Einen letzten Startversuch mit ihrer Europa I Rakete unternahm die ELDO am 12.06.1970 vom australischen Woomera. Der Flug war mit vielen Hoffnungen verbunden, endete jedoch wieder mit einem Fehlschlag. Diesmal arbeiteten allerdings erstmals alle drei Stufen nahezu perfekt. Die erste Stufe brannte 159 s (andere Quellen geben 157 s an), die zweite 105 s und die dritte 366 s. Doch bereits 222 s nach dem Start entschied sich das Schicksal der Mission F9, als sich die Nutzlastverkleidung des Satelliten nicht wie vorgesehen abtrennte. Damit lag die Brennschlußgeschwindigkeit bei nur 7.791 ms–1 statt projektierter 7.893 ms–1 , zu wenig zum Erreichen einer Erdumlaufbahn. Ein weiteres ernstes Problem war noch etwas früher aufgetreten. Unerwartet viel Helium, das für einen konstanten Tankdruck in der Drittstufe benötigt wurde, strömte in die Tanks. Daraufhin öffnete sich ein Überdruckventil und entließ einen Teil des Heliums in die Atmosphäre. Gegen Ende der auf 356 s veranschlagten Triebwerkszündung ließ daher der Druck im Treibstoffsystem und damit der Schub spürbar nach. Zwar brannte das „Astris“ Triebwerk daraufhin länger, ob das aber gereicht hätte, den Schubverlust zu kompensieren, ist unsicher. Letztlich hatte ein durch Vibrationen vorzeitig gelöster Steckkontakt die Mission scheitern lassen. Er verhinderte die Weiterleitung des Kommandos für den Abwurf der Nutzlastverkleidung. Die Rakete hätte einen verbesserten italienischen STV Testsatelliten auf eine fast polare Umlaufbahn zwischen 400 und 2.000 km Bahnhöhe bringen sollen. Neben dem Sammeln von Meßdaten zum Verhalten der Rakete hatte dieser noch eine weitere Aufgabe. Er sollte in bescheidenem Umfang Kommunikationsexperimenten dienen. Doch stattdessen stürzte STV 3 bei den Antillen ins Karibische Meer.
Mit diesem Fehlstart fand das Europa I Erprobungsprogramm seinen Abschluß, ohne daß ein einziger Orbitalstart geglückt war. Jetzt ruhte die ganze Hoffnung auf der Weiterentwicklung Europa II, die in der Lage sein sollte, die deutsch-französischen Kommunikationssatelliten „Symphonie“ auf eine Synchronbahn zu bringen. Die Starts dieser Rakete wie auch ihrer geplanten Nachfolger sollten jedoch von Kourou in Französisch Guyana erfolgen. Das Startgelände Woomera wurde geschlossen.

