Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2019-03-25T20:19:48+01:00

Januar 2019.

1Januar

hochauflösende Aufnahme von „Ultima Thule“ aus 6.628 km Entfernung

Erläuterung von Form und Rotationsachse von „Ultima Thule“

Nach dem Vorbeiflug der New Horizons Raumsonde im Juli 2015 an Pluto, der sensationelle Bilder und daten geliefert hatte, suchten die Wissenschaftler nach einer sinnvollen Folgemission. Wissenschaftlich betrachtet versprach ein weiterer Vorbeiflug an einem größeren Objekt des Kuipergürtels den größten Erkenntnisgewinn. Daher war unter Einsatz u.a. des Hubble Space Telescope bereits die Suche nach passenden Kandidaten aufgenommen worden. Die Wahl fiel schließlich auf das derart bereits am 26.06.2014 entdecktes Objekt 1110113Y. Indizien deuten später darauf hin, daß es sich in Wirklichkeit um ein Mehrfachsystem handelte. Der inzwischen offiziell als (486958) 2014 MU69 katalogisierte Kleinplanet erhielt, als Ergebnis eines Wettbewerbs, den inoffiziellen Namen „Ultima Thule“. Diesen offenbar langgestreckten oder gar binären Himmelskörper steuerte New Horizons zum Jahreswechsel 2018/19 an. Geplant war ein naher Vorbeiflug in etwa 3.500 km an dem auf etwa 30 bis 45 km geschätzten Objekt. Erste Aufnahmen von New Horizons aus großer Entfernung bestätigten, daß „Ultima Thule“ tatsächlich ein Kontakt-​System aus zwei Körpern war. Ursprünglich als „Schneemann“ (zwei annäherend kugelförmige Objekte unterschiedlicher Größe) beschrieben, mußte diese Ansicht revidiert werden, nachdem immer bessere Aufnahmen vom Vorbeiflug am 01.01.2019 auf der Erde eintrafen. „Ultima“, der größere Teil mit einem mittleren Durchmesser von 19,5 km, wurde nun als Pfannkuchen (Pancake) charakterisiert. Der kleinere „Thule“ (mittlerer Durchmesser 14,2 km) als „verbeulte Walnuß“. Aufgrund der geringen Datenrate bei der gewaltigen Entfernung zur Erde wurde die Übertragung der letzten Daten vom Vorbeiflug an „Ultima Thule“ allerdings erst gegen Ende 2020 erwartet. Obwohl der Zustand von New Horizons weiterhin als ausgezeichnet charakterisiert wurde und auch noch erhebliche Treibstoffvorräte verfügbar waren, war ein weiterer naher Vorbeiflug im Rahmen der Kuiper Belt Extended Mission (KEM) eher unwahrscheinlich. Jedenfalls war bis zur „Ultima Thule“ Passage kein weiterer geeigneter Kandidat entdeckt worden. Für einige Jahre wurden aber noch Meßdaten aus dem Kuipergürtel und darüber hinaus erwartet.
10Januar

Start der CZ-3B/G3 am 10.01.2019

China, das 2018 einen eindrucksvollen Rekord von 39 orbitalen Starts bzw. Startversuchen (ein Fehlschlag) aufgestellt und damit alle anderen Nationen weit hinter sich gelassen hatte, eröffnete auch das Raumfahrtjahr 2019 mit dem Start einer CZ-​3B/​G3 vom Raumfahrtzentrum Xichang. Allerdings setzte auch diese Mission die leidige Tradition der Desinformation fort. Denn, was als Aufgabe von Zhongxing 2D beschrieben wurde (Übertragung von Radio– und Fernsehprogrammen einschließlich Zuspielungen für Kabel-​Netzwerke), war wohl bestenfalls vorgeschoben. Tatsächlich wurde der Satellit von der Chinesischen Volksbfreiungsarmee betrieben und gehörte wahrscheinlich zur Shen Tong 2 Serie, die Berichten zufolge mobilen Einheiten der PLA dank steuerbarer Ku-​Band Sendekeulen leistungsfähige Kommunikationsmöglichkeiten bot. Die seit 2012 im Einsatz stehenden Satelliten basierten auf dem DFH-​4 Bus der CAST.
11Januar

Start der Iridium-8 Mission von der VAFB

Iridium Milestone: Constellation Complete!

