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Donnerstag,

20.01.2005

Zu einer etwas ungewöhnlichen Mission startete am 20.01.2005 vom Kosmodrom Plesetsk eine Kosmos-3M 11K65M Rakete. Die primäre Nutzlast bildete ein „Parus“ Navigationssatellit für das russische Verteidigungsministerium. Dazu kam jedoch noch ein nur 30 kg wiegender Experimentalsatellit, der von Studenten der Moskauer Staatlichen Universität (Lomonossow-​Universität) gebaut worden war. Er war aus Anlaß des 250. Jahrestages der Universitätsgründung entwickelt worden und trug daher die Namen Universitetsky (russ. Университетский) und Tatjana (russ. Татьяна), wobei letzterer ein Verweis auf den Tag der heiligen Tatjana ist, an dem die Universität 1755 gegründet worden war. Weitere Namen lauteten RS-​23 (von russ. Радио Cпутник, svw. Radio Sputnik) bzw. MGU-​250 (von russ. Московский Государственного Университет, svw. Staatliche Moskauer Universität). Der Satellit war für Strahlungsmessungen in einem breiten Energiespektrum ausgerüstet und untersuchte außerdem die nächtliche UV-​Strahlung, Polarlichter und das irdische Magnetfeld. Am 07.03.2007 brach schlagartig jeder Kontakt zu dem Satelliten ab. Daraufhin erschienen in der russischen Presse prompt Spekulationen, wonach Tatjana Opfer eines amerikanischen Weltraumwaffentests geworden sei. Dabei hatte der Satellit seine projektierte Lebensdauer bereits um ein Jahr überschritten gehabt, als ihn der Ausfall ereilte.
Kosmos 2414 dagegen erreichte eine Umlaufbahn, die 40 bis 60 km niedriger lag, als das gewöhnlich bei Satelliten vom Typ „Parus“ der Fall war. Spekulationen über eine verminderte Leistung der S5M Oberstufe wurden jedoch von russischer Seite zurückgewiesen. Vielmehr war bei dem Start eine neuartige Nutzlastverkleidung erprobt worden. Diese war für die deutschen Radar­aufklärungs­satelliten SAR-​Lupe entwickelt worden und zeichnete sich durch ein größeres Volumen aber auch einen größeren Querschnitt aus. Der höhere Luftwiderstand verringerte die Nutzlast der Rakete, was man bei dieser Mission in Kauf genommen hatte.