Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

395565
Statistik erstellt: 2017-11-21T22:38:56+01:00

März 2016.

2Maerz

Sojus TMA-18M bei der Rückkehr zur Erde

die Sojus TMA-18M Besatzung unmittelbar nach ihrer Landung

Der viel beachtete Einjahres-​Raumflug von Michail Kornijenko und Scott Kelly ging am 02.03.2016 mit ihrer Rückkehr zur Erde zu Ende. Ihre Sojus TMA-​18M koppelte am 02.03.2016 um 01:02 UTC vom „Poisk“ Modul der Internationalen Raumstation ab. Neben den beiden Langzeitraumfahrern war Sergej Wolkow, der ihren Flug ein halbes Jahr begleitet hatte, an Bord der Sojus. Nach Abarbeitung der Standardprozeduren trat die Landekapsel in die Atmosphäre ein und ging am 02.03.2016 um 04:26 UTC sicher im Zielgebiet 157 km südöstlich von Scheskasgan nieder. Rasch waren die Bergungsmannschaften vor Ort und bauten ihren mobilen medizinischen Untersuchungsstützpunkt auf. Denn der Langzeitflug bot die seltene Gelegenheit, Daten zum Gesundheitszustand von Raumfahrern zu sammeln, die sich direkt auf die Situation bei einer bemannten Marslandung übertragen ließen. Daher waren die Untersuchungen diesmal noch umfangreicher als sonst. Vor allem Daten zur Kraft und Koordination wurden erhoben. Anschließend wurden Kelly in die USA ausgeflogen, während Kornijenko in Moskau in der Zentrifuge des Kosmonauten-​Trainingszentrums den Belastungen einer Marslandung ausgesetzt wurde und in einem modifizierten „Orlan-​MKS“ Raumanzug u.a. eine simulierte Marsrover Fahrt unternahm. Schon nach erstem Augenschein hatten die beiden Langzeitraumfahrer ihren 340 Tage Raumflug (8.168:43 h) in guter Verfassung überstanden — ebenso wie ihr Sojus-​Kommandant Wolkow seine 4.367:48 h. Die weiter verbesserten Methoden und das auch zeitlich umfangreiche Trainingsprogramm an Bord der ISS hatten sich ausgezahlt.
4Maerz