Fünfeinhalb Monate nach dem bis dahin letzten Start eines Clusters von Iridium-​NEXT Satelliten startete am 11.01.2019 von der Vandenberg AFB endlich die Falcon 9 v1.2 mit den letzten zehn Exemplaren für den Vollausbau der neuen Iridium Konstellation. Tatsächlich hatten SpaceX und Iridium gehofft, den Start noch 2018 absolvieren zu können, doch angesichts von Verschiebungen bei anderen Missionen hatte sich das als unrealistisch herausgestellt. Auch Ende der ersten Januarwoche mußte der Starttermin nochmals korrigiert werden. Offiziell nicht kommentierte technische Probleme und schlechte Wetterbedingungen sorgten für einen Aufschub bis zum 11.01.2019. Dann aber demonstrierte die Rakete, deren Erststufe ihren zweiten Einsatz absolvierte, einen Routineflug. Noch bevor die Oberstufe mit den acht Iridium-​NEXT Satelliten den Orbit erreicht hatte, war die Erststufe sicher auf der JRTI Barge gelandet. Nach einer dreisekündigen Wiederzündung ihres Triebwerks begann dann die Oberstufe mit dem Aussetzen der Satelliten Iridium-​NEXT 167, Iridium-​NEXT 168, Iridium-​NEXT 169, Iridium-​NEXT 170, Iridium-​NEXT 171, Iridium-​NEXT 172, Iridium-​NEXT 173, Iridium-​NEXT 175, Iridium-​NEXT 176 und Iridium-​NEXT 180 in etwa 615 km Höhe. Wenig später wurde der Telemetrieempfang von allen zehn Satelliten bestätigt. Und am 05.02.109 ging die gesamte Iridium-​NEXT Konstellation aus 66 Exemplaren in Betrieb. Während Iridium damit seine geschäftliche Zukunft gesichert sah, konnte SpaceX für sich reklamieren, den ersten echten Großauftrag seiner Firmengeschichte (abgesehen von den COTS Versorgungsflügen zur ISS) perfekt abgeschlossen zu haben. Beide Unternehmen zeigten sich sehr zufrieden.
14Januar

die CRS-16 Kapsel an Deck des Bergungsschiffs

Am 13.01.2019 näherte sich die Dragon CRS-​16 (SpX-​16) Versorgungsmission zur ISS ihrem Ende. Die Druckkabine des Raumschiffs war mit Experimentenmaterial, aber auch defekten Systemen, die die Ingenieure am Boden einer Analyse unterziehen wollten, beladen worden. Um 20:05 UTC lösten sich nun die Haltebolzen, die das Raumschiff seit dem 08.12.2018 am „Harmony“ Modul gesichert hatten. Nach dem Wegschwenken vom Berthing Port gab der SSRMS Manipulatorarm das Raumschiff um 23:33 UTC frei. Einige Erdumkreisungen später, am 14.01.2019 um 04:19 UTC, zündeten die Triebwerke knapp 13 Minuten lang für ein kontrolliertes Retromanöver. Die Kapsel wasserte um 05:13 UTC im Pazifik vor der Küste von Baja California. Nur wenige Stunden später wurde sie im Hafen von Los Angeles angelandet. Ursprünglich war die Rückkehr zur Erde einige Tage früher geplant gewesen, wegen schlechten Wetters im Landegebiet aber aufgeschoben worden.
15Januar

