Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus mehr als 5½ Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2017-07-27T08:36:12+02:00

November 2016.

2November

Start der H-IIA Mod. 202 mit „Himawari“ 9

Das japanische meteorologische Satellitenprogramm wurde auch knapp vierzig Jahre nach dem Start des ersten Satelliten noch kontinuierlich fortgeführt. Technologisch hatten sich die „Himawari“ seit 1977 natürlich bedeutend weiterentwickelt. So hatte die Japan Meteorological Agency 2009 zwei neue Satelliten bei Mitsubishi Electric bestellt, bei denen es sich um eine Weiterentwicklung von MTSat 2 handelte, für den die MELCO ihren DS-​2000 Satellitenbus angepaßt hatte. Bei der Instrumentierung der „Himawari“ arbeitete man von Anbeginn an mit US Partnern zusammen. Auch die jüngste Satellitengeneration erhielt mit dem AHI (Advanced Himawari Imager) ein primäres bildgebendes Instrument, das weitgehend dem ABI (Advanced Baseline Imager) der neuesten amerikanischen GOES Satelliten entsprach. Entwickelt und gebaut wurde es von der Exelis Inc. (vormals eine Sparte von ITT). Der 16-​kanalige AHI (Spektralbereich vom sichtbaren Spektrum über NIR, SWIR, MWIR bis TIR, also etwa 0,4313,4 µm) konnte alle 10 Minuten ein komplettes Bild der Erdhalbkugel mit (je nach Spektrum) 500 m bis 2 km Auflösung aus dem geostationären Orbit übertragen. Ergänzende meteorologische Daten lieferten bodengestützten Stationen wie z.B. Hochseebojen, deren Signale vom DCS (Data Collection Subsystem) weitergeleitet wurden. Und mit dem Space Environment Data Acquisition Monitor, kurz SEDA, sollten Daten zum „Weltraumwetter“ gesammelt werden. Nach einem 24-​stündigen wetterbedingten Aufschub wurde der Countdown zum Start des zweiten der beiden 2009 bestellten Satelliten wieder aufgenommen. Pünktlich hob die H-​IIA Mod. 202 mit „Himawari“ 9 am 02.11.2016 von Tanegashima ab. Eine knappe halbe Stunde später bestätigten die eingehenden Telemetriedaten und Videobilder die Abtrennung des Satelliten auf der korrekten Transferbahn und kurz darauf die Entfaltung der Solarzellenfläche. Am 11.11.2016 war der geostationäre Orbit über 140,7° Ost erreicht, wo der neue Satellit nach Abschluß der Tests seiner Systeme und Sensoren zunächst die Reserverolle für den 2014 gestarteten „Himawari“ 8 übernahm.
3November