Start von SES 9

SES 9 bereit zur Auslieferung

Nutzlast beim Start einer Falcon 9 v1.2 am 04.03.2016 von Cape Canaveral war der SES 9 Kommunikationssatellit, den SES World Skies bei Boeing auf Basis der BSS-​702HP Plattform hatte bauen lassen. Obwohl der Start, wie andere auch, unter den ständigen Startverschiebungen bei SpaceX zu leiden hatte, setzte man im SES Konzern weiter auf den preislich extrem attraktiven Startdienstleister. Das beiderseitige Vertrauen war groß und auch beim SES 8 Start hatte sich das für die SES im Wortsinne „ausgezahlt“, wohl u.a. in Form von Sonderkonditionen. Die Verzögerungen beim SES 9 Start drohten allerdings Anfang 2016 erhebliche Konsequenzen für das Geschäft des Konzerns nach sich zu ziehen. Denn der Satellit war fest für die Übertragungen der Spiele der Fußball-​EM in Frankreich eingeplant. Nach dem Start der ersten Falcon 9 v1.2 im Dezember 2015 ergab sich dann die Notwendigkeit, die Prozesse bei der Startvorbereitung zu überarbeiten. Zudem drangen Nachrichten über ein neu entdecktes grundlegendes Problem im Design der Rakete an die Öffentlichkeit. Jedenfalls gab es Anfang 2016 einen mehrwöchigen Startaufschub. Unter normalen Umständen hätte SES 9 damit nicht mehr rechtzeitig auf Sendung gehen können. Es sei denn, er würde nach dem Start auf einen supersynchronen Orbit gebracht, so daß er schneller auf eine geostationäre Bahn manövrieren konnte. Der über 5.300 kg schwere Satellit forderte dafür aber die maximale Leistung der Trägerrakete, was die Reserven für die eigentlich geplante Landung der Erststufe auf ein eigentlich nicht mehr tragbares Level reduzierte. Die geänderte Aufstiegsbahn der Rakete bedeutete zudem, daß die Seeplattform über 600 km vor der Küste Floridas in Position gehen mußte. Nach dem üblichen heißen Triebwerkstest der, abgesehen von der Nutzlast, kompletten Rakete am 22.02.2016 war der Start für den 24.02.2016 geplant. Doch die Landeplattform OCISLY (Of Course I Still Love You) wartete an diesem Tag vergeblich auf die einfliegende Stufe. Noch vor der Betankung mit dem superkalten Treibstoff wurde der Countdown abgebrochen. Einen neuen Versuch unternahm SpaceX am Reservetermin, dem 26.02.2016. Doch bei T-1:41 min kam das Kommando zum Abbruch des Countdowns. Wieder waren Probleme beim Betanken aufgetreten. Um das Maximum an Tankvolumen nutzen zu können und damit auch die höchstmögliche Leistung, mußte die Rakete bis T-​3 min nachgetankt werden, wobei auch nicht zu früh mit dem Vorgang begonnen werden durfte. Schon kleinste Probleme erzwangen unter diesen Umständen einen Abbruch. Doch beim nächsten Startversuch am 28.02.2016 führten andere Ursachen zum Abbruch. Diesmal war ein Schiff in die vor der Küste von Cape Canaveral ausgewiesene Verbotszone eingedrungen. Nach einer längeren Unterbrechung wurde der Countdown schließlich kurz nach Mitternacht des 29.02.2016 (Weltzeit) wieder aufgenommen und lief endlich durch. Doch im Augenblick der Zündung gab der Computer das Kommando zum Startabbruch. Trotz eines kleinen Feuers im Triebwerksbereich hoffte SpaceX noch auf einen erfolgreichen Start innerhalb des aktuellen Startfensters. Schließlich mußte man die Hoffnung aber doch aufgeben. Die Analyse der Umstände, unter denen der Computer die Zündsequenz der Triebwerke unterbrochen hatte, ergab, daß sich während des außerplanmäßigen Holds der Sauerstoff soweit erwärmt hatte, daß sich in dem Tank eine Helumblase gebildet hatte, die eine saubere Triebwerkszündung verhindert hätte. Am 01.03.2016 wurde der Countdown erst gar nicht wieder aufgenommen, weil kein Abflauen der zu starken Höhenwinde zu erwarten war. Als nächstmöglichen Termin setzte man den 04.03.2016 fest. Und diesmal gelang der Start. SES 9 war wenig später problemlos auf dem vorgesehenen supersynchronen Transferorbit ausgesetzt. Und obwohl SpaceX Gründer Elon Musk die Chance auf eine erfolgreiche Landung der Erststufe als minimal bezeichnet hatte, unternahm man doch den Versuch einer Landung auf hoher See. Die außergewöhnliche Bahn und die geringen Treibstoffreserven führten zu einem verwegenen Anflugmanöver. Die Stufe kehrte zu einem erheblichen Teil auf einer ballistischen Bahn zurück. Erst unmittelbar über der Barge sollte das Bremsmanöver eingeleitet werden, unter den gegebenen Umständen allerdings erstmals unter Zündung von drei statt einem Triebwerk. Tatsächlich „traf“ man auch diesmal wieder die Landeplattform, allerdings mit zu hoher Geschwindigkeit und am Rand derselben. Es gab einige Schäden an OCISLY, auch das Deck wurde in einem Bereich durchschlagen. Trotz des mißglückten Landeversuchs verbuchte SpaceX wohl auch dieses riskante Experiment als Erkenntnisgewinn.
Während in Port Canaveral die Reparaturarbeiten an OCISLY liefen und die Trümmer der Raketenstufe zur Inspektion abtransportiert wurden, unternahm SES 9 eine Serie von Bahnmanövern, die ihn allmählich auf einen geostationären Orbit manövrieren sollten. Ziel war eine geostationäre Position über 108,2° Ost von der aus er — ko-​positioniert mit SES 7 — mit seinen 57 (nach anderer Zählung 81) Ku-​Band Transpondern Nordostasien, Südasien und Indonesien bedienen konnte.
9Maerz

