ausgestattet waren. Alle sendeten auf einer einheitlichen Frequenz nach dem CDMA (Code Division Multiple Access) Verfahren. Theoretisch eröffnete eine solche „Wolke“ von ChipSats vollkommen neue Möglichkeiten, simultan und großräumig Messungen im Erdorbit zu unternehmen. Allerdings barg die Freisetzung einer so großen Zahl von kaum durch Bahnverfolgungsradar zu überwachenden Objekten im Erdorbit auch Risiken. Daher war die Lizenz zum Start nur unter der Maßgabe gewährt worden, daß ihr Wiedereintritt innerhalb weniger Tage sichergestellt war. KickSat 2 wurde am 13.02.2019 um 22:45 UTC auf einer im Mittel 300 km hohen Bahn ausgestoßen. Zunächst kamen Befürchtungen auf, die Mission könne ähnlich der von KickSat 1 enden. 2014 war der Satellit nämlich wegen eines Timer-​Problems zusammen mit den noch an Bord befindlichen 104 Sprites verglüht. Und auch diesmal konnte nur ein sehr schwaches Signal von KickSat 2 empfangen werden, was darauf hindeutete, daß sich seine Antennen nicht richtig entfaltet hatten. Dennoch konnte am 19.03.2019, die Bahnhöhe war inzwischen auf etwa 270 km gesunken, erfolgreich das Aussetzkommando für die 104 ChipSats gesendet werden. Einigen Amateurfunkern gelang auch der Empfang ihrer schwachen Signale, bevor sie, ohne vom US Weltraumkommando katalogisiert worden zu sein, verglühten.
20Februar

„Hayabusa“ 2 TD1 Manöver

der Schatten von „Hayabusa“ 2 über der L08E1 Touchdown-Zone

Die japanische Asteroidenmission „Hayabusa“ 2 erlebte am 20.02.2019 einen weiteren Höhepunkt. Nachdem im September und Oktober 2018 mehrere kleine Rover auf der Oberfläche von „Ryugu“ abgesetzt worden waren, hatte die JAXA die im Anschluß geplante Entnahme von Bodenproben zunächst aufgeschoben. Denn der Asteroid hatte sich wesentlich zerklüfteter präsentiert als erwartet und das Oberflächenmaterial entsprach nicht dem erwarteten Regolith. Ende Oktober praktizierte die JAXA noch eine Reihe von Manövern im Umfeld des Asteroiden, fertigte Detailaufnahmen seiner Oberfläche bei bestimmten Lichbedingungen an und warf einen Zielmarker ab. Eine simulierte Landung gelang dennoch noch nicht mit der erhofften Genauigkeit. Schließlich ging „Hayabusa“ 2 in den „Sonnenkonjunktionsmodus“, während dessen nur eine eingeschränkte Kommunikation mit der Erde möglich war, weil diese sich (aus Sicht der Sonde) zu nahe an oder gar hinter der Sonne befand. Erst Ende 2018 war wieder eine stabile Kommunikation gegeben, die auch aktive Manöver erlaubte. Damit begannen die Vorbereitungen für die Probenentnahme. Dazu gehörte u.a. ein weiterer simulierter Anflug einschließlich Tests des chemischen Antriebs, der für ein schnelles Verlassen der Trümmerwolke nach dem Aufprall des Impaktors unerläßlich war. Am 21.02.2019 gegen 04:15 UTC begann „Hayabusa“ 2 den Abstieg zur L08E1 Landezone. Etwa um 22:30 UTC hatte das Probenentnahmerohr Kontakt mit dem Asteroiden, woraufhin ein Projektil ausgelöst wurde, das Materialproben aus seiner Oberfläche herausschlagen sollte. Die Bilder einer Kamera und Sensordaten deuteten auf ein erfolgreiches TD1 Experiment hin. Nach dem riskanten Manöver meldete sich „Hayabusa“ 2 zur Freude der Wissenschaftler unbeschädigt aus der Haltposition über dem Asteroiden zurück.
21Februar