Start der CZ-5 zu ihrem Jungfernflug

Der lange erwartete Start der neuen chinesischen CZ-​5 Schwerlast-​Trägerrakete vom Raumfahrtzentrum Wenchang fand schließlich am 03.11.2016 statt. Je nach Ausführung sollte die CZ-​5 etwa 23 Tonnen Nutzlast auf erdnahe Bahnen, bis zu 13 Tonnen auf geostationäre Transferbahnen oder 4,5 Tonnen direkt auf eine Synchronbahn befördern können. Damit bewegte sie sich etwa auf dem Niveau der Delta IV Heavy von Boeing. Für den Jungfernflug wurde die Version der CZ-​5 mit YZ-​2 Bugsierstufe gewählt, die (ein Novum für China) ihre Nutzlast direkt auf einem geostationären Orbit absetzen sollte. Zu dem als Shijian 17 bezeichneten Satelliten selbst verlauteten nur wenige Details. Allerdings umfaßte die Shijian (dt. frei übersetzt svw. Praxis) Reihe überwiegend technologische Erprobungsmissionen mit häufig wissenschaftlichem Charakter. Bekannt wurden bei Shijian 17 z.B. folgende Aufgaben: Erprobung neuartiger Solarzellen (Vierfach– und invertierte Solarzellen), Test von „Grünem Treibstoff“ (Ammoniumdinitramid) sowie Ionen-​Triebwerken, Erprobung neuer Fertigungsverfahren und Baugruppen (z.B. von Festkörper-​Lithium-​Ionenbatterien). Auch sollten GNSS-​basierende Satelliten-​Navigationstechniken im geostationären Orbit verifiziert werden. Besondere Aufmerksamkeit erregten aber Aussagen, wonach der Satellit von einer Synchronbahn aus „Weltraumschrott“ beobachten, sich eventuell diesem auch annähern sollte. US Militärexperten argwöhnten, daß sich darunter tatsächlich der Versuch verbarg, Systeme zum Abhören oder Abfangen fremder geostationärer Satelliten zu entwickeln. Eine Fähigkeit, über die das US Militär seit wenigen Jahren (z.B. mit den MiTEx Satelliten) verfügte und die auch Rußland scheinbar mit seinem Olimp-​K Satelliten erprobt hatte.
Nach einem live übertragenen, mehrfach wegen Auffälligkeiten angehaltenen, Countdown hob die erste CZ-​5 zum vorgesehenen Termin von Wenchang ab. Trotz Problemen mit der LOX Entlüfung an einem der Booster und bei der Vorkühlung der Triebwerke hatten sich die Experten für eine Freigabe des Starts entschieden. Zwar wurden auch beim Aufstieg der Rakete einige Anomalien registriert, letztlich aber der Zielorbit sicher erreicht. Nach einigen Tagen Drift knapp oberhalb der geostationären Bahnhöhe stabilisierte SJ-​17 am 12.11.2016 seine Position über 162,8° Ost. Damit befand er sich in unmittelbarer Nähe zu Zhongxing 5A, einem 1998 gestarteten Kommunikationssatelliten. Möglicherweise diente ZX-​5A als erstes Ziel für die Sensoren von Shijian 17.
9November
Das zweite Exemplar des neuen chinesischen Feststoff-​Satellitenträgers CZ-​11 hob am 09.11.2016 vom Raumfahrtgelände Jiuquan ab. Hauptnutzlast der von einem mobilen Transport– und Aufrichtefahrzeug gestarteten Rakete war ein XPNAV 1 (X-​Ray Pulsar Navigation) genannter Forschungssatellit. Die Idee hinter dem Projekt war, die ernorm präzisen Signale bestimmter Typen von Pulsaren zur Navigation von Tiefraumsonden zu nutzen. Ein Konzept, das auch die NASA ab 2017 praktisch auf ihre Nutzbarkeit hin untersuchen wollte. Die chinesischen Wissenschaftler hatten insgesamt 26 sogenannte „millisecond pulsars“ ausgewählt, anhand derer eine Datenbasis für zukünftige Missionen erstellt werden sollte. Für einen unverfälschten Empfang der im Röntgenspektrum pulsierenden Signale mußte das Experiment in den Weltraum verlegt werden. Neben dem auch Maichong Xing Shiyan Weixing genannten Forschungssatelliten erreichten weitere vier oder fünf Nutzlasten ihre Bahnen. Angaben hierzu waren äußerst spärlich und widersprüchlich. Sicher war, daß es sich bei Xiaoxiang 1 (benannt nach der Region in China, in der sich die Provinz Hunan befindet, wo der Hersteller Spacety Aerospace Co. ansässig war) um einen 6U CubeSat handelte, mit dem u.a. ein präzises Orientierungs– und Stabilisierungssystem erprobt werden sollte, das zur exakten Ausrichtung der eingebauten Kamera dienen sollte. Das System sollte zukünftig bei kleinen astronomischen Satelliten zum Einsatz kommen. Insbesondere diente dieser Test auch der Vorbereitung der HXMT Mission im Jahr 2017. Aber auch weitere experimentelle Systeme sollten mit XX-​1 getestet werden, so zur satellitengestützten Navigation und Kommunikation. Auch flog auf dem Satelliten ein neuentwickelter Bordcomputer. Das gesamte Satellitenprojekt war ausdrücklich als Startpunkt zur Kommerzialisierung der realisierten Lösungen gedacht. Von amateurfunkbegeisterten Studenten aus dem Fengtai Distrikt stammte der 2U CubeSat CAS 2T. Allerdings blieb dieser, ebenso wie KS-​1Q, fest mit der letzten Raketenstufe verbunden. KS-​1Q stammte vom Kechuang Aerospace Forum und diente als Demonstrator für eine geplante Satelliten-​Konstellation. Miniatur-​Sensoren, Sende– und Empfangstechnik, eine Inertial-​Meßplattform und eine Weitwinkel-​Kamera zählten zur Ausrüstung. Bis zu zwei Jahre hofften die jungen Ingenieure Daten von KS-​1Q zu empfangen. Um einen freifliegenden Satelliten handelte es sich dagegen offenbar bei Pegasus 1, zu dem aber keine weiteren Details bekannt wurden. Noch verworrener war die Situation bezüglich der ebenfalls erwähnten Lishui-​1 01 und Pina 2. Hier war nicht einmal klar, ob es sich um freifliegende oder mit der letzten Raketenstufe verbundene Objekte handelte. Lishui-​1 01 wurde als Pfadfinder für eine geplante 80 bis 120 Satelliten Konstellation der Zhejiang LiYa Electronic Technology Co. Ltd. bezeichnet, die einmal ähnlich dem US Unternehmen Planet Labs auf kommerzieller Basis kontinuierliche Live-​Erderkundungsdaten liefern sollte. Unklar war bei den beiden Nutzlasten auch, ob diese sich mit unter anderem Namen bekanntgewordenen Objekten deckten.
Unangenehm fiel der CZ-​11 Start im Nachbarland Myanmar auf. Offenbar ohne daß die dortigen Behörden vorgewarnt worden wären, stürzte eine der ausgebrannten Stufen der Rakete in der Nähe von Hpakant (Provinz Kachin) auf dem Gelände einer Jade Mine zu Boden. Verletzt wurde von dem massiven Trümmerteil glücklicherweise niemand.
11November