Payam-e AmirKabir Satellite Failed to Reach its Orbit

Den immer wieder angekündigten und verschobenen dritten Start der Simorgh Trägerrakete unternahm der Iran am 15.01.2019. Der Start vom zweiten Startkomplex des Imam Khomeini Space Launch Center zählte zum „Rahmenprogramm“ der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Islamischen Revolution. Entsprechend groß war die Enttäuschung, als auch dieser Start scheiterte. Nach einem zunächst verheißungsvollen Auftakt zehn Jahr zuvor hatten sich zuletzt die Rückschläge im iranischen Raumfahrtprogramm aneinander gereiht. Ohnehin war die Nutzlastkapazität der Safir Trägerrakete zu gering, um die geplanten Anwendungssatelliten auf einen adäquaten Orbit befördern zu können. Doch daß man nicht einmal deren Technik sicher beherrschte, war keineswegs förderlich dabei, die größere Simorgh serienreif zu bekommen. Im April 2016 hatte die Simorgh ihren ersten ballistischen Testflug unternommen — offenbar weitgehend erfolgreich (auch wenn sich Gerüchte über einen fehlgeschlagenen Satellitenstart hielten. Ein zweiter Start erfolgte am 27.07.2017. Er scheiterte an der zweiten Stufe. Iranische Presseberichte anläßlich des Starts legten nahe, daß diesmal der Versuch unternommen worden war, einen Satelliten namens Tolou in den Orbit zu befördern. Anderthalb Jahre später sollte die nächste Simorgh den Satelliten Payam-​e Amirkabir (kurz Amir-​Kabir 1) alias AUTSat 1 auf eine 500 bis 600 km Bahn transportieren. Gebaut hatte ihn die Amir Kabir University of Technology (AUT). Seine Aufgabe wurde mit der Erderkundung (45 m Auflösung multispektral) und store-​and-​forward Kommunikation beschrieben. Immerhin wurde diesmal der Fehlschlag offiziell bestätigt. Während Entwicklung und Bau des ersten Amir-​Kabir Satelliten zehn Jahre in Anspruch genommen hatten, hoffte man einer Pressemitteilung zufolge, ein Ersatzexemplar binnen Jahresfrist fertigstellen zu können.
18Januar