Aufrichten der Trägerrakete mit EgyptSat-A auf Platz 31 in Baikonur

Ägypten, das seiner ersten beiden Erderkundungssatelliten aus der Ukraine bzw. Rußland bezogen hatte, schloß auch den Vertrag über Lieferung und Start eines dritten Exemplars wieder mit Rußland ab. Dabei waren die Ergebnisse der vorangegangenen Missionen eher ernüchternd gewesen. Zum von KB Juschnoje entwickelten EgyptSat 1 war nach gut drei Jahren der Kontakt abgebrochen. Und EgyptSat 2 von RKK Energija geriet sogar schon nach einem Jahr außer Kontrolle. Der Auftrag für EgyptSat-​A war dann auch eher das Resultat von Verpflichtungen, die RKK Energija im Vertrag über EgyptSat 2 eingegangen war. Ausgehend von den Erfahrungen bei dessen Betrieb, und insbesondere den Umständen, die zu seinem Verlust geführt hatten, wurden beim Design des ähnlichen EgyptSat-​A einige Verbesserungen eingeführt. Zwar basierte er wieder auf dem 559GK Bus von RKK Energija. Und das optische System (Auflösung 1 m panchromatisch, 4 m multispektral) lieferte erneut das weißrussische Unternehmen OAO Peleng. Doch waren das Energieversorgungs– und Kommunikationssystem überarbeitet worden. Die Entwicklung verlief offenbar nicht ganz unproblematisch, Probleme bereitete wohl vor allem die Substitution von Elektroniksystemen aus westlicher Produktion, die nach der Annexion der Krim einem Lieferembargo unterlagen. Dies führte dazu, daß die Tests des Satelliten erst nach dem ursprünglich bekanntgegebenen Starttermin abgeschlossen werden konnten. Der zum Jahresende 2018 geplante Start war damit hinfällig. Sattdessen wurde das Unternehmen als erster russischer Satellitenstart des Jahres für den Februar 2019 angesetzt. Am 21.02.2019 hob die Sojus-2.1b 14A14 mit Fregat 14S44 Bugsierstufe von Baikonur ab. Ziel war ein sonnensynchroner Orbit in 650 km Höhe, eine eher ungewöhnliche Bahn für einen Start von Baikonur. Im Gegensatz zu ähnlichen Missionen, bei denen der Start auch schon einmal in Richtung Süden erfolgt war, flog die Rakete diesmal einen nördlichen Kurs. Kurze Zeit nach dem Start kamen in den russischen Medien erste Meldungen auf, die von Problemen mit der Rakete berichteten. Doch EgyptSat-​A erreichte die geplante Bahn. Das aber nur dank der Tatsache, daß die eingesetzte Raketenkombination erhebliche Leistungsreserven besessen hatte, ja eigentlich sogar erheblich überdimensioniert gewesen war. Tatsächlich hatte nämlich die dritte Raketenstufe vorzeitig Brennschluß gehabt und die Bugsierstufe mit der Nutzlast knapp 60 km zu niedrig ausgesetzt. Doch die Fregat konnte das während ihrer zweiten Brennphase nahezu perfekt kompensieren — und anschließend sogar noch die Bahnabsenkung für ihren gezielten Wiedereintritt einleiten.
Das neuerliche Oberstufenproblem ließ unmittelbar Befürchtungen hinsichtlich anderer Sojus-​Missionen (bemannt und unbemannt) aufkommen. Tatsächlich liefen gerade in Französisch Guyana die Vorbereitungen für eine andere Sojus/​Fregat Mission, die auch prompt angehalten wurden. Doch vier Tage nach dem Zwischenfall war klar, wo die Ursache zu suchen war. Einmal mehr handelte es sich um menschliches Versagen. Diesmal war die Tankvorrichtung falsch eingestellt und daher zu wenig Oxidator getankt worden. Das bereitete den Weg für die rasche Wiederaufnahme der Sojus Starts. Doch die Zweifel am Zustand der russischen Raumfahrt in Gänze verstärkten sich eher noch.
Auch wenn als offizieller Betreiber des Satelliten die ägyptische National Authority for Remote Sensing and Space Sciences (NARSS), eine zivile Behörde, fungierte, war es doch ein offenes Geheimnis, daß zu den bevorzugten Nutzern des Bildmaterials der EgyptSat Satelliten das Militär zählte. Entsprechend detailarm war die Berichterstattung im Vorfeld des EgyptSat-​A Starts. Eine eigentlich angekündigte Live-​Übertragung des Starts im Internet wurde im letzten Augenblick ohne Angabe von Gründen abgesagt. Auch danach gab es keine öffentlich zugänglichen Erdaufnahmen, die die Qualität des Systems hätten bestätigen können.
22Februar