die Atlas-V mit WorldView 4

Ungewöhnlich waren die Gründe, die den kommerziellen Erderkundungssatelliten WorldView 4 seit Mitte September 2016 für zwei Monate am Boden gehalten hatten. Dabei lag hinter diesem ohnehin schon eine bewegte Geschichte. Ursprünglich hatte ihn im Oktober 2007 die GeoEye Inc. unter dem Namen GeoEye 2 als Nachfolger ihres GeoEye 1 Modells in Auftrag gegeben. Jedenfalls das optische System mit einer Auflösung von 0,34 m. Im März 2010 erhielt Lockheed Martin den Zuschlag für den Satellitenbus. Der damals noch für 2013 geplante Start wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, nachdem GeoEye mit DigitalGlobe fusioniert hatte. In der größeren Flotte bestand vorläufig kein Bedarf für den Satelliten, der zwar noch fertiggestellt, dann aber eingelagert wurde. Schließlich fiel aber die Entscheidung, GeoEye 2 als WorldView 4 gemeinsam mit WorldView 3 aus der DigitalGlobe Flotte zu betreiben. Während des Countdowns zum für den 16.09.2016 geplanten Start trat an einer Betankungsleitung zur Rakete ein kleines Leck auf. Austretender tiefgekühlter Wasserstoff bildete einen Eisklumpen. Daraufhin wurde eine Verschiebung um einen Tag ausgerufen. Doch der Austausch des Ventils und die anschließenden Tests nahmen mehr Zeit als erwartet in Anspruch, so daß ein neuer Startversuch erst wieder am 18.09.2016 unternommen werden konnte. Unterdessen wütete am Rande der Vandenberg AFB in einem schwer zugänglichen Tal zwischen Arguello und den Santa Ynez Ridge Straßen ein Buschfeuer. Immer mehr Einsatzkräfte wurden zu dessen Bekämpfung abgeordnet. In dieser Situation Feuerwehrleute für einen Raketenstart in Bereitschaft zu halten, schien nicht opportun. Trotz der Bemühungen von über 1.000 Einsatzkräften gerieten in den folgenden Tagen auch einige Installationen im südlichen Teile der Vandenberg AFB in unmittelbare Gefahr. Als das Feuer einige Tage später endlich unter Kontrolle war, mußten daher umfassende Test an Bodeninstallationen vorgenommen werden. Dann brachen auch noch weitere, wenn auch deutlich kleinere Feuer an anderen Stellen der VAFB aus. Vor allem die zahllosen Erdkabel, die rund um die betroffenen Startkomplexe SLC-​6, SLC-​4 und SLC-​3 verliefen, unterzog man einer intensiven Überprüfung. Schließlich konnte der Countdown wieder aufgenommen werden. Jetzt wurden allerdings einige kleinere Probleme mit der Atlas Rakete festgestellt, die Nacharbeiten erforderten. Dann aber konnte der vorgesehene Termin am 11.11.2016 präzise eingehalten werden. Die Mission der Atlas V Mod. 401 war jedoch noch nicht beendet, nachdem sie WorldView 4 in rund 600 km Höhe ausgesetzt hatte. Denn die Centaur Oberstufe transportierte im Aft Bulkhead Carrier im Rahmen der ENTERPRISE Mission auch noch die Startvorrichtungen für sieben CubeSats, die in vier Gruppen ausgesetzt werden sollten. Auch diesen Teil des Starts absolvierte sie fehlerfrei, um dann mit dem Resttreibstoff auf eine Fluchtbahn zu beschleunigen. Bei den CubeSats handelte es sich um RAVAN (Radiometer Assessment using Vertically Aligned Nanotubes) vom Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory, OptiCube 4 — ein Gemeinschaftsprojekt von NASA und USAF, zwei AeroCube 8 Satelliten von The Aerospace Corporation, zwei Prometheus 2 Satelliten des Los Alamos National Laboratory