Address: Phone: Mobile: Email: Diese E-​Mail-​Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. : Open Hours
Kosmos 1 — der erste von 2.500 

Hintergrundartikel (Archiv)


DS-2 alias Kosmos 1Als die sowjetische Nachrichtenagentur TASS am 16.03.1962 die Mitteilung zum Start eines neuen Satelliten veröffentlichte, ahnte im In– und Ausland niemand, wieviele Raumflugkörper ihm innerhalb des Kosmos Programmstatsächlich erwähnte die TASS Mitteilung vom 16.03.1962 keinen Namen für den Satelliten; erst mit dem Start eines weiteren Satelliten am 06.04.1962, der offiziell als Kosmos 2 bezeichnet wurde, erhielt auch der erste Kosmos Satellit einen Namen noch folgen solltenStand März 2012 offiziell 2.477 Satelliten mit Kosmos Bezeichnung. Auch 5 Jahrzehnte später startet das russische Militär noch regelmäßig Satelliten für das Kosmos Programm. Wobei man eigentlich von einem echten Programm nicht sprechen kann. Vielmehr verbargen sich unter dem Namen Kosmos im Laufe der Jahrzehnte zahllose Baureihen unterschiedlichster Aufgabenstellung. Da in der Sowjetunion das gesamte Raumfahrtprogramm, auch das zivile, unter Verantwortung des Militärs lief, unterlagen die Projekte grundsätzlich erst einmal der Geheimhaltung. Ausnahmen konnten beschlossen werden, so um den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse aus einzelnen Missionen zu ermöglichen. Oder um das Ansehen der Sowjetunion zu befördern, wozu sich die bemannten Raumfahrtaktivitäten oder einige interplanetare Mission hervorragend einigten.
Kosmos Gedenknadel (Kosmos 1000 - 1500)Die Einführung der uniformen Bezeichnung Kosmos für praktisch alle anderen Satellitenprogramme (Ausnahmen waren vor allem Anwendungssatelliten wie z.B. die Baureihen Meteor oder Ekran), erwies sich als kluger Schachzug. So konnten die Grenzen zwischen zivilen und militärischen Programmen geschickt verwischt werden. Grundsätzlich war fortan in den kargen Pressemitteilungen zum Start eines Kosmos Satelliten die Rede davon, daß dieser Aufgaben im Dienste der Volkswirtschaft erfüllte. Nur gelegentlich gab es dezente Hinweise darauf, daß Raumfahrt auch zum Schutz und zur Stärkung des Kommunismus betrieben wurde, ein verklausulierter Hinweis auf die militärischen Aspekte des Kosmos Programms. Angesichts der schieren Zahl von sowjetischen Satellitenstarts, vor allem in den 1970er und 80er Jahren, war Beobachtern natürlich dennoch klar, daß die Mehrzahl der Missionen militärisch motiviert war. Über den Prozentsatz konnte aber nur spekuliert werden. Anhand der Bahndaten, Bahnmanöver und Funkfrequenzen ließen sich aber schon sehr bald Einteilungen der Mehrzahl Kosmos Satelliten vornehmen. Die USA waren sich also über die regelmäßigen Starts von beispielsweise Foto– und Funkaufklärungssatelliten, Radarzielen, Navigations– oder Kommunikationssatelliten vollkommen im klaren (die Abschätzung der Leistungsfähigkeit der sowjetischen Satellitensystem fiel dagegen deutlich schwerer).
Außerdem eignete sich das Kosmos Programm hervorragend, um die nicht seltenen Fehlschläge zu verstecken. Raumsonden, die im Erdorbit strandeten oder Kommunikationssatelliten, die die Parkbahn nicht verlassen konnten, erhielten zuhauf eine Kosmos Bezeichnung.
Die Kosmos Serie war also alles andere als ein wohl strukturiertes Programm. Vielmehr entsprang sie dem Wunsch sowjetischer Politiker, Geheimdienstler und Militärs nach Geheimhaltung. Überlebt hat bis heute die militärische Komponente. Analog zu den Bezeichnungen USA xxx oder NROL xx erhalten russische Militärsatelliten auch heute noch eine Kosmos Nummer, und dies obwohl, wie in den USA, in vielen Fällen die Zuordnung zu einem bestimmten Programm vollkommen klar ist.
Etwa ab Mitte der 1970er Jahre klammerte die Sowjetunion aber auch einige zivile Programme aus der Kosmos Serie aus, wodurch in vielen Fällen ausländische Beobachter erstmals einen Blick auf die sowjetische Raumfahrttechnik erhielten. Offen für die Kooperation mit sogenannten befreundeten Nationen, später aber auch westlichen Staaten, waren beispielsweise die Serien Bion (Raumfahrtmedizin und –biologie), Foton (Mikrogravitationsforschung) und Resurs (Erderkundung).