Start von Nusantara Satu, Beresheet und S5

PSN 6 mit aufgesetztem Beresheet Lander

Die zweite Falcon 9 v1.2 Rakete, die für einen dritten Start zum Einsatz kam, hob am 22.02.2019 mit drei Nutzlasten an Bord von SLC-​40 auf Cape Canaveral ab. Verspätungen bei der Startbereitschaft der Nutzlasten und wohl auch der Trägerrakete hatten auch diesen Start verzögert. Auch wenn sich die letzten Terminverschiebungen im Bereich weniger Tage bewegten. Doch die Mission war auch anspruchsvoll. Zwar bestand die primäre Nutzlast aus einem Kommunikationssatelliten des bewährten Space Systems/​Loral Typs SSL-​1300. Doch war dieses Exemplar für eine spezielle Aufgabe modifiziert worden. Sollte es doch auch als Trägerstruktur für zwei weitere Nutzlasten fungieren, den kleinen israelischen Mondlander „Beresheet“ und den AFRL MicroSat S5. Gemeinsam sollten alle drei auf einen supersynchronen Transferorbit gebracht werden. Diesen Teil der Mission bewältigte die Falcon 9 erneut fehlerfrei. Trotz relativ hohen Seegangs gelang auch eine sichere Landung der Erststufe auf der OCISLY Plattform im Atlantik.
Die Hauptnutzlast, Nusantara Satu (PSN 6), war vom indonesischen Kommunikationsunternehmen PT Pasifik Satelit Nusantara im Oktober 2014 bei SS/​L bestellt worden, nachdem ein früherer Kontrakt mit Boeing gecancelt worden war. Der Satellit erhielt eine Kommunikationsnutzlast von 26 konventionellen C-​Band Transpondern und 12 Transpondern für das erweiterte C-​Band. Dazu kamen 18 Ku-​Band Transponder eines HTS (High Throughput Satellite) Pakets, mit dem die Breitband-​Internet-​Versorgung des Inselstaats spürbar verbessert werden sollte. Dazu wurde der Satellit über 146° Ost stationiert.
Der israelische Mondlander Beresheet (der Name geht auf das Buch Genesis des christlichen Alten Testaments wie auch das erste Buch des jüdischen Tanach zurück und bedeutet etwa „im Anfang“) war ursprünglich von der Nonprofit-​Organisation SpaceIL als Beitrag zum Google Lunar XPRIZE (GLXP) Wettbewerb konzipiert gewesen. Nachdem dieser aber trotz mehrfacher Verlängerung der Frist ohne auch nur einen Startversuch zu Ende gegangen war, gehörte SpaceIL zu den wenigen Teams, die die Arbeiten fortsetzten. Private Sponsoren, darunter SpaceIL-​Präsident Morris Kahn, die israelische Raumfahrtbehörde ISA und der Luft– und Raumfahrtkonzern Israel Aerospace Industries (IAI) sicherten die Finanzierung des mehrfach von der Einstellung bedrohten Projekts. Dennoch mußte man sich riskanten Sparzwängen unterwerfen. So gab es weder bei der Energieversorgung noch der Kommunikation redundante Systeme. Finanzielle wie technische Zwänge ließen keine andere Lösung zu. Mit 585 kg (davon je nach Quelle 390 oder 435 kg Treibstoff!) entstand so der leichteste Lander, der je eine weiche Landung auf dem Mond unternehmen sollte. Die wissenschaftliche Ausrüstung umfaßte ein hochempfindliches Magnetometer und ein von der NASA gestelltes Laser Retro Reflector Array. Dazu kam eine HD-​Kamera, die die Landung dokumentieren sollte. Vor allem aber flogen mit Beresheet eine Reihe von Memorabilia zum Mond. So eine Kapsel mit hunderten digitalisierten Dokumenten, darunter eine hebräische Bibel. Oder dem Text der israelischen Unabhängigkeitserklärung, der Nationalhymne sowie Erinnerungen von Holocaust-​Überlebenden. Rechtzeitig zum 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung wollte das kleine Land Israel bei seiner Jugend eine neue Begeisterung für die großen Ziele der Raumfahrt auslösen. Doch auch auf eine kommerzielle Verwertung hoffte SpaceIL. Mit internationalen Partnern, wie dem deutschen Raumfahrtunternehmen OHB, hoffte man auf einen Einstieg in die kommerzielle Monderkundung. Doch bis dahin mußten noch einige Hürden überwunden werden. So dauerte allein der Flug zum Mond auf einer immer langgestreckteren Bahnellipse um die Erde mehrere Wochen. Und schon kurz nach dem Start traten Probleme mit dem Bordcomputer (vermutlich wegen ungenügender Strahlungsabschirmung) und einem Sternensensor auf. Dennoch konnten die erforderlichen Bahnmanöver mit ausreichender Genauigkeit unternommen werden. Das vierte Perigee Maneuver am 19.03.2019 hob das Apogäum auf rund 405.000 km an, womit die Bahn jetzt bis „hinter“ den Mond reichte. Bis Anfang April 2019 waren dann eine Reihe von Lunar Orbit Insertion Manövern geplant, bis zum entscheidenden Landeversuch.
Wohl am 04.03.2019 trennte sich auch der S5 Satellit des Air Force Research Laboratory von Nusantara Satu. Blue Canyon Technologies hatte den Satelliten ausgehend vom ESPAsat Design gebaut. Von Applied Defense Systems stammte die Nutzlast, die im Rahmen einer Space Situational Awareness Mission Objekte im geosynchronen Orbit katalogisieren sollte. Details unterlagen der Geheimhaltung.
27Februar

