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seltener Anblick: 2 Shuttles bei der parallelen Startvorbereitung; im Vordergrund STS-35 auf Pad-39A (startete später von Pad-39B) und im Hintergrund STS-41 auf Pad-39B
Start der „Dis­cov­ery“ zur Mission STS-41R
„Ulysses“ in der Nutzlastbucht des Space Shuttle
„Ulysses“ nach dem Aussetzen aus der „Discovery“
STS-41 Post Flight Presentation
Landung der „Discovery“ auf der Edwards AFB

Mit mehrjähriger Verspätung begann im Oktober 1990 endlich eine der großen Raumsonden-​Missionen, zu deren Start das Space Shuttle ursprünglich maßgeblich mit konstruiert worden war. Bereits 1974 hatte die damalige europäische Raumfahrtorganisation ESRO zusammen mit der amerikanischen NASA Studien zu einer „Out-​of-​Ecliptic-​Mission“ an der Sonne angestellt. Zwei Raumsonden, jeweils eine amerikanische und eine europäische, sollten zeitgleich den Nord– und Südpol der Sonne überfliegen und koordinierte Untersuchungen vornehmen. Der Beginn der Mission, die 1979 in International Solar Polar Mission (ISPM) umbenannt wurde, sollte im Jahr 1983 liegen. Doch schon bald verschob sich der frühest mögliche Starttermin auf den April 1985. Dann zog sich 1981 die NASA nach Budgetkürzungen ganz aus dem Projekt zurück. Dennoch verfolgte die ESA das Programm weiter. 1983 wurde die verbliebene Sonde fertiggestellt, 1984 erhielt sie den Namen „Ulysses“. Der Start war unterdessen für den Mai 1986 terminiert. Doch die „Challenger“ Katastrophe wenige Wochen zuvor vereitelte die Pläne. Die Sonde mußte teilweise wieder demontiert und konserviert werden. Vor Oktober 1990 war nicht an einen neuen Startversuch zu denken. Doch im Frühjahr 1990 schien auch die Einhaltung dieses Startfensters wieder gefährdet. Bei den Vorbereitungen zur Mission STS-​35  wurde am 29.05.1990 ein Leck im Wasserstoffkreislauf des Space Shuttle „Columbia“ entdeckt. Erst nach langwierigen Tests konnte das 43 cm Trennventil zwischen Außentank und Orbiter als Quelle des ausströmenden Flüssigwasserstoffs lokalisiert werden. Die „Columbia“ wurde daraufhin zurück ins Vehicle Assembly Building gerollt und das Ventil demontiert. Die Verzögerungen führten zu einer Umstellung des Flugplans, in dem nun STS-​38  „Atlantis“ die nächste Mission war, vor STS-​41  „Discovery“ mit „Ulysses“. Doch am 29.06.1990 zeigte sich beim Betanken von STS-​41  wieder ein Wasserstoffleck. Die NASA verhängte umgehend ein Flugverbot für die gesamte Shuttle Flotte. Glücklicherweise zeigte sich in den nächsten Wochen, daß beide Lecks unterschiedliche Ursachen hatten und kein generelles konstruktives Problem vorlag. Und so rollte zunächst die „Columbia“ im August wieder auf ihre Rampe, während die „Atlantis“ zurück ins VAB mußte. Auf der anderen Rampe von Startkomplex 39 wurde die „Discovery“ auf ihre „Ulysses“ Mission vorbereitet. Ihre Startvorbereitungen liefen ohne größere Probleme, ein Leck in einem Kühlmittelkreislauf war unkritisch, da pro Tag nur etwa 1% des Freon Vorrats verlorenging. Damit konnte der Starttermin schließlich sogar um zwei Tage auf den 06.10.1990 vorgezogen werden. Das war nur ein Tag nach dem Öffnen des 19-​tägigen Startfensters. Begleitet von heftigen Protesten von Umweltaktivisten, die gegen