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Donnerstag,

18.12.2014

Nach dem einem Oberstufenproblem geschuldeten Stranden von zwei Satelliten des europäischen Navigationssatelliten-​Systems Galileo auf einer falschen Umlaufbahn herrschte bei Arianespace zunächst große Unsicherheit über die Fortführung des Sojus Programms in Kourou. Das ohnehin umstrittene Projekt war massiv in die Kritik geraten, als die Gründe für den Fehlschlag erkennbar wurden. Arianespace mußte einräumen, selbst kaum Möglichkeiten zu haben, bei den russischen Herstellern die Qualität der Produktion zu prüfen. Und dort genügte das Qualitätsmanagement erkennbar auch weiterhin nicht westlichen Maßstäben. Vor allem EU und ESA diskutierten offen einen Wechsel der Trägerrakete. Ein anderer Satellitenbetreiber, der ebenso wie Galileo unter den Verzögerungen bei der Installation seiner Satellitenkonstellation litt, ging aber das Risiko ein, vier seiner Satelliten der nächsten Sojus-​STB mit Fregat-​MT Manövrierstufe anzuvertrauen. Planmäßig hob die Rakete mit O3b FM9, O3b FM10, O3b FM11 und O3b FM12 am 18.12.2014 von Kourou ab. Die ersten Bahnmanöver der Fregat Stufe mit den an einem Dispenser befestigten Nutzlasten verliefen planmäßig, doch vor der entscheidenden letzten Brennphase konnten plötzlich keine Telemetriedaten mehr empfangen werden. Das erinnerte fatal an die Situation beim letzten Sojus-​Start von Kourou im August 2014. Wenigstens bestätigten die Telemetriedaten der ersten beiden ausgesetzten Satelliten, daß bis dahin alle Manöver korrekt absolviert worden waren. Nun mußte die Fregat aber nochmals manövrieren, bevor das zweite Satellitenpaar ausgesetzt werden konnte. Im Kontrollzentrum vergingen weitere zehn Minuten bis die Satelliten ihre Sender aktivierten. Groß war die Erleichterung, als die Signale ebenso wie die ersten Radar-​Bahnvermessungen bestätigten, daß alle vier einen Zielorbit innerhalb der vorgegebenen Toleranzen erreicht hatten. Die Reputation der Fregat Stufe hatte diese Mission aber auch nicht gerade wiederhergestellt. Für den auf der Kanal Insel Jersey beheimateten Betreiber O3b Networks Ltd. bedeutete der erfolgreiche Start einen wichtigen Meilenstein. Denn mit zwölf Satelliten erreichte die Konstellation ihre geplante Ausbaustufe. (Damaliges) Ziel war es, bisher infrastrukturell unterversorgten Gebieten („the Other 3 Billion“) eine schnelle Internetanbindung über Satellit zu ermöglichen. Ursprünglich war der Start der ersten O3b Satelliten bereits für 2010 geplant gewesen. Technische und finanzielle Probleme wie auch der Wechsel der Trägerrakete (ursprünglich war die Zenit-​3SL vorgesehen gewesen) verzögerten den ersten Start aber auf den Juni 2013. Leider litten zwei der ersten Satelliten unter technischen Problemen, was Nachbesserungen an den folgenden Exemplaren notwendig machte und so das Projekt weiter in Verzug brachte. Grundsätzlich bestätigte der Erfolg des Unternehmens aber die Idee und legte den Grundstein für Pläne einer zweiten Satellitengeneration.