Nach zwei von der SAST (Shanghai Academy of Spaceflight Technology) entwickelten Trägerraketen der Chang Zheng 12 „Familie“ gab im Juni 2026 mit der CZ-12 B (长征十二号乙) innerhalb von anderthalb Jahren ein drittes Modell sein Debüt. Unterschieden sich die CZ-12 und die CZ-12 A aber schon hinsichtlich ihres Antriebs und der Treibstoffkomponenten, kam mit der CZ-12 B nun eine komplette Parallelentwicklung eines anderen Herstellers hinzu. Auch sie zielte allerdings auf den lukrativen Markt der Megakonstellationen, von denen staatliche und private chinesische Betreiber gleich mehrere bei der ITU angemeldet hatten. Nun standen diese Unternehmen aber alle vor der schier unlösbaren Herausforderung, ihre Satelliten fristgemäß in den Orbit zu bringen. Wirtschaftlich war das nur mit (teilweise) wiederverwendbaren mittelschweren Trägerraketen realisierbar. Daran mangelte es zu Beginn der 2020er Jahre aber. Die von den beiden Staatsunternehmen entwickelten Modelle waren zu unwirtschaftlich (zu viele Stufen/Booster und nicht wiederverwendbar) und konnten die notwendige Startfrequenz nicht erreichen. Junge Start-Ups sprangen in die Bresche, kämpften aber bis auf wenige Ausnahmen mit ernsten technischen und/oder finanziellen Problemen. Nachdem die SAST 2021 mit ihrem XLV-21 Projekt (der späteren CZ-12 A) begonnen hatte, wollte offenbar auch die konkurrierende Pekinger CAST (China Academy of Space Technology) nicht zurückstehen. Offiziell nahm man dort bzw. beim kommerziellen Tochterunternehmen CACL (China Aerospace Science and Technology Corporation Commercial Rocket Co. Ltd.) im Herbst 2024 die Entwicklungsarbeiten auf — interessanterweise mit Beteiligung der SAST!. Als eine besondere Herausforderung erwies sich die kollaborative Steuerung der um zwei Achsen um ±8° schwenkbaren neun YF-102R Triebwerke (bzw. ihrer Brennkammern) des Staatsunternehmens AALPT (Academy of Aerospace Liquid Propulsion Technology). Dessen Basismodell, YF-102 , war bereits 2021 vorgestellt worden. Ungewöhnlich für chinesische Verhältnisse gab es damals keine „passende“ Rakete. Vielmehr handelte es sich um eine Entwicklung im Hinblick auf den noch im Entstehen begriffenen kommerziellen Markt. Trotz der absehbaren Vorteile im Hinblick auf die Wiederverwendbarkeit, die Methan als Treibstoff bot, setzte die AALPT bei dem Triebwerk auf Kerosin. Vermutlich, um die Entwicklungsrisiken zu minimieren. Denn parallel wurde auch ein Methalox Entwurf YF-209 präsentiert, dessen Entwicklung zur Serienreife sich dann auch prompt verzögerte. Das YF-102 war dagegen bewußt einfach gehalten und nach den Prinzipien des Gasgenerator-Zyklus konstruiert worden. Ein System aus Hochleistungs-Kaltgas–Lageregelungstriebwerken sollte speziell in der Rückkehrphase zur Erde die Roll-, Gier– und Nicklageregelung übernehmen. Zur aerodynamischen Steuerung bei der Rückkehr zum Landeplatz wurde die Erststufe nach dem Vorbild der Falcon 9 mit vier steuerbaren Gitterflächen ausgerüstet. Auch die Landebeine ähnelten dem US Vorbild. Bei der Oberstufe der CZ-12 B wählte die CACL die Vakuumversion des schon in der Erststufe verbauten Modells, das YF-102(R)V. Sein Schwenkbereich betrug um zwei Achsen ±4°. Der Hilfsantrieb der Oberstufe erlaubte zudem kleinere Bahnmanöver. Zur Gewichtsersparnis lag zwischen den beiden Treibstofftanks der Oberstufe ein gemeinsamer Tankboden mit einer einlagigen Polyurethanschaum-Isolierung. Bei der Stufentrennung setzte man statt auf Pyroladungen und Kleinsttriebwerke auf ein Hochdruckgas-System. Die Nutzlastverkleidung wurde in Leichtbauweise aus zwei Halbschalen aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit einem Wabenkern ausgeführt.