und schließlich CELTEE 1 (CubeSat Enhanced Locator Transponder Evaluation Experiment), den M42 Technologies für das Air Force Research Laboratory (AFRL) gebaut hatte. Ziel der RAVAN Mission war die Erprobung eines miniaturisierten Radiometers zur Bestimmung des Ungleichgewichts der auf der Erde ein– und ausgehenden Strahlung (engl. Earth’s Radiation ImbalanceERI). Das von L-​1 Standards and Technology in New Windsor, Maryland für diese Mission entwickelte Instrument deckte ein Spektrum zwischen 200 nm und 200 m Wellenlänge ab. Ursprünglich sollte beim Bau des Satelliten auf den für die ORS-​Tech Mission entwickelten Multimission Bus zurückgegriffen werden. Im April 2015 fiel die Wahl dann aber auf das junge Unternehmen Blue Canyon Technologies, das nicht nur den XB3 Bus (auch er auf einem 3U CubeSat Entwurf basierend) stellen, sondern auch den Betrieb des Satelliten für die Missionsdauer garantieren sollte. OptiCube 4 flog anstelle des eigentlich geplanten U2U (Untitled 2U) Satelliten des Air Force Research Laboratory (AFRL). O/​C 4 war wie seine drei Vorgänger ein vollkommen passives Objekt. Diesmal jedoch im 2U statt im 3U CubeSat Format. Ansonsten unterschieden sich die Satelliten nur durch die verwendeten Oberflächenmaterialien. Das NASA Orbital Debris Program Office und die US Air Force Starfire Optical Range nutzten die Satelliten als Referenzobjekte zur Kalibrierung ihrer Bahnverfolgungssysteme. Die beiden AeroCube 8 Satelliten führten ein 2014 begonnenes Programm von The Aerospace Corporation fort, mit dem das Unternehmen neue Technologien (elektrische Miniaturtriebwerke, neue Solarzellentypen, Nanotechnologien etc.) testen wollte. Die beiden Prometheus 2 Satelliten sollten dagegen den Grundstock für eine ganze Konstellation aus zehn Satelliten legen, mit der die Versuche zur Audio-​, Video– und Datenübermittlung fortgeführt werden sollten, die schon mit den Perseus und später Prometheus Block I Satelliten begonnen worden waren. Das Block II Modell zeichnete sich u.a. durch eine verbesserte Lageregelung (Magnetorquer und Reaktionsräder), einen zusätzlichen Sternenfeldsensor und einen integrierten GPS-​Empfänger aus. Dazu kam eine deutlich vergrößerte Fläche der Solarzellenausleger. Gefördert wurde das ganze Programm vom US Verteidigungsministerium. Mit CELTEE 1 sollte eine kostengünstige, GPS basierende, Technologie zur Bahnverfolgung von CubeSats erprobt werden. Dazu strahlte der Satellit regelmäßig ein ELT (Enhanced Location Transponder) Signal ab, in dem u.a. die GPS Position enthalten war.
11November

Start der CZ-2D mit Yunhai 1-01

Wenig bis nichts war zur Nutzlast einer gestreckten CZ-​2D Rakete bekannt, die am 11.11.2016 vom chinesischen Raumfahrtgelände Jiuquan abhob. Die Rakete setzte den als Yunhai 1 bezeichneten Satelliten auf einer sonnensynchronen Bahn in über 760 km Höhe aus, die der Satellit später noch etwas anhob. In der Pressemitteilung zum Start war schwammig von atmosphärischen und marinen Untersuchungen, der Erforschung des kosmischen Umfeldes, dem Katastrophenschutz und unspezifischen wissenschaftlichen Experimenten die Rede, die der Satellit unternehmen sollte. Vermutlich sollte Yunhai 1 die Methoden der GPS Okkultation sowie Refexion nutzen, um Daten zur Wolkenbedeckung und zum Seegang zu gewinnen.
17November