die Ariane-5ECA VA229 in der Startzone

Eutelsat 65 West A bei Tests seiner Antennen

Zu einer weiteren Solo-​Mission startete am 09.03.2016 eine Ariane-​5ECA vom Centre Spatial Guyanais (CSG) in Französisch Guyana. Da kein passender kleinerer Partner für diesen Start verfügbar war, entschieden Arianespace und der Satelliteneigner EUTELSAT sich dafür, Eutelsat 65 West A als einzigen Passagier bei Mission VA229 fliegen zu lassen. Der Satellit war im Sommer 2013 bei Space Systems/​Loral bestellt worden. Die Eutelsat S.A. wollte sich mit ihm Zugang zu neuen Märkten in Südamerika verschaffen. Dazu wurde der SSL-​1300 Satellitenbus mit 10 C-​Band und 24 Ku-​Band Transpondern ausgerüstet. Dazu kamen bis zu 24 Ka-​Band Spot-​Beams. Vor allem in Brasilien war der Start sehnsüchtig erwartet worden, da der Satellit eine zentrale Rolle bei der Übertragung der Olympischen Sommerspiele 2016 spielen sollte. Dank seiner hohen Ku-​Band Sendeleistung konnte er ganz Brasilien mit HDTV Angeboten versorgen, die mit Antennen von nur 60 cm Durchmesser empfangbar waren. Im C-​Band hingegen überbrückte Eutelsat 65 West A den Atlantik. Aber auch die Unternehmenskommunikation in Mittelamerika, der Karibik und der Andenregion sollte von dem neuen Satelliten profitieren. Rund 27 min nach dem Start war er ausgesetzt. Einige Minuten später nahm die neue 4,5 m Antenne der ESA in New Norcia, West Australien, Kontakt zu dem Satelliten auf. Eutelsat wurde dann auf eine geostationäre Bahn angehoben und begann mit der Drift in Richtung seiner Arbeitsposition über 65° West.
10Maerz

IRNSS 1F auf der letzten Raketenstufe

Einen weiteren Navigationssatelliten für das Indian Regional Navigation Satellite System hatte die PSLV-​XL Rakete an Bord, die am 10.03.2016 von Sriharikota startete. Zwar hatte auch das IRNSS Programm einige Verzögerungen erfahren. Doch nun schritt die Fertigstellung des regionalen Navigationssatellitensystems rasch voran. Das fünfte Satellitenexemplar hatte im Januar 2016 seine Bahn erreicht. Anschließend plante die ISRO sogar, die beiden verbliebenen Exemplare innerhalb eines Monats zu starten. Das erwies sich zwar als Wunschdenken, doch immerhin IRNSS 1F flog tatsächlich im März 2016, gefolgt von IRNSS 1G gut einen Monat später. Knappe 20 Minuten nach dem Start hatte die letzte Stufe der PSLV-​XL den Satelliten auf einem 284×20.719 km Transferorbit ausgesetzt. Vier Zündungen des LAM (Liquid Apogee Motor) zwischen dem dem 11. und 14.03.2016 brachten IRNSS 1F auf einen (planmäßig) leicht inklinierten geosynchronen Orbit. Bald darauf konnte die ISRO die Indienststellung des Satelliten vermelden.
13Maerz

die Sojus-2.1b mit Resurs-P №3

der chinesische Hafen Dalian aufgenommen mit dem Geoton-L1 Instrument von Resurs-P 3

Rußland bereitete im Frühjahr 2016 den Start seines dritten modernen Erderkundungssatelliten aus dem Resurs-​P Programm vor. Die Nachfolger des Resurs-​DK Satelliten basierten wie dieser auf dem Bus der militärischen Jantar-​Satelliten. Wichtigstes Instrument war der Geoton-​L1 Hyperspektral-​Sensor, der in Verbindung mit einer Optik mit 0,5 m Apertur Erdaufnahmen liefern konnte, die mit etwa 1,0 m im panchromatischen bzw. 3 bis 4 m im Farb-​Modus auflösten. Der seit geraumer Zeit erwartete Start von Resurs-​P 3 wurde schließlich für den 12.03.2016 angesetzt. Doch im Augenblick der Triebwerkszündung ergab sich eine überraschende Situation. Die Live-​Bilder zeigten eine Rauchwolke sowie verdampfenden Sauerstoff. Die Sojus-2.1b 14A14 Rakete stand jedoch noch immer auf der Rampe von Platz 31 in Baikonur. Tatsächlich hatten Sensoren im letzten Augenblick eine Anomalie im Zündkreis der Erststufentriebwerke registriert und den Start abgebrochen, bevor die Triebwerke hochliefen. Ebenso rasch wie die Ursache gefunden war, wurden die Zünder ersetzt und durchgeprüft. Daher konnte bereits am 13.03.2016 ein neuer Startversuch unternommen werden. Und dieser gelang problemlos. Wenig später hatte die Rakete ihre Aufgabe erfüllt und den Satelliten auf der geplanten Bahn ausgesetzt. Doch mischte sich in die Freude über den geglückten Start auch schon bald Sorge um den Fortgang der Mission. Denn eine der beiden Solarzellenflächen hatte sich nicht (vollständig?) entfaltet. Man hoffte allerdings darauf, daß sich das Problem im Laufe der folgenden Bahnmanöver von selbst lösen würde. Am 17.03.2016 fand die erste Triebwerkszündung von 70 s statt, gefolgt von einer weiteren Bahnanhebung um rund 70 km am 20.03.2016. Damit war Resurs-​P 3 auf seinem Arbeitsorbit in etwa 470 km Höhe angekommen. Am 24.03.2016 veröffentlichte Roskosmos das erste, am Vortag aufgenommene, Bild des Satelliten. Inwieweit die Probleme mit der blockierten Solarzellenfläche behoben waren, verlautete jedoch nicht.
14Maerz

