Lange Zeit war die Mission Sojus TM-12 in Frage gestellt, da der Flug zu einem erheblichen Teil durch die Mitnahme eines zahlenden Passagiers finanziert werden sollte. Im Rahmen eines nationalen Programms namens „Juno“ hatte in Großbritannien im Sommer 1989 die Suche nach geeigneten Kandidaten für einen Raumflug zur sowjetischen Raumstation Mir begonnen. Unter den 13.000 Bewerbern, die als Qualifikation eine wissenschaftliche Ausbildung, eine gute körperliche Fitness und eine Begabung zum Erlernen einer Fremdsprache nachweisen mußten, wurden vier Finalisten ausgewählt. Schließlich beendete überraschend die Zivilistin Helen Sharman als Beste das 18-monatige Kosmonautentraining. Trotz des erfolgreichen Trainings blieb ihr Flug jedoch in Frage gestellt, da das Konsortium britischer Unternehmen, das den Flug finanzieren wollte, das nötige Kapital nicht aufbringen konnte. Schließlich reduzierte die sowjetische Seite ihre finanzielle Forderung. Allerdings mußten auch die meisten der vorgesehenen britischen Experimente gestrichen werden. Doch auch auf sowjetischer Seite gab es Probleme. Nachdem das Docking des jüngsten Progress Transportraumschiffs erst im dritten Anlauf gelungen war, hatte erst ein außerplanmäßiges Außenbordmanöver die Ursache, eine defekte Antenne, offenbart. Der Flugplan war mittlerweile aber so durcheinander geraten, daß der Starttermin 12.05.1991 für Sojus TM-12 nicht mehr zu halten war. Das waren also die Umstände, unter denen am 18.05.1991 um 12:50 UTC die Sojus-U2 11A511U2 Rakete mit Sojus-TM 12 von Baikonur startete. Zwei Tage später, am 20.05.1991 um 14:31 UTC, koppelte das Raumschiff am Bug der Raumstation Mir an. Dabei mußten Sojus-TM 12 Kommandant Anatoli Arzebarski und Pilot Sergej Krikaljow den Anflug aus mehreren Kilometern Entfernung per Handsteuerung vornehmen, da das automatische Flugführungssystem bereits im Langstrecken-Modus fehlerhafte Werte lieferte. Die beiden russischen Kosmonauten brachten das Manöver trotz der irritierenden Meldungen des „Kurs“ Systems (im Moment des Dockings zeigte dieses eine verbleibende Distanz von 124 m!) sicher zu Ende. Sharman entlastete sie in dieser kritischen Phase als Operateur des TV-Kamerasystems und des Sprechfunkkontakts zwischen Kapsel und Flugleitung. Im Laufe der nächsten Woche übergab die bisherige Stammbesatzung die Raumstation an die neu angekommenen Kosmonauten und bereitete sich auf die Rückkehr zu Erde vor. Ihr britischer Gast betreute einige wenige Experimente und fotografierte ausgiebig die Erde. Wie bei solchen Flügen mit internationaler Beteiligung üblich, stand zudem ein „Telefonat“ mit dem sowjetischen Präsidenten Michail S. Gorbatschow auf dem Plan. Im Rahmen der Ablösung der alten Stammbesatzung erfolgte auch der Austausch des als Rettungskapsel dienenden Sojus Raumschiffs. Daher wurde der Konturensitz von Sharman kurz nach ihrer Ankunft in Sojus-TM 11 installiert.
Sharman verbrachte einen Großteil der 1990er Jahre damit, junge Menschen für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Ihre eigene berufliche Laufbahn bis zur promovierte Chemikerein, vor allem aber die Erfahrungen rund um ihren Raumflug, bildeten hierfür die Grundlage und Motivation. In der britischen Öffentlichkeit war ihre Flug aber schon bald vergessen. Zwar wurde sie u.a. 1993 zum Officer of the Most Excellent Order of the British Empire (OBE) ernannt. Und 1992 sowie 1998 nominierte Großbritannien sie erfolglos für das ESA Astronautencorps. Schließlich zog sie sich für zehn Jahre ins Privatleben zurück, um dann doch wieder eine Universitätskarriere aufzunehmen. Als britische Medien 1995 Tim Peake als „ersten Briten“ im All feierten, meldete sich auch Sharman wieder mit den Erinnerungen an ihren Raumflug in der Öffentlichkeit zurück. Peakes Rückkehr von der ISS im Juni 2016 fiel dann praktisch mit dem 25-jährigen Jubiläum der „Juno“ Mission zusammen. Und jetzt erinnerten sich auch die Medien der Wegbereiterin von Peakes „Principia“ Mission.