Start der Ariane-5ES VA233 mit vier „Galileo“ Satelliten

Erstmals startete am 17.11.2016 von Kourou eine Ariane-​5ES (eigentlich zum Transport des unbemannten ATV Frachtraumschiffs entwickelt) mit vier europäischen „Galileo“ Navigationssatelliten an Bord. Bisher waren diese immer paarweise auf aus Rußland bezogenen Sojus-​STB mit Fregat-​MT Bugsierstufe geflogen. Doch lag man mittlerweile aus vielerlei Gründen um Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zum Aufbau des Systems zurück. Ein Beinahe-​Fehlstart und zuletzt politische Reibereien zwischen der EU und Rußland hatten zudem das ohnehin stets umstrittene Sojus-​Programm unter Arianespace Leitung in eine Krise geführt. Eigentlich hatte die Sojus-​Rakete aus Kostengründen den Vorzug gegenüber der Ariane 5 bekommen. Doch nun wurden die drei für das „Galileo“ Programm bestellten Ariane-​5ES Starts komplett vorgezogen. Bis 2018 sollte damit die Navigationssatelliten-​Konstellation endlich ohne weitere Verzögerungen fertiggestellt werden. Mit fast vier Stunden Dauer war die Ariane VA233 Mission deutlich länger als die üblichen Starts auf geostationäre Bahnen. Das galt es bei der Auslegung zu berücksichtigen. Doch die Ariane absolvierte den Start nach einem ereignislosen Countdown präzise den Anforderungen entsprechend. Es war der 75. aufeinanderfolgende fehlerfreie Ariane 5 Start. Nach einer über dreistündigen antriebslosen Flugphase zündete die EPS Zweitstufe (étage à propergols stockables) problemlos wieder und setzte wenig später die ersten beiden Satelliten, Galileo-​FOC FM7 „Antonianna“ und Galileo-​FOC FM12 „Lisa“ aus. 20 Minuten später folgten Galileo-​FOC FM13 „Kimberley“ und Galileo-​FOC FM14 „Tijmen“. Während die Endstufe anschließend passiviert wurde, stiegen die vier Satelliten später mit eigenem Antrieb aus dem etwa 23.000 km hohen Absetzorbit auf den 23.222 km hohen Arbeitsorbit auf.
17November

die Trägerrakete mit Sojus MS-03 vor einem seltenen „Supermond“

wenige Tage nach der Ankunft von Sojus MS-03 konnte die ISS Besatzung Thanksgiving feiern

Eine internationale Besatzung machte sich am 17.11.2016 um 20:20 UTC an Bord von Sojus MS-​03 auf den Weg zur Internationalen Raumstation. Kommandant Oleg Nowizki (Roskosmos) saßen die ausgebildeten Bordingenieure Peggy Whitson (NASA) und Thomas Pesquet (ESA) zur Seite. Problemlos brachte die Sojus-​FG 11A511U-​FG Rakete das Raumschiff auf eine vorläufige erdnahe Bahn. Der ursprünglich für den 18.11.2016 geplante Start war um einen Tag vorgezogen worden, jedoch um den Preis eines nun zweitägigen Anflugs zur ISS. Ursprünglich war ein Rendezvous mit der ISS nach nur vier Erdumläufen nach dem neuen Anflugverfahren geplant gewesen. Doch da die Klion-​R Bodenstation in Wostotschny noch immer nicht voll einsatzbereit war, entschied sich das Kontrollzentrum für den Anflug nach dem langjährig bewährten Schema. Das Docking erfolgte am 19.11.2016 um 21:58 UTC am „Rassvjet“ Modul. Um 01:04 UTC waren die Raumschiffe sicher verriegelt. Nach Abarbeitung der Checklisten konnten die drei Neuankömmlinge etwa anderthalb Stunden später in die Raumstation hinüberwechseln, wo sie von den drei anderen Mitgliedern der Expedition 50 begrüßt wurden. Während für die russischen und amerikanischen Raumfahrer vor allem die kontinuierliche Fortführung der langfristigen Experimente im Vordergrund der Mission stand, hatte der Franzose Pesquet auch eine Reihe europäischer Experimente während seiner Halbjahresmission „Proxima“ zu betreuen. Insgesamt etwa 50 Experimente von ESA und CNES fielen speziell in seinen Zuständigkeitsbereich. Einer der persönlichen Höhepunkte würde ein für den Januar 2017 vorgesehenes Außenbordmanöver sein.
19November