Da die Vorgabe für die Entwicklung der CZ-12 B ein leistungsfähigeres System als das der SAST war, ergab sich die Herausforderung, dies mit einem zweistufigen System zu erreichen. Die notwendige Zahl an Triebwerken mußte unterzubringen sein und natürlich war das Tankvolumen ein begrenzendes Element. Angesichts der Windlast konnte mit einer so schlanken Rakete eine Länge von siebzig Metern nicht wesentlich überschritten werden. Andererseits erlaubte der Bahntransport nur einen maximalen Stufendurchmesser von 4,2 m. Auf entsprechend ausgebauten Fernstraßen waren dagegen bis zu 4,5 m möglich. Daher fiel schließlich die Entscheidung zugunsten dieser Variante. Unter Berücksichtigung einer entsprechenden Sicherheitsmarge wurde der Stufendurchmesser auf 4,37 m festgelegt.
Wie die beiden anderen Raketen der CZ-12 Reihe wurde auch die CZ-12 B für die horizontale Integration, Test und Transport zum Startkomplex vorgesehen. Dabei brachte das Transportfahrzeug quasi die „Bodenplatte“ mit den wichtigsten Anschlüssen an die Bodeninfrastruktur direkt mit, was eine universelle Nutzung der Startanlagen in Jiuquan durch verschiedene Raketentypen erlauben sollte. Auch durch solche mit unterschiedlichen Treibstoffen.
| Gesamtsystem | |
| Nation | China (CACL) |
| Bezeichnung(en) | Chang Zheng 12 (CZ-12 B), Long March 12 B (LM-12 B) |
| Entwicklungszeitraum | 2024 – 2026 |
| erster Start | 01.06.2026 |
| Einsatzzeitraum | 2026– |
| Stufenzahl | 2 |
| Gesamthöhe | ca. 72 m |
| Basisdurchmesser | 4,37 m |
| max. Nutzmasse | ca. 20.000 kg (@ 200 km LEO)bei Verzicht auf Erststufenlandung ca. 12.000 kg (@ 200 km LEO)bei Erststufenlandung ca. 12.000 kg (@ 500 km SSO)bei Verzicht auf Erststufenlandung |
| Leermasse | |
| Treibstoffmasse | |
| Startmasse | ca. 650.000…700.000 kg |
| Startschub | ca. 7.515 kNMaximalschub |
| 1. Stufe | |
| Hersteller | CAST |
| Bezeichnung(en) | |
| Länge | |
| Durchmesser | 4,37 m |
| Leermasse | |
| Treibstoffmasse | |
| Gesamtmasse | |
| Antrieb | 9 Flüssigkeitstriebwerke AALTP YF-102R |
| Treibstoff | Kerosin + Flüssigsauerstoff |
| Startschub | 9× 835 kN = 7.515 kNMaximalschub |
| spezifischer Impuls (Seehöhe) | 275,3 s |
| Brenndauer | |
| 2. Stufe | |
| Hersteller | CAST |
| Bezeichnung(en) | |
| Länge | |
| Durchmesser | 4,37 m |
| Leermasse | |
| Treibstoffmasse | |
| Gesamtmasse | |
| Antrieb | 1 Flüssigkeitstriebwerk AALTP YF-102RV |
| Treibstoff | Kerosin + Flüssigsauerstoff |
| Vakuumschub | 835 kNAngabe fraglich |
| spezifischer Impuls (Vakuum) | |
| Brenndauer | |
| Nutzlastverkleidung | |
| Länge | 16 m |
| max. Durchmesser | 5,2 m |