Start der ExoMars 2016 Mission

ExoMars 2016 in Baikonur

ExoMars 2016 EDM nach der Installation auf dem TGO

ExoMars TGO und EDM bei Vibrationstests

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Beginn erster Studien zum europäischen ExoMars Projekt startete am 14.03.2016 tatsächlich eine erste Sonde aus diesem Programm zum Mars. Als die ESA im Jahr 2005 im Rahmen des Aurora Programms mit der konkreten Ausarbeitung einer Flagship Mission einer Landesonde zur Suche nach Spuren einstigen oder gar heutigen Lebens auf dem Mars begann, hoffte man auf den Start eines stationären Landers und eines Rovers in der Klasse des NASA Mars Exploration Rover an Bord einer Sojus-​Fregat Rakete. Optimistische Schätzungen gingen damals noch von einem Start im Jahr 2009 aus. Die offenkundigen Nachteile des ursprünglichen Entwurfs, bei dem der Sondenbus als Vorbeiflugsonde konzipiert war, was eine vollständige Abhängigkeit vom NASA Mars Reconnaissance Orbiter als Datenrelais bedeutet hätte, führte 2006 zum ersten Re-​Design der Mission. Doch als Trägerrakete für die Orbiter-​Rover Kombination kam nur die Ariane 5 infrage. Das hätte aber die Finanzobergrenze des Programms gesprengt, woraufhin man Ende 2008 Kontakt zur NASA suchte. Der einst für 2009 geplante Start war da schon in weite Ferne gerückt. Zu jener Zeit unterzog auch die NASA ihr Mars Exploration Program einer Überprüfung, da sich der für 2009 geplante Start des Mars Science Laboratory mit dem Rover „Curiosity“ wegen technischer Probleme auf das Jahr 2011 verzögert hatte. Nun durchlief das ExoMars Programm eine erneute Metamorphose und wurde Teil der Mars Exploration Joint Initiative (MEJI). Der Start sollte jetzt an Bord einer Atlas V erfolgen. Die NASA wollte nicht nur die Rakete stellen, sondern auch den Mars Science Orbiter (MSO). Diese komplexe Sonde hatte jedoch bereits eine so hohe Masse, daß der europäische Rover hätte spürbar schrumpfen müssen. Das Konzept mußte wiederholt den finanziellen und technischen Gegebenheiten angepaßt werden und endete schließlich in der Erkenntnis, daß die Ziele nur beim getrennten Start zweier Sonden auf Atlas V erreicht werden konnten. Europa war jetzt zusätzlich mit dem Trace Gas Orbiter (TGO) beteiligt, der zudem eine kleine meteorologische Station auf der Marsoberfläche absetzen sollte. Starttermin: Januar 2016. Der ExoMars Rover war für einen Start zwei Jahre darauf vorgesehen, wobei die NASA den MAX-​C (Mars Astrobiology Explorer-​Cacher) Rover auf diese Mission mitgeben wollte. Im April 2011 mußte sich die NASA aber aufgrund ihrer Budget-​Krise von dieser Idee verabschieden. Der Vorschlag, stattdessen einen in Europa gebauten Rover mit einem Mix aus NASA– und ESA-​Instrumenten per Sky Crane Verfahren auf dem Mars zu landen, ließ sich ebensowenig umsetzen. Weitere Budgetkürzungen für das Finanzjahr 2013 (im Ausgleich für die gewaltigen Kostenüberschreitungen beim James Webb Space Telescope) erzwangen schließlich den kompletten Rückzug der NASA aus dem ExoMars Programm. Glücklicherweise hatte die ESA bereits im Sommer 2009 Gespräche mit der russischen Raumfahrtorganisation Roskosmos geführt. Insbesondere hatte man sich eine Proton-​Rakete als Reserve-​Startoption für den Rover gesichert sowie eine Beteiligung russischer Partner am ExoMars Programm vereinbart. Um das ExoMars Prestigeprogramm nach dem Rückzug der NASA zu retten, unterzeichneten ESA und Roskosmos im März 2013 einen Vertrag, der eine deutlich umfangreichere russische Beteiligung beinhaltete. Roskosmos stellte nun für beide Missionen jeweils eine Proton-​M Rakete, beteiligte sich mit zwei Experimenten am ExoMars TGO und entwickelte die Landerstruktur für den ExoMars Lander/​Rover. Finanziell entsprach die Beteiligung nahezu dem Volumen des ESA Beitrags.
Trotz erheblicher Zweifel an der Mission und andauernder finanzieller Probleme waren Ende 2015 immerhin die Nutzlasten für den ersten Start bereit. Ebenso die Proton-​Rakete. Im September 2015 war es noch einmal zu einer kritischen Situation gekommen, als bei zwei Drucksensoren im Triebwerkssystem der Landeeinheit EDM (Entry, Descent and Landing Demonstrator Module) „Schiaparelli“ Leckagen entdeckt wurden. Ein Austausch und die Re-​Zertifizierung des Systems hätten einen Start im 2016er Startfenster unmöglich gemacht. Da die von den Sensoren gelieferten Daten nicht missionsrelevant waren, entschied man sich dafür, diese komplett zu entfernen. Damit verpaßte man zwar das erste Startfenster im Januar 2016, konnte aber noch auf einen Start zum Reservetermin im März hoffen. Nach einer weitgehend reibungslosen Startvorbereitung — wegen eines von vier Detektoren im FREND (Fine Resolution Epithermal Neutron Detector) Instrument des TGO, der durch ein leicht erhöhtes Rauschen aufgefallen war, hatte man eine Reserveeinheit eingebaut — war die erste ExoMars Mission rechtzeitig startbereit. Am 14.03.2016 hob die Phase III Proton-​M 8K82KM mit Bris-​M 14S43 Beschleunigungsstufe von Baikonur ab. Nach vier Zündungen der Bris-​M war die zweite