Start von GOES-R auf einer Atlas-V

GOES-R

keine Fotomontage: zu Kalibrierungszwecken genutzte Aufnahme des Mondes

GOES 16 ABI Aufnahme

Der erste von vier bis dahin bestellten geostationären meteorologischen Satelliten der fünften Generation für die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) erreichte am 19.11.2016 seine vorläufige Transferbahn. Den Auftrag zum Bau von damals noch zwei Satelliten (GOES-​R und GOES-​S) hatte Ende 2008 Lockheed Martin erhalten. Der mit Kommunikationssatelliten und diversen militärischen wie zivilen Projekten sehr erfolgreiche Konzern konnte bis dato noch keine Aufträge für moderne meteorologische Satelliten vorweisen, obwohl man einst an der Entwicklung des ersten meteorologischen Satelliten überhaupt, TIROS, beteiligt gewesen war. Seit das GOES Programm Mitte der 1970er Jahre angelaufen war, hatten die Konzerne Philco-​Ford, Hughes (später Boeing) und Space Systems/​Loral die verschiedenen Generationen der Satelliten geliefert. Nun war es Lockheed Martin gelungen, sich mit einer Modifikation seines im Bereich der Kommunikationssatelliten sehr erfolgreichen A2100A Modells durchzusetzen. Was die Instrumentierung betraf, so stammten der Solar Ultraviolet Imager (SUVI), der Geostationary Lightning Mapper (GLM) und ein Magnetometer (MAG) von Lockheed Martin selbst. Die anderen Instrumente wurden zugeliefert: der Advanced Baseline Imager (ABI), eine Space Environment In-​Situ Suite (SEISS) und das Extreme Ultraviolet Sensor/​X-​Ray Sensor Irradiance Sensors (EXIS) Paket. Vor allem vom Hauptinstrument ABI versprach man sich eine deutliche Verbesserung der meteorologischen Informationen. Gegenüber der vorhergehenden GOES Generation erhöhte sich die Zahl der Spektralbänder von fünf auf sechzehn, die Auflösung erreichte den vierfachen Wert und die Abtastung war fünfmal schneller. GOES-​R spielte aber auch wieder eine wichtige Rolle bei der Übertragung meteorologischer Informationen. Mit der neuen Satellitengeneration wurde die Leistungsfähigkeit des Data Collection System (DCS) gesteigert. Über das Emergency Managers Weather Information Network (EMWIN) konnten Nutzern, aber auch automatischen Terminals, direkt Warnmeldungen vor kritischen Wetterlagen übermittelt werden. Und schließlich war auch GOES-​R wieder Teil des Geostationary SAR (GEOSAR) Systems. Hier war bei GOES-​R die Empfindlichkeit zum Empfang auch sehr schwacher Signale gesteigert worden. Der ursprünglich für März 2016 geplante Start von GOES-​R wurde im Herbst 2015 nach einer Absprache zwischen NOAA, NASA und dem Startdienstleister ULA auf Ende des Jahres 2016 verschoben. Das machte eine Atlas V frei für den dringend erwarteten Start eines „Cygnus“ Frachtraumschiffs zur ISS. Nach dem Fehlstart der eigenen Antares Rakete hatte Orbital ATK zwei Starts ihres Raumschiffs auf Atlas V gebucht, bevor die mit neuen Triebwerken ausgerüstete Antares wieder verfügbar sein würde. Der neue Starttermin am 19.11.2016 konnte nach diesem Aufschub exakt eingehalten werden, obwohl in der letzten Phase des Countdowns ein Problem mit der Rakete auftrat, das einer näheren Untersuchung bedurfte. Ein Start zu Beginn des Startfensters war damit unmöglich. Dann gab es auch noch ein Problem mit der Bodeninstallation in Cape Canaveral. Schließlich hob die Atlas V Mod. 541 kurz vor dem Ende des Startfensters ab. Aus einem Standard-​Transferorbit manövrierte der Satellit im Verlauf mehrerer Tage auf eine Synchronbahn. Mit dem Erreichen des geostationären Orbits Ende des Monats November erhielt der Satellit formal die neue Bezeichnung GOES 16. Eine Woche später war die vorläufige Position über 89,5° West erreicht, wo die Systemtests und die Kalibrierung der Sensoren abgeschlossen werden sollten. Ende Januar 2017 veröffentlichte die NOAA die ersten Aufnahmen des ABI, die eine herausragende Qualität offenbarten.
22November

