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Samstag,

02.03.2019

Der langerwartete, wenn auch noch unbemannte, erste Start eines neuen US Raumschiffs aus dem Commercial Crew Integrated Capability (CCiCap) Programm der NASA erfolgte mit erheblicher Verspätung am 02.03.2019. Beide Finalisten, SpaceX mit „Crew Dragon“ (Dragon 2) und Boeing mit CST-​100 „Starliner“, hatten mit technischen Problemen bei der Entwicklung zu kämpfen gehabt. Lag der Termin für die Wiederaufnahme bemannter US Raumflüge nach der Einstellung des Space Shuttle Programms (Juli 2011) ursprünglich in 2017, wurde daraus 2018 und schließlich der Sommer 2019. Doch zuvor mußten beide Kapseln noch einige finale Meilensteine absolvieren. Dazu zählten ein Test des Rettungssystems unter realistischen Bedingungen und eben ein unbemannter Demonstrationsflug. Die Vorbereitungen von SpaceX litten zudem unter Verzögerungen im Startmanifest der Falcon 9 Rakete. Dennoch war das Unternehmen im Januar 2019 als erstes startbereit. Nun verhinderten aber abschließende Dokumentationen, Zertifizierungen und eine Government Shutdown die Freigabe des Starts. Schließlich waren aber alle Vorarbeiten abgeschlossen, Rakete, Raumschiff und der umgebaute Startkomplex LC-​39A samt neuem Crew Access Arm und White Room bereit. Auch die NASA Einrichtungen hatten nach dem vorläufigen Ende des Budget Streits, der zum Government Shutdown geführt und die Beschäftigten in einen Zwangs-​Urlaub geschickt hatte, ihren Betrieb wieder aufgenommen. Ohne weiteren Aufschub verlief der Countdown bis zum perfekten Start am 02.03.2019 um 07:49 UTC. Angesichts einer Nutzmasse von über 12 Tonnen unternahm die Erststufe der Falcon 9 v1.2 eine Landung auf dem OCISLY Droneship im Atlantik. Ein Rückflug zu einem den beiden Landeplätze in Cape Canaveral war offenbar mit den Treibstoffreserven nicht möglich (oder ratsam). Das Manöver gelang jedoch mit gewohnter Präzision. Unterdessen zeigten die Bilder aus dem Inneren des Raumschiffs einen auf den Namen „Ripley“ getauften Astronauten-​Dummy — eine Anspielung auf die Alien-​Filme. Am 03.03.2019 näherte sich die Crew Dragon der ISS und durchflog dabei einige eingebaute Haltepunkte. Im Vergleich zu den umfangreichen Manövern mit Halten der Position, Abbruchsimulationen etc., wie sie das europäische ATV vor seinem ersten Docking hatte absolvieren müssen, war es aber ein vergleichsweise direkter Anflug. Dabei erfolgte das automatische Docking auch noch an einem zuvor noch nie genutzten Docking-​Adapter. Doch der erste Einsatz des International Docking Adapter (IDA) am „Harmony“ Modul verlief reibungslos. Sanft dockte das Raumschiff dort am 03.03.2019 um 10:51 UTC an. Geplant war nur ein kurzer Aufenthalt an der ISS. Und so inspizierte die ISS Besatzung interessiert das neue Raumschiff und entlud die 180 kg Fracht. Bereits am 08.03.2019 um 07:32 UTC dockte die Dragon wieder von der ISS ab und machte sich auf den Rückflug zur Erde. Fünf Minuten nach der Abtrennung des Trunks wurde um 12:53 UTC mit dem Retromanöver die Landung eingeleitet. Die erfolgte, im Gegensatz zu den gewöhnlichen unbemannten SpaceX Versorgungsflügen zur ISS, im Atlantik (etwa 430 km Luftlinie vor der Küste Floridas). Hier wartete bereits das kleine Universalschiff „Go Searcher“ aus der SpaceX Flotte und barg die Kapsel, um sie nach Port Canaveral zurückzubringen. Auch wenn die Ingenieure noch viele Informationen auszuwerten hatten, war der Flug allem Anschein nach doch ein außerordentlicher Erfolg gewesen. Doch vor der bemannten DM-​2 Mission waren noch eine Reihe von nicht unerheblichen Änderungen vorzunehmen. Dieser Flug wurde nun im Spätsommer 2019 erwartet — bis es am 20.04.2019 bei einem Bodentest zu einer Explosion kam, die die Kapsel C201, die auch noch für den In-​Flight-​Abort Test vorgesehenen gewesen war, komplett zerstörte.