Nach dem Verlust des GATV Zielsatelliten für die Gemini IX Mission wurden innerhalb der NASA kontrovers verschiedene Optionen diskutiert, um den Flug doch noch wie geplant durchzuführen. Eine Möglichkeit war, den Start des Zielsatelliten für das Unternehmen Gemini X, der bereits in Cape Canaveral eingetroffen war, vorzuziehen. Doch dann hätte für eine der kommenden Gemini Missionen kein manövrierfähiger Zielsatellit mehr zur Verfügung gestanden. Nächste Alternative war der Einsatz des noch intakten GATV 8 Zielsatelliten. Der Gemini VIII Crew war es nämlich gelungen, trotz aller Probleme die Kontrolle über ihren GATV nach dem abgebrochenen Docking wieder an die Flugleitung am Boden zu übergeben. Diese hatte GATV 8 zunächst in eine relativ hohe Parkbahn befördert. Da Gemini IX aber nur über einen geringen Treibstoffvorrat für Bahnmanöver verfügte, erschien den NASA Managern das Risiko eines Rendezvous auf einer derart hohen Bahn als zu groß. Blieb als dritte Option das Docking mit dem in Cape Canaveral eingelagerten ATDA Kopplungsziel. Dieser Augmented Target Docking Adapter war nach dem Fehlstart des ersten von Lockheed gebauten GATV Satelliten im Oktober 1965 als kostengünstige Alternative von McDonnell gebaut worden. Da er abgesehen von einem kleinen Lagekontrollsystem und der Radaranlage über nahezu keine aktiven Komponenten verfügte, konnte der Satellit schnell und ohne große Vorbereitung entworfen und gebaut werden. Sein niedriges Gewicht aufgrund des Verzichts auf einen eigenen Antrieb ließ den Start mit einer Standard Atlas-SLV3 (Atlas-D) ohne Oberstufe zu. Am 01.06.1966 erhielt der Satellit nun seine Chance. Pünktlich hob die Rakete von Cape Canaveral ab und wenige Minuten später bestätigte die Telemetrie, daß ATDA seine Umlaufbahn erreicht hatte. Allerdings wartete die Flugleitung vergeblich auf das Signal, das bestätigen sollte, daß die Verkleidung über dem Kopplungsadapter korrekt abgeworfen worden war. Doch bereits vor dem Start war entschieden worden, daß Gemini IX selbst beim Verlust des Zielsatelliten starten würde. Der Flugplan für die inzwischen Gemini IXA genannte Mission legte ohnehin mehr Wert auf das Außenbordmanöver von Eugene Cernan. Entsprechend wurde der angehaltene Countdown der GLV-9 auf LC-19 planmäßig wieder aufgenommen. Doch die Bodenmannschaften sahen sich unerwartet einem weiteren Problem gegenüber. Denn der Gemini Bordcomputer weigerte sich hartnäckig, die neuesten Bahnwerte des ATDA Satelliten anzunehmen. Drei Versuche scheiterten. Damit war die Chance auf eine Rendezvous während des dritten Orbits von Gemini vertan. Die nächste Möglichkeit für ein solch beschleunigtes Rendezvous bot sich erst bei einem Start 48 h später wieder. Dementsprechend entschied die Flugleitung, den Start abzusagen und zwei Tage später erneut zu versuchen. Enttäuscht verließen die beiden Astronauten ihre Kapsel. Doch für Thomas Stafford war die Situation ja nicht neu. Er hatte bereits bei Gemini VI zweimal unverrichteterdinge wieder aussteigen müssen.