Mars-​Mission der ESA (nach Mars Express in 2003) auf Kurs für ein Rendezvous mit dem Roten Planeten im Oktober 2016. Für Irritationen sorgten später Bilder von Teleskopen, die eine Trümmerwolke in der Nähe der Sonde zeigten. Offenbar hatte sich die Bris-​M nach der letzten Zündung zerlegt. Glücklicherweise erst, nachdem ExoMars bereits ein Bahnkorrekturmanöver unternommen hatte, das die Sonde schon weit von der Stufe entfernt hatte. Ein erstes Kurskorrekturmanöver, bei dem das Triebwerk 52 Minuten arbeitete, fand am 28.07.2016 statt. Dieses Deep Space Maneuver mit einer Geschwindigkeitsänderung von 326 ms1 war entscheidend dafür, am 19.10.2016 überhaupt in den Nahbereich des Mars zu gelangen. Nachdem die Bahnänderung ausgewertet war, erfolgte am 11.08.2016 noch eine Feinkorrektur, bei der das Triebwerk für 155 Sekunden arbeitete. Am 14.10.2016 fand die letzte kleine Bahnkorrektur vor dem entscheidenden Retromanöver am Mars statt. Planmäßig schloß sich nun eine Serie von Ereignissen an. Zunächst trennte sich am 16.10.2016 um 14:42 UTC „Schiaparelli“ von der Muttersonde und folgte noch drei Tage der Bahn direkt zum Mars. TGO zündete hingegen am 17.10.2016 um 02:42 UTC nochmal seine Triebwerke, um nun auf einen Vorbeiflugkurs am Mars zu steuern. Aus diesem erfolgte am 19.10.2016 um 13:04 UTC ein über zwei Stunden dauerndes Bremsmanöver, das den TGO schließlich in einen Orbit um den Planeten einschwenken ließ. Kurz zuvor war „Schiaparelli“ in die tieferen Atmosphärenschichten eingetreten und hatte sein mehrstufiges Landemanöver begonnnen. Doch das erlösende Signal von der Planetenoberfläche blieb aus. Schon nach der Abtrennung von „Schiaparelli“ drei Tage zuvor hatte es Telemetrieprobleme gegeben. Nun brach das Signal kurz nach Zündung der Bremstriebwerke gänzlich ab. Verbreitete die ESA zunächst noch Optimismus, doch noch Daten ihres Landers empfangen zu können, schwand die Hoffnung bald nach der Analyse der bis zum Signalverlust empfangenen Informationenn. Demnach war der hintere Teil des Hitzeschildes mit dem Fallschirm bereits früher als berechnet abgetrennt worden. Dann feuerten die Bremstriebwerke lediglich drei bis vier Sekunden statt der erwarteten halben Minute. Da für weitere 19 Sekunden Telemetriedaten empfangen werden konnten, schlossen die Experten, daß „Schiaparelli“ aus großer Höhe ungebremst auf dem Mars abgestürzt war. Tatsächlich zeigten Aufnahmen der CTX (Context Imager) Kamera des Mars Reconnaissance Orbiter ein Trümmerfeld im Zentrum der vorgesehenen Landeellipse. Offenbar war „Schiaparelli“ präzise im Landegebiet heruntergekommen. Leider ungebremst. Beim Aufschlag mit mehreren hundert Stundenkilometern explodierte vermutlich auch noch der unverbrauchte Treibstoff in den Tanks und zerriß den Lander.
Der Trace Gas Orbiter trug eine wissenschaftliche Nutzlast aus vier Instrumenten — und sollte bis etwa zum Jahr 2022 als Datenrelais für andere stationäre und mobile Lander fungieren. Zuallererst natürlich für den kleinen ExoMars EDM und den ExoMars Rover. Die TGO Instrumentierung bestand aus Nadir and Occultation for Mars Discovery (NOMAD) — einem Spektrometer für das UV– und IR-​Spektrum, der Atmospheric Chemistry Suite (ACS) — einem russischen 3-​kanaligen IR-​Spektrometer, dem Color and Stereo Surface Imaging System (CaSSIS) — einer mit 4,5 m auflösenden Stereo-​Kamera u.a. zur Gewinnung von präzisen Höhenmodellen und schließlich dem russischen Fine Resolution Epithermal Neutron Detector (FREND) zur Suche nach Wasser im Marsboden. Nach dem Verlust des Landers „Schiaparelli“ stand die TGO Mission im Schatten der Ereignisse. Immerhin hatte der Orbiter seinen Orbit präzise erreicht, was eine gute Voraussetzung für den Beginn einer ergiebigen wissenschaftlichen Mission war. Zunächst standen aber im Verlauf mehrerer Monate Aerobraking Manöver an, bis der endgültige Orbit 400 km über dem Planeten erreicht war. Erst Ende 2017 sollte die Forschungsmission in vollem Umfang aufgenommen werden.
Der kleine EDM Lander „Schiaparelli“ hingegen, benannt nach dem italienischen Astronomen Giovanni V. Schiaparelli, dem „Entdecker“ der sogenannten „Marskanäle“, hätte vor allem als Technologie-​Demonstrator für den Lander des 2018er ExoMars Rover dienen sollen. Da der Lander lediglich über eine nicht-​wiederaufladbare Batterie als Energiequelle verfügte, mußte man sich bei der Instrumentierung von „Schiaparelli“ beschränken. Die DREAMS (Dust Characterization, Risk Assessment, and Environment Analyser on the Martian Surface) Instrumentensuite umfaßte mehrere meteorologische Sensoren (MetWind, DREAMS-​H, DREAMS-​P und MarsTem) sowie weitere zur Bestimmung der Trübung der Atmosphäre (die Landung war während der Sturmsaison geplant) bzw. elektrischen Aufladung. Erwartet wurde eine Lebensdauer von zwei bis acht Sols. Weiterhin sollte das DECA (Entry and Descent Module Descent Camera) Experiment Bilder von der Landung übertragen und helfen, die exakte Landeposition zu bestimmen. Unterstützen sollten das auch einige Laser-​Retroreflektoren.
18Maerz

