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Freitag,

14.03.2008

SES Americom hatte bei Lockheed Martin einen A2100AXS Satelliten in Auftrag gegeben, der als AMC 14 Direct to Home Dienste innerhalb der USA anbieten sollte. Ausgelegt für eine Kapazität von 32 Ku-​Band Transpondern, gekoppelt an 150 W Wanderfeldröhren, hatte man beim Entwurf des Satelliten auch auf eine besonders hohe Ausfallsicherheit Wert gelegt. Alle zentralen Systeme waren redundant ausgelegt. Das schützte AMC 14 aber nicht vor seinem Schicksal. Die EchoStar Corporation, Betreiber einer großen Satellitenflotte für das DISH Network, hatte die Absicht geäußert, die gesamte Kapazität des AMC 14 Satelliten zu mieten. Allerdings wünschte man eine Reihe von Modifikationen zur Erhöhung der Flexibilität an dem Satelliten, so daß sich dessen Starttermin auf Ende 2007 verschob. Auch plante man, eine neuartige Phasengitterantenne zu erproben, mit der die Form der Sendekeulen präzise beeinflußt werden konnte. Probleme bereitete die Genehmigung, den Satelliten auf der gewünschten Orbitalposition zu betreiben. Hier gab es Bedenken hinsichtlich der Nähe zu anderen Kommunikationssatelliten. Schließlich gab EchoStar an, mit AMC 14 den alternden EchoStar III auf 61,5° West zu ersetzen. Aber auch ein vorübergehender Einsatz auf der mexikanischen 77° West Position war im Gespräch. Ende 2007 entstanden dann aus der EchoStar Communications Corporation zwei neue Unternehmen, die spätere DISH Network Corporation (DNC) und die EchoStar Corporation (ECC). Beide Unternehmen hielten einen Teil der FCC Lizenzen und betrieben etwa 50% der bisherigen und geplanten Satellitenflotte (DNC: EchoStar I, EchoStar II, EchoStar V, EchoStar VII, EchoStar X, EchoStar XI, EchoStar XIV, Anik F3 und Ciel 2; ECC: EchoStar III, EchoStar IV, EchoStar VI, EchoStar VIII, EchoStar IX, EchoStar XII, AMC 15, AMC 16, CMBStar und AMC 14). Der Fehlstart einer Proton Rakete im September 2007 führte zu einer Verschiebung des Starts von AMC 14 auf den März 2008, so daß dieser bereits im Auftrag der neuen EchoStar Corporation stattfand. Am 15.03.2008 hob die Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43 Bugsierstufe von Baikonur ab und beförderte ihre Nutzlast auf eine vorläufige Bahn. Doch während die erste Zündung der Bris-​M noch nach Plan verlief, trat der Brennschluß bei der zweiten Zündung 2:13 min vorzeitig ein. Damit strandete der Satellit auf einem Orbit mit nur 28.000 statt 36.000 km Apogäumshöhe. Dem Startanbieter ILS blieb daher nur, den 5. Fehlschlag von 45 Proton-​Starts zu konstatieren und eine Untersuchung zu den Ursachen einzuleiten. Doch obwohl der Satellit als Totalverlust abgeschrieben werden mußte, erlebte er noch eine zweite Karriere. Von den Versicherungen an eine nicht näher benannte US „Behörde“ vermietet, manövrierte AMC 14 über mehrere Wochen, bis schließlich eine inklinierte Synchronbahn über 34,8° Ost erreicht war, die eine Nutzung des Satelliten für Kommunikationsaufgaben zuließ. Nach nicht bestätigten Angaben nutzten die US Geheimdienste den Satelliten zur Übertragung von Informationen von und zu unbemannten Kampf– und Aufklärungsdrohnen in Afghanistan und Pakistan. Im Februar 2016 wechselte der Satellit überraschend seine Position auf 18° Ost. Später wurde bekannt, daß es Bestrebungen gegeben hatte, AMC 14 mit einem Manöver unter Nutzung des Mondes zu retten, wie 1998 Asiasat 3. Doch obwohl das Verfahren lediglich auf der geschickten Nutzung physikalischer Effekte bestanden hatte, konnte es diesmal nicht angewendet werden, weil es sich Boeing seinerzeit hatte patentieren lassen.