Start der ersten sechs OneWeb Satelliten

der mit sechs Satelliten bestückte Dispenser für die OneWeb F6 Mission

Nachdem die Umstände geklärt waren, die am 21.02.2019 in Baikonur beinahe zum Fehlstart einer nahezu baugleichen Rakete geführt hatten, konnten in Kourou die Vorbereitungen zum Start einer Sojus-​ST-​B mit Fregat-​M wieder aufgenommen werden. Als bei der Startvorbereitung eine fehlerhafte Schweißverbindung an einer Helium-​Leitung der Fregat Oberstufe entdeckt wurde, hatte das bereits für einen mehrtägigen Aufschub gesorgt. Immerhin konnte die Reparatur vor Ort vorgenommen werden. Erfolg oder Mißerfolg der Mission würden den Aufbau einer ersten echten Großkonstellation von Microsatelliten für das globale Internet maßgeblich beeinflussen. Denn unter der Nutzlastverkleidung der Sojus befand sich ein Dispenser, an dem diesmal sechs OneWeb Satelliten (zehn wären möglich gewesen) montiert waren. OneWeb, vormals WorldVu, plante eine Megakonstellation von 648 Satelliten, die zunächst infrastrukturell wenig erschlossene Regionen, generell aber den gesamten Planeten, mit einem Zugang zum schnellen Internet versorgen sollte. Ähnliche Ideen hatten in den 1990er Jahren beispielsweise Iridium, Globalstar und ORBCOMM verfolgt. Vor allem letzteres Unternehmen setzte bereits damals mehr auf den Datenaustausch als auf die Sprachkommunikation. Doch die Zeit war damals noch nicht reif für die Entwicklungen und entgegen damaliger Annahmen schritt der Ausbau einer terrestrischen Infrastruktur schneller und kostengünstiger voran, so daß die Pioniere der Satellitenkonstellationen alle eine schmerzhafte Restrukturierung durchlaufen mußten. Letztlich fanden sie aber eine Marktnische. Nun, nach der Jahrtausendwende, boomte der Markt der internetfähigen Mobilgeräte (Smartphones, Tablets) ebenso wie der Bedarf an Datenkapazitäten für das „Internet der Dinge“ wuchs. Davon ausgenommen war praktisch kein so entlegener Punkt des Planeten. Auf hoher See ebenso wie bei transozeanischen Flügen erwarteten die Kunden eine stabile und performante Internetanbindung. Und die ließ sich nun wirklich nur per Satellit sicherstellen. Für zeitkritische Anwendungen mußten zudem die Signallaufwege kurz gehalten werden, was geostationäre Satelliten ausschloß. So erlebte die Idee der Satellitenkonstellationen auf erdnahen Bahnen eine Renaissance. Die Miniaturisierung der letzten Jahre hatte zudem Systeme auch auf kleinen Satelliten verfügbar gemacht, die einst weitaus größeren und teureren Modellen vorbehalten gewesen waren. Die auf den Channel Islands ansässige OneWeb Ltd. plante zwar eine weitaus kleinere Konstellation als der größte Mitbewerber Starlink (der mit rund 12.000 Satelliten kalkulierte) und stand auch technologisch nicht an der Spitze der Entwicklung. Doch mit Airbus Defence and Space konnte man einen erfahrerenen Industriepartner gewinnen und begann als erster mit dem praktischen Aufbau einer arbeitsfähigen Konstellation. Die Sojus beförderte am 27.02.2019 mit Hilfe ihrer Fregat-​M Bugsierstufe die sechs Satelliten OneWeb 0006 („SherpaSat“), OneWeb 0007 („ChinghizSat“), OneWeb 0008 („IcyerekezoSat“), OneWeb 0010 („ChusigSat“), OneWeb 0011 („LempiraSat“) und OneWeb 0012 („NanuqSat“) auf ihre vorläufigen Bahnen in rund 1.000 km Höhe. Vier weitere Startpositionen waren diesmal lediglich mit Dummies besetzt worden, die mit dem Dispenser verbunden blieben und nach Abschluß der Mission zusammen mit der Fregat verglühten.