Start der Epsilon 4

RAPIS 1 bei Tests

Astro Live Experiences 1

AOBA-VELOX IV

MicroDragon bei Vibrationstests

Die japanische Enhanced Epsilon Trägerrakete mit CLPS (Compact Liquid Propulsion Stage) Viertstufe für den präziseren Bahneinschuß kam am 18.01.2019 erstmals für einen Mehrfachstart zum Einsatz. Aufgrund ungünstiger meteorologischer Bedingungen hatte sich der Start um einen Tag auf den Beginn der bereits im November 2018 benannten Reserve-​Startperiode verschoben. Knapp 52 Minuten nach dem Start vom Uchinoura Space Center wurde als erste der sieben Nutzlasten RAPIS 1 ausgesetzt, gefolgt von den restlichen sechs auf einem höheren Orbit. Der Rapid Innovative Payload Demonstration Satellite war ein Technologiedemonstrator, den die JAXA gemeinsam mit dem „Newspace“ Unternehmen Axelspace verwirklicht hatten. Der Schwerpunkt seiner Mission lag bei der Erprobung eines extrem leichten und kompakt faltbaren Solarzellenauslegers. Weiterhin sollten die Strahlungstoleranz eines FPGA (Schaltkreises) des NEC Konzerns studiert, ein X-​Band Downlink hoher Datenrate (2 bis 3 Gbps) der Keio University getestet und ein Green Propellant Reaction Control System (GPRCS) erprobt werden. Dazu kamen diverse experimentelle Sensoren und ein miniaturisierte GNSS Empfänger der Chubu University. Vom Raumfahrt-​StartUp Astro Live Experiences stammte der gleichnamige ALE 1 Satellit. Der hatte 300 bis 400 Kugeln mit chemisch reaktiven Partikeln an Bord, die auf Bestellung ausgestoßen werden konnten und den Kunden des Unternehmens das Erlebnis eines künstlichen Meteorschauers gewähren sollten. Für etwa zwanzig bis dreißig dieser Himmelsspektakel sollte der Vorrat reichen. Die Institutionen hinter dem AOBA-​VELOX IV Satelliten (Nanyang Technological University — Singapur und Kyushu Institute of Technology — Japan) widmeten sich dagegen einem anderen Himmelsphänomen, dem Lunar Horizon Glow. Dazu wurde eine extrem lichtempfindliche Kamera beim Eintritt in den Erdschatten auf der Horizont gerichtet. Die Erfahrungen im Erdorbit sollten der Vorbereitung einer Mondmission zur Erforschung des LHG dienen. Das RISESat Konsortium unter Führung der University of Tokyo hatte den „Hodoyoshi“ 2 entwickelt, der vor allem mehrere Kameras und Teleskope für wissenschaftlich-​technologische Experimente an Bord hatte. Das High Precision Telescope (HPT) verfügte als Besonderheit beispielsweise über zwei LCTFs (Liquid Crystal Tunable Filters), mit denen das Spektrum des Instruments je nach gewünschtem Einsatzgebiet angepaßt werden konnte. Die Dual-​band Optical Transient Camera (DOTCam) sollte dagegen sogenannte Transient Luminous Events (TLEs) in der oberen Atmosphäre dokumentieren. Und bei der Ocean Observation Camera (OOC) handelte es sich um eine extreme Weitwinkelkamera für die Beobachtung der Meeresoberfläche (65 km Schwadbreite, 100 m Auflösung). Weitere Instrumente stammten u.a. von Universitäten in Ungarn, Tschechien und Schweden. Vom Tokyo Institute of Technology stammte OrigamiSat 1, ein Demonstrator für eine entfaltbare „Sonnensegel“ Membran, die zudem als Träger von Dünnschicht-​Solarzellen und als Antenne fungieren sollte. Da der 3U CubeSat Bus des Satelliten auch eine Amateurfunk-​Nutzlast an Bord hatte, erhielt OrigamiSat den Beinamen Fuji-​OSCAR 98 verliehen. Obwohl unmittelbar nach dem Start einige Empfangsberichte von Signalen des Satelliten eingingen, brach wenig später leider der Kontakt zu ihm ab. Auch der für solche Situationen vorgesehene automatische Neustart des Bordcomputers brachte keine Besserung. Bei NEXUS (Next Generation X Unique Satellite) handelte es sich dagegen um einen reinen Amateurfunksatelliten. Die Nihon University und JAMSAT wollten mit dem 1U CubeSat vor allem einen QPSK Sender mit variabler Übertragungsgeschwindigkeit und niedrigem Energiebedarf erproben. Der Satellit trug auch den Namen Fuji-​OSCAR 99. Den MicroDragon Erderkundungssatelliten hatten dagegen vietnamesische Experten mit Unterstützung japanischer Experten gebaut. Er basierte auf dem Bus der japanischen „Hodoyoshi“ Satelliten und war speziell zur Beobachtung der vietnamesischen Küstengewässer konzipiert. Das Vietnam National Satellite Center (VNSC) erhoffte sich u.a. Informationen zum Zustand der Aquakulturen, eines bedeutenden nationalen Wirtschaftszweiges. Neben dem Spaceborne Multispectral Imager (SMI) waren auch ein Triple Polarization Imager (TPI) für die Beobachtung von Aerosolkonzentrationen und eine store-​and-​forward Kommunikationsnutzlast an Bord.
19Januar

