28.10.1965
Eine Thor-SLV2 A Agena-D der USAF beförderte am 28.10.1965 von der Vandenberg AFB einen geheimen Fotoaufklärer des CORONA Programms auf seine Bahn. Das KeyHole KH-4 A Kamerasystem lieferte stereoskopische Aufnahmen guter Qualität, die programmgemäß am 02. und 07.11.1965 mit zwei kleinen Landekapseln zur Erde zurückgeführt und von Flugzeugen geborgen wurden. Fest integriert in der Agena-Stufe flog bei dieser Mission letztmalig ein Experimentenpaket aus dem 1962 begonnenen AURORA Programm. Zugleich war es das mit Abstand am umfassendsten instrumentierte Paket der Reihe. Die Forschungen galten den Polarlichtphänomenen und wurden im Auftrag der Defense Atomic Support Agency (DASA) und der Advanced Research Projects Agency (ARPA) unternommen. Das Interesse des Militärs hatte ganz praktische Gründe. Seit man beobachtet hatte, daß nach atmosphärischen Atomexplosionen der Funkverkehr wegen Störungen der D– und E-Schicht der Ionosphäre zum Erliegen kommen konnte, befürchtete man einerseits, daß der Gegner genau dies ausnutzen konnte und bereitete sich andererseits darauf vor, gezielt die feindliche Kommunikation zu unterbrechen. Die AURORA Forschungsreihe lieferte allerdings auch der Wissenschaft die bis dahin umfassendsten Daten zu den Vorgängen rund um die Polarlichtphänomene. Mit 21 Teilchendetektoren, einem Photometer, einem UV-Photometer, einem elektrostatischen Analysator, einem 7-kanaligen Elektronen-Verfielfacher-Spektrometer (einer Weltneuheit) und einer Funkbake für die Frequenzen 20, 40 und 120 MHz war das Paket diesmal ausgerüstet. Dazu kam ein sehr leistungsfähiger Multiplexer zur Verarbeitung der Fülle an anfallenden Daten. Drei Tage lang konnten die Daten des LPARL Aurora 1965 Experiments gewonnen werden. Nach langer Zeit flog auch wieder eine Nutzlast aus dem AFTRACK Programm auf der Agena. Die AFTRACK Mission 7225 trug den Codenamen SQUARE TWENTY. Sie unternahm eine COMINT Mission, wobei das genaue Aufklärungsziel noch immer der Geheimhaltung unterliegt. Möglicherweise handelte es sich um ein Kommunikationsnetz der sowjetischen Raketentruppen. Während der 11-tägigen Mission wurden von der bei Ling Temco Vought (LTV) entwickelten Nutzlast 1.290 Signale aufgefangen und 209 Signalemittern zugeordnet. Damit erfüllte die Mission ihre primäre Aufgabenstellung. Die sekundäre Mission bestand in der Analyse der Signalmuster. Diesbezüglich konnten die Erwartungen jedoch nicht erfüllt werden, zu kurz waren die aufgenommenen Signalfragmente. Um die Signalquellen lokalisieren zu können, waren an der Agena zwei unterschiedliche Antennen montiert. In Flugrichtung fing zunächst eine 2 Meter Antenne mit Fächerdiagramm (engl. fan beam antenna) das Signal auf, bevor eine extrem scharf bündelnde ebenfalls 2 Meter durchmessende Parabolantenne (engl. pencil beam antenna) die genaue Lokalisierung unternahm. Etwa auf 40 km konnte derart die Lage der Signalquellen bestimmt werden. Obwohl gerade diese Mission offenbar recht erfolgreich verlief, konnte sie das Ende des AFTRACK Konzepts nicht mehr aufhalten. Die immer leistungsfähigeren Systeme ließen sich nicht mehr vernünftig in das beschränkte Nutzlastvolumen im Heck der Agena integrieren. Der Trend ging zu dedizierten Satelliten. Nur eine letzte AFTRACK Mission wurde 1967 noch geflogen.

