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Mittwoch,

10.01.2007

Den Auftakt des Raumfahrtjahres 2007 bildete eine multinationale Mission unter Führung der indischen Raumfahrtorganisation ISRO. Diese startete am 10.01.2007 vom Raumfahrtgelände Sriharikota eine PSLV (v.3) Rakete mit insgesamt vier Satelliten aus drei Ländern. Hauptnutzlast war der indische Erderkundungssatellit Cartosat 2. Dieser Vertreter der langjährigen IRS (Indian Remote Sensing) Baureihe (IRS-​P7) trug als Hauptinstrument eine panchromatische Kamera mit einer Auflösung unter einem Meter. Die Kamera konnte zudem unter einem Winkel von 45° entlang und quer zum Flugpfad geschwenkt werden. Die gewonnenen Aufnahmen waren für den Einsatz in der Kartographie, zur Erstellung von Katasterinformationen, in der Städte– und Landschaftsplanung und im Rahmen von LIS und GIS (Land Information System bzw. Geographical Information System) vorgesehen. Im Gegensatz zu früheren PSLV Starts, bei denen sekundäre Nutzlasten am Stufenadapter der letzten Stufe montiert worden waren, kam bei diesem Start eine echte Doppelstartvorrichtung ähnlich der SYLDA der Ariane Rakete zum Einsatz. Der Grund war der, daß mit dem SRE erstmals ein zweiter großer Satellit transportiert wurde. Das Space Capsule Recovery Experiment war Indiens erster Versuch, eine Kapsel aus dem Erdorbit gezielt zur Erde zurückzuführen. Erst wenige Raumfahrtnationen (USA, Sowjetunion, China, Japan, Europa) hatten bis dahin diese Fähigkeit erlangt. Nun schloß Indien mit dem SRE zu diesen auf. Die 550 kg schwere Kapsel verfügte über ein eigenes Navigations-​, Steuerungs– und Kontrollsystem, war mit einem Triebwerk für Bahn– und Retromanöver ausgestattet und mit einem eigenentwickelten wiederverwendbaren Hitzeschutz versehen. In der Kapsel waren zwei Experimente zu Mikrogravitationsforschungen installiert. Weiterhin transportierte die PSLV zwei kleine Experimentalsatelliten. LAPAN-​TUBSAT war an der TU Berlin für die indonesische Raumfahrtorganisation LAPAN entwickelt und gebaut worden. Er setzte eine Reihe ähnlicher erfolgreicher Satelliten aus dem Institut fort. Schwerpunkt seiner Mission war die Erderkundung mit zwei CCD-​Kameras von 5 m bzw. 200 m Auflösung. Dazu kam eine experimentelle Kommunikationsnutzlast nach dem „store-​and-​forward“ Prinzip. Kleinste der vier Nutzlasten war der argentinische Amateurfunksatellit PehuénSat (abgeleitet von Pehuén, dem Namen der in Südamerika heimischen Araukarie). Er war in Kooperation zwischen der AMSAT Argentina, der Universidad Nacional del Comahue und der AATE (Asociación Argentina de Tecnología Espacial entstanden. Bereits mit dem Entwurf und Bau des Satelliten war eines der wichtigsten Ziele der Mission erfüllt worden, nämlich das Training von Studenten technischer Fachrichtungen. Nach dem geglückten Start fungierte der Satellit als Amateurfunktransponder. Daher erhielt er auch die Bezeichnungen Pehuensat-​OSCAR 63 bzw. PO-​63. Da allerdings aus Kostengründen auf eine Abtrennung des Satelliten von der oberen Hälfte der Doppelstartstruktur verzichtet worden war, schattete diese sowohl die Solarzellen als auch die Antennen von PehuénSat teilweise ab, was den Empfang der schwachen Signale erschwerte.