Start der NROL-71 Mission

Groß dürfte die Erleichterung bei ULA (United Launch Alliance) und NRO (National Reconnaissance Office) gewesen sein, nachdem eine Delta IV Heavy am 19.01.2019 ihre Milliarden Dollar teure Nutzlast sicher auf dem vorgesehenen Orbit ausgesetzt hatte. Denn die NROL 71 Mission war ursprünglich bereits für Ende November 2018 geplant gewesen. Als konkreter Starttermin wurde schließlich aber der 08.12.2018 bekanntgegeben. Wegen Problemen mit einer Kommunikationsverbindung verzögerte sich der Startzeitpunkt auf den den frühen Morgen des nächsten Tages (Ortszeit noch 08.12.2018). Doch unmittelbar nach Erteilung des Zündkommandos für die drei RS-​68A Triebwerke stoppte der Computer die Startsequenz. Nach Überprüfung der Rakete wurde ein neuer Startversuch für Mitte Dezember 2018 geplant. Am 18.12.2018 verhinderten zu starke Höhenwinde vor der kalifornischen Küste allerdings einen Start. Ein neuer Versuch sollte am 20.12.2018 unternommen werden, als eine zu hohe Wasserstoffkonzentration am Fuß des Backbord-​Boosters registriert wurde. Zunächst hoffte man bei der ULA auf einen 24-​stündigen Turnaround, doch bald schon wurde als frühestmöglicher Termin der 30.12.2018 genannt. Tatsächlich wäre ein Start zum Jahreswechsel aber eher ungewöhnlich (und das nicht nur für die US Raumfahrt) gewesen. Da die Probleme mit dem Wasserstoffleck auch zum Jahresbeginn 2019 noch nicht gelöst waren, verschob sich der Termin ohnehin jedoch immer weiter. Am 19.01.2019 hob die Rakete dann endlich vom berüchtigten SLC-​6 („Slick Six“) Startkomplex der Vandenberg AFB ab. Wenig später meldeten ULA und USAF den erfolgreichen Abschluß der Mission. Zur Nutzlast herrschte Stillschweigen. Sie unterlag strenger Geheimhaltung. Bisher waren in Kalifornien mit der Delta IV Heavy aber ausschließlich KH-​11 CRYSTAL Fotoaufklärungssatelliten gestartet worden. Auch USA 290 alias NROL 71 wurde als solcher vermutet, obwohl der Startzeitpunkt und die Aufschlagzonen der ausgebrannten Stufen eine andere Bahn als gewöhnlich nahelegten. Amateurbeobachter fanden prompt bald nach dem Start ein neues Objekt in 400 km Höhe auf einer 74° Bahn. Ungewöhnlich für einen Fotoaufklärer, aber auch wiederum nicht total abwegig. Das leistungsfähige optische System der KH-​11 konnte auch aus dieser Höhe noch detaillierte Bilder gewinnen. Und variierende Lichbedingungen mußten sich nicht unbedingt als nachteilig für den Erfolg der Mission erweisen. Dennoch bestand auch weiter die Möglichkeit, daß es sich bei der Nutzlast der Rakete um einen Satelliten mit ganz anderer Zweckbestimmung gehandelt hatte.
21Januar