nächtliches Panorama des Sojus TMA-20M Starts

Sojus TMA-20M im Anflug auf die ISS

Das letzte Raumschiff der Sojus TMA-​M Generation startete am 18.03.2016 um 21:27 UTC mit einer Sojus-​FG 11A511U-​FG von Baikonur. Die Nachfolge sollten die Sojus MS übernehmen, deren erster Start für den Sommer 2016 geplant war. Doch zunächst mußte die Sojus TMA-​20M ihre Aufgabe erfüllen. Diese bestand zunächst im Transport der 3-​köpfigen Verstärkung für die ISS Expedition 47 zur Internationalen Raumstation. Dabei stand der Zubringerflug unter dem Kommando von Alexej Owtschinin. Als Bordingenieure mit an Bord waren Oleg Skripotschka und Jeffrey Williams. Im Gegensatz zu ihrem Kommandanten verfügten die beiden bereits über Raumflugerfahrung. Die Bahnmechanik ließ diesmal wieder einen beschleunigten Anflug auf die Internationale Raumstation zu. Daher konnte schon knapp sechs Stunden später, am 19.03.2016 um 03:09 UTC die Kopplung am „Poisk“ Modul vollzogen werden. Es folgten die üblichen Routinechecks, bevor sich die Durchstiegsluke zur ISS öffnete und sich beiden Mannschaften begrüßen konnten. Vor den Neuankömmlingen lag ein knapp sechsmonatiger Flug, was für Williams, der im Juni das Kommando über die Station übernehmen sollte, bedeutete, daß er mit seinen vier Raumflügen einen neuen kumulierten Raumflugrekord für einen US-​Astronauten von über 530 Tagen aufstellen würde.
23Maerz