Dafür, daß das Kosmos Programm überhaupt einen nennenswerten zivilen Anteil erhielt, sorgte vor allem das Konstruktionsbüro Juschnoje im ukrainischen Dnepropetrowsk. Bereits 1959 hatte man in der Sowjetunion das Fehlen einer leichten Trägerrakete erkannt, die benötigt wurde, um wirtschaftlich kleine Forschungssatelliten oder militärischer Nutzlasten starten zu können. Unter Leitung von Michail K. Jangel entstand im OKB-​586  eine zivile Variante der 8K63 (R-​12 ) Mittelstreckenrakete. Deren Nutzlastkapazität war nun wirklich sehr bescheiden. Und dennoch eröffneten die vergleichsweise geringen Kosten der Erzeugnis 63S1 genannten Rakete sowjetischen Wissenschaftlern die Möglichkeit, ihre Instrumente unabhängig von den vereinzelten Mitfluggelegenheiten auf Zenit Fotoaufklärungssatelliten ins All zu befördern. Anfang August 1960 wurde per Regierungsbeschluß die Schaffung der neuen Rakete und der Start von zunächst 10 kleinen Satelliten autorisiert. Damit war der Grundstein für eine Entwicklung gelegt, die das OKB-​586  zum Spezialisten für Kleinsatelliten in der damaligen Sowjetunion werden ließ. Anfangs ähnelten die Satelliten der DS Serie (Днепропетровский Cпутник, svw. Sputnik aus Dnepropetrowsk) noch dem „großen Vorbild“ Sputnik 1: kugelförmig, unstabilisiert, batteriebetrieben. Trotz ihrer simplen Auslegung und der anfangs noch sehr hohen Zahl von Fehlstarts war der Wert der kleinen Satelliten schon bald unbestritten. Nicht nur Wissenschaftler waren an Startgelegenheiten interessiert. Vor allem auch das Militär forderte den Start immer neuer Nutzlasten. Und so schufen die Konstrukteure in Dnepropetrowsk schon bald standardisierte Satellitentypen für bestimmte Missionen. Bis zum Ende der Sowjetunion entstanden so über 400 Satelliten und mehr als 70 Baureihen.
Tatsächlich war der am 16.03.1962 erfolgreich gestartete DS-​2  (Kosmos 1) Satellit lediglich das einfachst instrumentierte Ersatzmodell für den besser ausgerüsteten DS-​1  Forschungssatelliten. Denn die Starts der 63S1 Rakete hatten bereits im Oktober 1961 begonnen. Die beiden ersten Versuche scheiterten. Ursächlich waren Treibstoffschwingungen und die starken Vibrationen beim Start der Rakete aus dem unterirdischen Silo, aber auch andere konstruktive Unzulänglichkeiten. Auch das OKB-​1  kämpfte zu dieser Zeit mit ähnlichen Problemen. Die ersten R-​7  Varianten mit zusätzlichen Oberstufen versagten wiederholt aufgrund der unkontrollierbaren Schwingungen. Mathematisch war das Problem damals noch nicht analysiert, so daß die Ingenieure ihm zunächst nur mit der Versuch und Irrtum Methode zu Leibe rücken konnten. Nachdem die Wissenschaftler den Verlust von zwei Strahlungsdetektoren für die Kosmische Strahlung beklagen mußten, entschied man in Dnepropetrowsk, beim nächsten Start auf die zusätzlich mitgeführte wissenschaftliche Ausrüstung zu verzichten. Das DS-​2  Modell erhielt eine auf das Notwendigste reduzierte Ausrüstung. Primäre Aufgabe der ersten Nutzlasten war ohnehin die telemetrische Übertragung von Informationen zum Verhalten der Rakete beim Start. Um den wissenschaftlichen Nutzen des Satelliten bei minimalem Aufwand zu maximieren, installierte man in DS-​2  vier batteriebetriebene Sender, die auf den Frequenzen 20,003, 20,005, 90,018 und 90,0255 MHz ein Bakensignal abstrahlten. Aus den Variationen beim Empfang der Signale ließen sich Informationen zum Zustand der Ionosphäre ableiten.
Die über Jahre gewonnenen Erfahrungen der ukrainischen Experten wurde ab Ende der 1960er Jahre geschickt mit den Kapazitäten der sozialistischen Bruderländer kombiniert, als das Interkosmos-​Programm ins Leben gerufen wurde. Das OKB-​586 stellte die bewährten Satellitenzellen zur Verfügung, die nun von internationalen Kollektiven von Wissenschaftlern ausgerüstet wurden. Eine Kooperation zum gegenseitigen Nutzen. Das Ende der Sowjetunion läutete leider auch den dramatischen Niedergang der ukrainischen Raumfahrtaktivitäten ein. Lediglich ein kleiner Teil, namentlich das Raketenprogramm Zenit, konnte erfolgreich kommerzialisiert werden. In geringem Umfang bestehen auch weiter Aktivitäten zum Bau kleiner Satelliten, inbesondere zur Erderkundung. Und so lebt das Erbe des ersten „Sputnik aus Dnepropetrowsk“ auch nach 5 Jahrzehnten fortStand bei Veröffentlichung des Artikels, 2012 .

No module Published on Offcanvas position