Start der CZ-11 am 21.01.2019

Die leichte CZ-​11 Feststoff-​Trägerrakete der CALT (China Academy of Launch Vehicle Technology) flog am 21.01.2019 zum sechsten Mal. Wie die vorangegangenen Starts erfolgte auch dieser von einer mobilen Abschußrampe auf dem Gelände des Jiuquan Space Center. Bei den diesmal transportierten Nutzlasten handelte es sich um vier Satelliten unterschiedlicher Zweckbestimmung. Zwei Satelliten gehörten zur Jilin 1 Konstellation der in der gleichnamigen Provinz ansässigen Chang Guang Satellite Technology Co. Ltd. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern lieferten sie hyperspektrales Bildmaterial und trugen daher die Bezeichnungen Jilin 1 Hyperspectral 01 und Jilin 1 Hyperspectral 02 (wörtlich übersetzt eigentlich guāng pǔ = Spektrum). Entsprechend seines bevorzugten Einsatzes in der Forstwirtschaft hatte das erste Exemplar den Beinamen Jilin Lincao 1 (svw. Gräserwald 1) erhalten. Die Bezeichnung Wenchang Chaosuan 1 für den zweiten Satelliten resultierte aus der Unterstützung durch das Wenchang Super-​Computing Projekt und andere Unternehmen der Inselprovinz Hainan. Der in den Satelliten verbaute Sensor arbeitete mit 26 Spektralsegmenten und lieferte Aufnahmen mit 5 m Auflösung bei 110 km Schwadbreite. Während die Forstexperten bessere Daten zum Zustand der Wälder (z.B. Schädlingsbefall, Waldbrandfrüherkennung) erhofften, wollten die Unternehmen aus Hainan Informationen zu den Meeresressourcen, dem Schiffsverkehr u.a. sammeln und mittels „Big Data“ verknüpfen. Bei den weiteren Satelliten handelte es sich um Xiaoxiang 1 03 und Lingque 1A. Der Xiaoxiang Satellit stammte von der Spacety Aerospace Co., die ihn in Zusammenarbeit mit ihrem Partner, dem Changsha Gaoxinqu Tianyi Research Institute, und der Qingteng University realisiert hatte. Ausgerüstet war der 6U CubeSat mit einer Vollfarb-​Kamera zur Erdbeobachtung. Mit dem Satelliten sollten eine Reihe neuentwickelter Systeme und Verfahren erprobt werden. Nach Abschluß der auf ein Jahr berechneten Mission sollte die Bahn unter Einsatz eines entfaltbaren „Segels“ abgesenkt werden. Im Korpus des Satelliten waren per Laser die Namen aller 288 an der Qingteng Universität eingeschriebenen Studenten eingraviert. Lingque 1A war dagegen eine Entwicklung der Beijing ZeroG Technology Co. Ltd. („CubeSat Garage“). Erprobt werden sollten mit dem Satelliten Verfahren zur Erkennung beweglicher Objekte. Beijing ZeroG Technology, bisher hauptsächlich als Hersteller von Komponenten für CubeSats aktiv, arbeitete mit seinem Partner Huaxun Ark Co. Ltd. an einer Konstellation namens Ling Que aus 132 CubeSats zur Erdbeobachtung. Wobei die Hua Xun Ark Group als Dienstleister des chinesischen Militärs aktiv war, der bereits verschiedene Typen von UAVs für Aufklärungszwecke entwickelt hatte. Gemäß einer Präsentation des Projekts sollten 32 Satelliten auf sonnensynchronen Bahnen in 500 km Höhe und 100 Satellliten auf erdnahen Bahnen operieren und RGB-​Aufnahmen mit einem Bildausschnitt von 16×12 km bei 4 m Auflösung liefern.
23Januar

