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Begegnung der Crawler mit „Columbia“ für STS-35 (links) und „Atlantis“ für STS-38 am 09.08.1990
Start der „Atlantis“ zur Mission STS-38
Satellit vom Typ SDS-B (Fotomontage)
Landung der „Atlantis“ nach der STS-38 Mission

Nachdem im Frühjahr 1990 eine ganze Serie technischer Probleme, insbesondere mit undichten Wasserstoff-​Ventilen, nach und nach die gesamte Shuttle Flotte der NASA lahmgelegt hatte, stand im November 1990 die Raumfähre „Atlantis“ zur zweiten Mission nach der Wiederaufnahme der Flüge bereit. Das Unternehmen war eine rein militärische Mission, deren wichtigster Punkt im Aussetzen einer klassifizierten Nutzlast bestand. Angesichts der Brisanz dieser Aufgabe verlauteten wenige Details zum Verlauf des Unternehmens. Die Mission STS-​38  „Atlantis“ F-​7  startete am 15.11.1990 um 23:48 UTC von LC-​39 A auf Cape Canaveral. An Bord des Shuttle befanden sich ausschließlich Angehörige der US Streitkräfte: Kommandant Richard Covey, Pilot Frank Culbertson und die Missionsspezialisten Charles Gemar, Carl Meade sowie Robert Springer. Sie setzten noch am Starttag einen geheimen Satelliten aus. Offiziell wurde die Nutzlast nur mit USA 67 benannt. Inoffiziell verlautete bald der Codename MAGNUM, was auf einen großen ELINT Satelliten hindeuten würde. Verschiedene Nachrichtenmagazine bezeichneten die Nutzlast als AFP-​658  und klassifizierten sie als Fotoaufklärungssatelliten für die Operation DESERT SHIELD am Persischen Golf. Das könnte jedoch eine gewollte oder ungewollte Fehlinformation sein. Denn andere Analysten ordneten die Nutzlast aufgrund verschiedener Faktoren eher als SDS-​B 2  in das SDS-​B Programm militärischer Datenrelais-​Satelliten ein. Die bei STS-​38  ausgesetzte Nutzlast verblieb nach dem Ausstoßen aus der Nutzlastbucht der „Atlantis“ jedenfalls auf einem niedrigen Erdorbit. Nach einigen Monaten absolvierte der Satellit dann aber doch noch eine größere Bahnänderung, was ihn vermutlich auf eine geostationäre Übergangsbahn anstelle der angestrebten Synchronbahn brachte. Die exakten Bahndaten blieben bis heute geheim. Die Abfolge der Ereignisse kann mit einem Defekt des Antriebssystems des Satelliten erklärt werden, was ihn zunächst auf einer niedrigen Erdumlaufbahn stranden ließ. Wie bereits mehrfach geschehen, konnte die Bahn jedoch unter Einsatz der kleineren Steuerungstriebwerke allmählich doch noch annähernd erreicht werden. Später führten Indiskretionen sogar zum Bekanntwerden des Namens „B-​2″ für eine „im Winter 1990″ gestartete Nutzlast, die aufgrund eines Defekts nur eine „viel kürzere Lebensdauer und eine verringerte Leistungsfähigkeit“ erreichte. Die Crew der „Atlantis“ hatte jedenfalls mit dem Aussetzen des Satelliten den Großteile ihres Programms abgeschlossen. Lediglich einige kleinere militärische Experimente liefen noch an Bord. Und so sollte die Landung bereits am 19.11.1990 auf der Edwards AFB erfolgen. Doch unbeständiges Wetter mit heftigen Sturmböen machten zunächst eine Verschiebung der Landung um 24 Stunden erforderlich. Als sich das Wetter nicht besserte, wurde die „Atlantis“ auf die Betonpiste von Cape Canaveral umgeleitet. Seit April 1985 war es die erste Landung eines Space Shuttle auf dieser Piste, die am 20.11.1990 um 21:43 UTC erfolgte. Obwohl dabei der Aufsetzpunkt um 430 m verfehlt wurde, kam die Atlantis sicher auf der nur rund 5.000 m langen Piste zum Stillstand. Damit fand nach 117:55 h die letzte Geheimmission eines Space Shuttle für das DoD ihren Abschluß.
Erst später wurde bekannt, daß der tatsächliche Schwerpunkt der Mission STS-​38  im Aussetzen eines noch geheimeren Satelliten bestanden hatte. Neben dem zweiten SDS-​B hatte die „Atlantis“ noch einen zweiten Satelliten transportiert. Mehr als ein Jahrzehnt nach den Ereignissen erhielt der damals namenlos gebliebene Satellit (dessen Existensz negiert worden war und der nicht einmal eine NORAD Nummer erhalten hatte) doch noch wenigstens einen Codenamen: PROWLER. Und der bezog sich auf ein Objekt, das inzwischen längst auf einem geostationären Orbit angelangt war. Der Satellit basierte offenbar auf dem Hughes HS-​376  Modell, hatte aber wohl eine andere Aufgabe als üblich. PROWLER war demnach der Prototyp eines Satelliten, der sich, unter Ausnutzung von Stealth Technologien, anderen (sowjetischen) Kommunikationssatelliten nähern und deren Kommunikation abhören sollte. Erst als er seine Mission beendet hatte (und die Stealth Mechanismen ihre Wirksamkeit verloren) konnte er 1998 von Amateurbeobachtern entdeckt und sein Ursprung in detektivischer Arbeit zu STS-​38  zurück verfolgt werden.

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