Mit einer Wostok-M 8A92M Rakete startete die Sowjetunion am 25.06.1966 von Baikonur einen weiteren Prototypen ihres meteorologischen Satelliten vom Typ Meteor. Kosmos 122 war der letzte Systemtest vor Inbetriebnahme des operativen Systems mit dem Start von Kosmos 144 ein halbes Jahr später. Von Kosmos 122 veröffentlichte die Sowjetunion frühzeitig auch Fotos und bestätigte, daß es sich bei ihm um einen meteorologischen Satelliten handelte. Zudem waren beim Start des Satelliten sowohl der sowjetische Staats– und Parteichef Leonid I. Breschnew als auch Frankreichs Präsident Charles de Gaulle anwesend. Kosmos 122 blieb vier Monate aktiv und übertrug in dieser Zeit Aufnahmen der Wolkenbedeckung nach dem APT (Automatic Picture Transmission) Standard. Im Sommer 1966 wurden einige Details der Mission wie auch Bilder in der sowjetischen Presse veröffentlicht, so z.B. am 20.08.1966 auf der Titelseite der Tageszeitung „Iswestija“. Demnach arbeiteten die drei Aktinometer (zur Messung der Albedo der Erde) des Satelliten in den Bereichen 0,3 – 3,0 µm (sichtbares Licht und nahes Infrarot), 8 – 12 µm sowie 3 – 30 µm. Das abtastende Infrarot-Radiometer „Lastotschka“ operierte ebenfalls im Bereich zwischen 8 und 12 µm. Und schließlich lieferte das TV-Kamerasystem MR-600 Wolkenbedeckungsbilder im sichtbaren Spektrum. Um einen 1.000 km breiten Bildstreifen aufnehmen zu können, waren die beiden Kameras parallel mit einem leicht überlappenden Blickfeld angeordnet. Die beschränkte Lebensdauer der Vidicon-Bildaufnahmeröhren versuchte man (wie zu jener Zeit auch noch die amerikanischen Ingenieure) durch den Einsatz von zwei Sets der Kameras zu kompensieren.
Für das Kosmodrom Baikonur bedeutete der mit dem Start von Kosmos 122 verbundene Besuch des französischen Staatspräsidenten eine Zäsur. De Gaulle weilte zu einem 12-tägigen Staatsbesuch in der Sowjetunion. Der Besuch in Baikonur, dessen genaue Lage bis dahin formell immer noch als Staatsgeheimnis gehandhabt wurde, war als besondere Ehre für den Gast gedacht und nicht Teil des offiziellen Programms. So traf de Gaulle auch nur mit wenigen Begleitern und ohne die mitreisenden internationalen Journalisten in Kasachstan ein. Für die Augen der hochrangigen Gäste wurde das Kosmodrom in wochenlanger Arbeit im Rahmen der Operation „Palme“ herausgeputzt. An den Zufahrten zur Wohnstadt Leninsk wurden zwei große Stelen mit dem Namen „Swesdograd“ aufgestellt. Der sichtlich beeindruckte de Gaulle (vor und nach Kosmos 122 starteten an diesem Tag von Baikonur auch noch zwei R-16U Interkontinentalraketen) wurde zum ersten westlichen Besucher des Kosmodroms. Im Ergebnis seiner Besuchsreise wurde am 30.06.1966 zwischen den Außenministern beider Länder eine Übereinkunft zur Zusammenarbeit bei der Erschließung und Erforschung des Weltraums für friedliche Zwecke unterzeichnet. Damit öffnete sich die Sowjetunion allmählich für internationale Kooperationen auf dem Gebiet der Raumfahrt. Ausländische Gäste blieben in Baikonur zwar noch die Ausnahme. Doch die vorsichtige Öffnung war unumkehrbar und bereitete u.a. den Weg für das Sojus-Apollo Programm 1975.