den Einsatz von Radioisotopen-​Generatoren (RTGs) an Bord von „Ulysses“ eintraten, lief die letzte Phase des Countdowns. Schließlich hob „Discovery“ F-​11  jedoch am 06.10.1990 um 11:47 UTC von LC-​39 B auf Cape Canaveral zur Mission STS-​41  ab. An Bord die fünfköpfige Crew von Kommandant Richard Richards, Pilot Robert Cabana sowie den Missionsspezialisten William Shepherd, Bruce Melnick und Thomas Akers. Bereits zwei Stunden nach dem Start begannen die Vorbereitungen zum Aussetzen von „Ulysses“. Die Sonde und ihre beiden Raketenstufen IUS und PAM wurden gründlichen Tests unterzogen. „Ulysses“ wurde in der Nutzlastbucht auf 58° angehoben und auf die autonomen Bordsysteme umgeschaltet. Dann konnte die Sonde ausgestoßen werden. Aus sicherem Abstand beobachtete die Crew 65 min später die Zündung der ersten Stufe des zweiteiligen IUS Antriebssystems. Innerhalb von lediglich 8:41 min beschleunigten die beiden IUS Stufen und das kleinere PAM-​S Triebwerk „Ulysses“ auf 15,25 kms–1  oder 54.900 kmh–1 . Das bis dahin schnellste von Menschen geschaffene Objekt war auf seinem Weg. An den folgenden drei Tagen betreute die Crew noch einige kleinere Experimente im Mitteldeck des Orbiters. Darunter zur Herstellung von Polymer-​Membranen, zur Zellteilung und zur Raumfahrt-​Medizin. Außerdem befand sich am Greifarm in der Nutzlastbucht eine Experimentenanordnung des Intelsat Konsortiums. Untersucht wurden die negativen Einflüsse atomaren Sauerstoffs auf Solarzellen. Hintergrund war die geplante Bergung von Intelsat VI F-​3, der auf einer niedrigen Umlaufbahn gestrandet war. Sollte die Alterung der Solarzellen zu stark sein, wäre eine Bergung unsinnig gewesen (was sich nicht bestätigte). Bereits am vierten Tag bereitete sich die Besatzung der „Discovery“ wieder auf die Landung vor. Diese erfolgte am 10.10.1990 um 13:57 UTC nach einem Flug von lediglich 98:10 h auf der Betonpiste der kalifornischen Edwards AFB. Verbunden mit der Landung war ein abschließendes Experiment, die Erprobung der neuen Kohlefaser-​Bremsen.
„Ulysses“ hingegen, konzipiert für eine wissenschaftliche Primärmission von fünf Jahren, übertraf alle Erwartungen. Nach einem Vorbeiflug an Jupiter, der die Sonde wie gewünscht aus der Ekliptikebene katapultierte, begann der erste Umlauf der Sonne von 1992 bis 1998. Der Südpol der Sonne wurde im Jahr 1994 erkundet, die Nordpolregion 1995. Bei einem zweiten Sonnenumlauf wiederholte sich das im Jahr 2000 bzw. 2001. Da sich die Sonde noch immer in gutem Zustand präsentierte, wurde die Finanzierung für einen weiteren Umlauf ab 2003 bereitgestellt. Im Februar 2008 schien dann das Ende der Mission absehbar, das der Hydrazin-​Vorrat einzufrieren drohte. Durch regelmäßiges Ablassen kleinster Treibstoffmengen konnte das zwar verhindert werden, dafür reduzierte sich der Treibstoffvorrat zusehends. Schließlich wurde das Ende der Mission zum 01.07.2008 beschlossen. Doch „Ulysses“ funktionierte allen Prognosen zum Trotz weiter. Auch der Antrieb. Und so wurde die Mission nochmal verlängert. Erst am 30.06.2009 wurde dann tatsächlich das Kommando zur Deaktivierung der letzten aktiven Systeme gesendet. Mehr als 18½ Jahre nach dem Start.

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