New Shepard Startvorbereitung

der gelandete Booster der NS-10 Mission

Bergung der NS-10 Kapsel

Blue Origin, das private Raumfahrtunternehmen des Amazon-​Gründers Jeff Bezos, hatte für den 18.12.2018 den zehnten Testflug seiner Einstufenrakete New Shepard angekündigt. Auch wenn das primäre Ziel dieses Unternehmens die Perfektionierung der Abläufe und Systeme für bemannte touristische (suborbitale) Raumflüge war, sollten auch diesmal wieder einige wissenschaftliche Experimente mitgeführt werden. Neun davon wurden von der NASA gesponsert. Die New Shepard Flüge waren zuletzt Routine geworden, nachdem auch die Erprobung der Notfallprozeduren bei anormalen Flugkonditionen erfolgreich abgeschlossen worden war. Vielfach erfuhr Blue Origin daher auch Kritik, weil eine substanzielle Weiterentwicklung nicht erkennbar war. Ein konkreter Termin für die Aufnahme bemannter Flüge stand auch noch aus. Überraschend kam daher am 18.12.2018 die Absage des geplanten Starts. Als Grund wurden technische Probleme mit der Bodeninfrastruktur genannt. Für noch mehr Erstaunen sorgte zwei Tage später die Bekanntmachung, den Start bis ins kommende Jahr zu verschieben, obwohl der Defekt vom 18.12. inzwischen behoben worden war. Weitere technische Probleme bedurften einer gründlichen Bewertung. Am 21.01.2019 ließen starke Höhenwinde einen Start nicht zu. Doch am 23.01.2019 konnte die NS-​10 Mission endlich stattfinden. Die Rakete hob um 15:05 UTC vom Testgelände im Culberson County, Texas, ab und stieg vertikal auf. Nach ihrer Abtrennung erreichte die PM3 Kapsel eine Gipfelhöhe von knapp 107 km. Während sie später am Fallschirm in der texanischen Wüste landete, ging die Rakete nach ihrem vierten Einsatz sicher auf der Landefläche nieder. Die Aufnahme bemannter Flüge wurde mittlerweile für Ende des Jahres angekündigt…
24Januar

Start der ersten PSLV-DL

Der Jungfernflug einer neuen Variante der bewährten PSLV Rakete erfolgte am 24.01.2019 vom indischen Raumfahrtgelände Sriharikota. Nachdem die mit sechs Boostern ausgerüstete ursprüngliche PSLV zuletzt kaum noch eingesetzt worden war (stattdessen flogen entweder die PSLV-​XL mit sechs größeren Boostern oder die PSLV-​CA ohne Booster), füllte nun die neue PSLV-​DL mit zwei Boostern die Lücke. Erst zwei Wochen vor dem Start wurde der geplante Einsatz der neuen Konfiguration bei der C44 Mission bekannt. Außerdem plante die ISRO, die PS4 Viertstufe der Rakete nach dem Aussetzen der Nutzlast erstmals als eigenständige Experimentalplattform weiter zu nutzen. Zukünftig war sogar geplant, sie mit Solarzellenflächen auszurüsten (diesmal erfolgte die Energieversorgung für eine Mission von wenigen Stunden über Batterien). Ähnliches hatte die USAF fünfeinhalb Jahrzehnte früher mit der Agena Oberstufe unternommen. Hauptnutzlast der Mission war Microsat-​R, der offiziell erste Satellit der DRDO (Defence Research and Development Organisation). Angeblich handelte es sich bei ihm um einen Aufklärungssatelliten, der auf der Technologie der Cartosat Serie der ISRO basierte. Angesichts einer deutlich niedrigeren Bahn war aber eine Auflösung unter 50 cm zu erwarten. Fest mit der PS4 verbunden bleiben sollte dagegen Kalamsat v2 (benannt nach A. P. J. Abdul Kalam, einem der Väter des indischen Raketenprogramms). Die im 1U CubeSat Format gebaute Amateurfunknutzlast war im Rahmen des Space Kidz Programms unter Beteiligung von Schülern gebaut worden. Während Microsat-​R auf einem Orbit mit einer mittleren Bahnhöhe von etwa 270 km ausgesetzt wurde, steuerte die PS4 danach eine 450 km Kreisbahn an. Bei Microsat-​R wurden regelmäßige kleine Bahnkorrekturen beobachtet, die die Bahnhöhe innerhalb eines engen Korridors hielten — typisch für einen Aufklärungssatelliten auf einem so niedrigen Orbit.
31Januar
Der mit der SpaceX Dragon CRS-​16 auf der ISS eingetroffene NRCSD #15 (NanoRacks CubeSat Deployer) Startcontainer wurde am 30.01.2019 von der Besatzung der ISS auf der MPEP Plattform montiert. Damit waren die letzten Vorbereitungen für die kommende Startkampagne mit fünf CubeSats abgeschlossen. Am 31.01.2019 erfolgte das Ausschleusen der Multi-​Purpose Experiment Platform aus der Luftschleuse des japanischen „Kibō“ Moduls. Der JEM RMS Manipulatorarm brachte den NRCSD dann in Position für die sechs Stunden währenden Startoperationen. Den Auftakt machten um 10:28 UTC die beiden 3U CubeSats CAT 1 und CAT 2 (CATSat 1 und CATSat 2). Im Johns Hopkins Applied Physics Laboratory war die Ausrüstung in die von Blue Canyon Technologies gelieferten X3B Satellitenbusse integriert worden. Ihre Aufgabe bestand in der Erprobung nicht näher spezifizierter Kommunikationssysteme für das DoD im Rahmen des CubeSat Assessment and Test Experiments. Details der Mission unterlagen der Geheimhaltung, im Februar 2019 wurde aber bestätigt, daß vom APL innerhalb weniger Stunden Kontakt zu den beiden Satelliten aufgebaut worden war.
31Januar
Als dritter Satellit verließ am 31.01.2019 um 12:00 UTC der 1U CubeSat Delphini 1 die am JEM RMS (Japanese Experiment Module Remote Manipulator System) hängende NRCSD #15 Startvorrichtung. Studenten der dänischen Aarhus Universitet hatten den Satelliten mit Unterstützung des im 100 km entfernten Aalborg ansässigen Unternehmens GomSpace realisiert. De facto handelte es sich einschließlich der NanoEye Erdbeobachtungskamera um einen von GomSpace vorgefertigten Bausatz, bei dessen Assemblierung die Stundenten Erfahrungen sammeln sollten. Die Entwicklung eigener Software für den Betrieb des Satelliten, die Auswertung der Bilder sowie generell das Management der Mission waren weitere Punkte des Trainingsprogramms. Nach der Überwindung von Problemen mit der Bodenstation konnte eine stabile Kommunikation zu Delphini 1 aufgebaut werden.
31Januar