Start von SS „Rick Husband“

„Cygnus“ Orb-6 auf der Halteposition

Das zweite nach dem Fehlstart der eigenen Antares-​130 Rakete im Oktober 2014 auf einer ULA Atlas V Mod. 401 gebuchte „Cygnus“ Frachtraumschiff von Orbital ATK startete am 23.03.2016 um 03:06 UTC von Cape Canaveral. Was zunächst nach einem weiteren Routinestart der für ihre Zuverlässigkeit bekannten Atlas V aussah, hätte tatsächlich um ein Haar mit dem Verlust der Mission geendet. Doch zunächst konnten ULA, Orbital und NASA zufrieden das Erreichen der vorgesehenen Umlaufbahn und die Entfaltung der Solarzellenflächen von SS „Rick Husband“ vermelden. Bald darauf erfolgte aber die Bestätigung einer Anomalie, die schon interessierte Beobachter weltweit registriert hatten. Demnach hatte das RD-​180 Erststufentriebwerk 5 s vorzeitig Brennschluß gehabt. Der Bordcomputer der Centaur-​Oberstufe versuchte das Geschwindigkeitsdefizit zu kompensieren, mußt deren Triebwerk dafür aber schon 71 s länger feuern. Die Reserven erlaubten es, den 230 km Zielorbit sicher zu erreichen. Doch die anschließende Wiederzündung der Centaur zur Einleitung des Deorbits endete wegen Treibstoffmangels nach 3 statt geplanter 11 s. Daraus resultierend erfolgte der Wiedereintritt der ausgebrannten Stufe über einem anderen als dem ausgewiesenen Seegebiet, was jedoch keine Konsequenzen hatte. Die Untersuchung der Startanomalie ergab später, daß, hätte sich der MECO (Main Engine Cutoff) nur weitere zwei Sekunden früher ereignet, die Mission verloren gewesen wäre. Als Ursache für die Abweichung selbst wurde ein fehlerhaftes Ventil identifiziert, welches das Oxidator-​zu-​Treibstoff Mischungsverhältnis im RD-​180 Triebwerk kontrollierte. Wegen des zu hohen Oxidatorverbrauchs trat der Brennschluß vorzeitig ein. Zur Anaylse des Problems und Einleitung korrektiver Maßnahmen schob die ULA die folgenden Atlas V Starts um einige Wochen auf.
Unterdessen hatte die „Cygnus“ CRS OA-​6 am 26.03.2016 die ISS erreicht. Um 10:51 UTC „hing“ der Frachter am Manipulatorarm der Station und um 14:52 UTC war das Berthing vollzogen. Während dieser Operation war es zu Verzögerungen gekommen, weil Probleme mit dem Manipulatorarm der Station aufgetreten waren. Rund 3.500 kg Nachschub hatten schließlich sicher die ISS erreicht, darunter persönlichen Güter für die Besatzung, Hygieneartikel, Ersatzteile, Zubehör für Experimente und Teile für die US Raumanzüge. Außerdem dreißig CubeSats. Darunter zwanzig Flock 2e′ und neun Lemur 2. Von letzteren wurden vier von Bord der ISS ausgesetzt, während die fünf anderen von der „Cygnus“ vor ihrem destruktiven Wiedereintritt in die Atmosphäre ausgesetzt werden sollten. Bei vier Exemplaren gelang das erstmals praktizierte Manöver am 21.06.2016. Der fünfte Satellit, Lemur 213 „Beccadewey“ konnte hingegen nicht aus dem NRCSD-​E (NanoRacks CubeSat Deployer– External) Starter ausgestoßen werden und verglühte zusammen mit der „Cygnus“.
24Maerz

Start von Kosmos 2515

Gut ein Jahr nach dem Start des ersten Bars-​M (Erzeugnis 14F148) Aufklärungssatelliten, und damit mehr als ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant, startete am 24.03.2016 mit einer Sojus-2.1a 14A14 das zweite Exemplar vom nordrussischen Kosmodrom Plesetsk. Kosmos 2515, so die offizielle Bezeichnung, erreichte eine polare Ausgangsbahn zwischen rund 330 und 440 km Höhe. Mit eigenem Antrieb manövrierte der Satellit dann auf eine nur noch leicht exzentrische Bahn zwischen etwa 550 und 595 km Höhe. Das bestätigte, daß die Bars-​M Satelliten weniger der Detailaufklärung als vielmehr der Gewinnung von Übersichtsaufnahmen dienten.
29Maerz

Start einer CZ-3A mit Beidou 22

Für die zweite Ausbaustufe des chinesischen Beidou Navigationssatellitensystems startete am 29.03.2016 nach über fünfjähriger Pause von Xichang wieder ein Satellit auf einen inklinierten geosynchronen Orbit. Der als Beidou-​2 IGS6 oder Beidou 22 bezeichnete Satellit flog auf einer CZ-​3A Rakete und wurde von dieser auf einem 55° geneigten Transferorbit ausgesetzt. Sein Apogäumstriebwerk zirkularisierte die Bahn in rund 35.700 km Höhe. Dort bewegte er sich über einem Punkt bei 94° Ost.
30Maerz

Aufnahme der ISS aufgenommen vom Navigationssystem der abfliegenden Progress M-29M

Am 30.03.2016 um 14:15 UTC machte das russische Transportraumschiff Progress M-​29M seinen Liegeplatz an der ISS am Heck der „Swjesda“ Moduls frei für den Nachfolger Progress MS-​02, dessen Start für den nächsten Tag geplant war. Die Progress hatte die Station im Oktober 2015 nicht nur mit Nachschub versorgt, sondern zwischen November 2015 und Februar 2016 auch immer wieder für die notwendigen Bahnkorrekturen des Komplxes gesorgt. Entgegen der üblichen Vorgehensweise war für Progress M-​29M nach dem Abkoppeln nicht unmittelbar das Retromanöver zum gesteuerten Wiedereintritt in die Atmosphäre vorgesehen. Vielmehr sollten noch für einige Tage im Rahmen des Experiments Изгиб (dt. Biegen) technologische Versuche zur Mikrogravitationsforschung unternommen werden. Wie auch im angekoppelten Zustand wurden dabei Informationen zur Störung der Mikrogravitationsbedingungen an Bord der ISS durch den Betrieb von z.B. Kreiseln und Ventilatoren, Kopplungsmanöver oder Besatzungsaktivitäten (Außenbordmanöver) gesammelt. Im Freiflug interessierten insbesondere Störungen des Rotationsverhaltens im „Barbecue Mode“ durch Schwerkrafteinflüsse und die Solarzellenflächenstellung. Erst am 08.04.2016 um 13:30 UTC wurde dann nach Abschluß der Messungen das Retromanöver eingeleitet. Der Wiedereintritt in die dichteren Schichten der Atmosphäre wurde mit 14:07 UTC berechnet. Trümmer, so sie den Wiedereintritt überlebt hatten, stürzten gegen 14:17 UTC in den Pazifik.
31Maerz

Progress MS-02 im Anflug auf die ISS

Am 31.03.2016 um 16:24 UTC, drei Tage nach der Ankunft eines „Cygnus“ Frachtraumschiffs an der ISS, startete in Baikonur eine Sojus-2.1a 14A14 Rakete mit einer Progress-​MS. Nach einem konventionellen Anflug über mehrere Tage erreichte Progress MS-​02 am 02.04.2016 um 17:58 UTC die Internationale Raumstation und dockte dort im automatischen Regime am „Swjesda“ Modul an. Damit trafen weitere 2.425 kg an Nachschub auf der ISS ein, wobei ein erheblicher Teil davon auf Treibstoff entfiel, der in den folgenden Wochen und Monaten bei Bahnmanövern des Orbitalkomplexes aufgebraucht werden würde. Allein 1.418 kg wogen aber auch die Ersatzteile, der Nachschub an Experimenten und die Versorgungsgüter für die Besatzungsmitglieder. Aus dem Rahmen fiel eine Position der Frachtliste — der russische 3U CubeSat Tomsk-​TPU 120. Gebaut von Studenten der Tomsker Polytechnischen Universität (russ. Томский Политехнический Университет), die 2016 den 120. Jahrestag ihrer Gründung beging, sollte dieser bei einem Außenbordmanöver von Kosmonauten ausgesetzt werden. Teile der Satellitenstruktur waren dabei, ein Novum bei einem solchen Satellitenprojekt in Rußland, per 3D-​Drucker gefertigt worden. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten der Universität sollte Tomsk-​TPU 120 dann eine Grußbotschaft in elf Sprachen (russisch, englisch, deutsch, französisch, chinesisch, arabisch, tatarisch, indisch, kasachisch, portugiesisch und spanisch) aussenden. Allerdings verschob sich der Termin für das Aussetzen immer weiter, schließlich weit bis in das Jahr 2017 hinein.