UNITE nach dem Aussetzen am 31.01.2019

Von der University of Southern Indiana stammte der 3U CubeSat UNITE (Undergraduate Nano Ionospheric Temperature Explorer), der am 31.01.2019 gegen 13:40 UTC aus dem NRCSD #15 Starter an Bord der ISS ausgestoßen wurde. Die Idee der Mission hatte im Rahmen des Undergraduate Student Instrument Project (USIP) der NASA eine Förderung erhalten und war 2017 für einen Start als Teil des ELaNa (Educational Launch of Nanosatellites) Programms bestätigt worden. Die Ausrüstung des Satelliten bestand primär aus einer Langmuir-​Sonde zum Studium der Elektronen– und Ionen-​Dichte und Temperatur-​Sensoren auf allen sechs Seitenflächen. Ziel war es, die Messungen bis zum Wiedereintritt fortzusetzen und mit gängigen Modellen abzugleichen.
31Januar

TechEdSat 8 beim Verlassen des Startcontainers

Zum Abschluß der NRCSD #15 Startkampagne wurde am 31.01.2019 gegen 16:45 UTC TechEdSat 8 der NASA ausgestoßen. Im TechEdSat Projekt forschten die San Jose State University, die University of Idaho und das NASA Ames Research Center gemeinsam an einem sogenannten Exo-​Brake System, das es erlauben sollte, CubeSats (und andere kleine Nutzlasten) gesteuert zur Erde zurückzuführen. Im Rahmen der TechEdSat 8 Mission war u.a. die Erprobung eines semi-​autonomen Steuerungssystems und eines ablativen Schutzes geplant.
Nach dem erfolgreichen Start des letzten von fünf Satelliten wurde die MPEP (Multi-​Purpose Experiment Platform) mit dem NanoRacks CubeSat Deployer zurück in die Luftschleuse des „Kibō“ Moduls der ISS geholt.