Start der CZ-3C/G2 mit Tianlian 1-04

Achteinhalb Jahre nach dem Start des ersten Datenrelais-​Satelliten des Tianlian Typs startete China am 22.11.2016 mit einer CZ-​3C/​G2 von Xichang ein viertes Exemplar, das als Ablösung für den über 77° Ost stationierten Tianlian 1A vorgesehen war. Die Rakete setzte ihre Nutzlast auf einer supersynchronen Transferbahn aus. Wenig später war eine Synchronbahn erreicht und eine Woche nach dem Start stoppte die Drift von TL-​1D nahe 76° Ost. Als Aufgabe der Tianlian Konstellation wurde die Datenübertragung der Sensordaten von Erderkundungssatelliten auf niedrigen und mittleren Bahnen, die Verfolgung und Kommandoübertragung zu Satelliten und insbesondere die lückenlose Kommunikation während bemannter Raumflüge herausgestellt.
Chinesische Medien und das Raumfahrtzentrum bezeichneten diesen Start als den 100. von Xichang. Wobei diese Frage nicht ganz eindeutig zu klären war, da die Statistik eigentlich nur 99 (Satelliten-)starts auswies. Welcher weitere Start oder Startversuch berücksichtigt worden war, um auf die runde Zahl zu kommen, blieb außenstehenden Beobachtern verborgen.
25November
Vor seinem destruktiven Wiedereintritt in die Atmosphäre setzte das Versorgungsraumschiff „Cygnus“ OA-​5 noch vier 3U CubeSats für das US Unternehmen Spire aus. Die Lemur 2 Satelliten waren mit dem STRATOS Experiment zu Radio-​Okkultations-​Sondierungen der Atmosphäre und dem SENSE Empfänger für AIS (Automatic Identification System) Signale zur Verfolgung von Schiffsbewegungen ausgerüstet. Die ersten beiden Satelliten, Lemur 214 „Sokolsky“ und Lemur 215 „Xiaoqing“, wurden am 25.11.2016 in 500 km Höhe ausgestoßen.
26November

Aussetzen von zwei Lemur 2 Satelliten während der OA-5 Mission

Die große Masse der CubeSats wurde auf vergleichsweise niedrigen Bahnen ausgesetzt, auch um die „Vermüllung“ des erdnahen Weltraums in Grenzen zu halten. Für die Betreiber von kommerziellen Satellitenkonstellationen bedeutete dies jedoch, daß die Satelliten häufig bereits verglühten, obwohl sie technisch noch voll einsatzbereit waren. Das war auch einer der Nachteile bei CubeSat Starts direkt von Bord der ISS. Aus Sicherheitsgründen erfolgten diese stets so, daß sich Bahnen unterhalb des ISS Orbits ergaben. Mit dem Hersteller des Frachtraumschiff „Cygnus“, Orbital ATK, wurde daher die Idee verfolgt, CubeSats von Bord des frei fliegenden „Cygnus“ Raumschiffs zu starten. Das erhöhte zunächst einmal die Flexibilität bei der Wahl der Bahnen. Im Juni 2016 wurde dieses Verfahren erstmals erfolgreich demonstriert, als vier Lemur 2 Satelliten aus drei an Cygnus OA-​6 montierten NRCSD-​E (NanoRacks CubeSat Deployer — External) Startvorrichtungen ausgestoßen wurden. Allerdings wieder auf einer sehr erdnahen Bahn. Im November 2016 ging man nun den zweiten Schritt. Cygnus OA-​5 manövrierte nach dem Unberthing von der ISS extra auf einen höheren 500 km Orbit, wo am 25. und 26.11.2016 zwei Paare von Lemur 2 Satelliten ausgesetzt wurden. Auch mit Lemur 216 „Anubhavthakur“ und Lemur 217 „Wingo“ gelang das am 26.11.2016 fehlerfrei.
27November

OA-5 Mission Review

Das Orbital ATK Versorgungsraumschiff Cygnus OA-​5 blieb bis zum 21.11.2016 um 11:23 UTC am „Unity“ Modul der ISS verankert. Nach dem Unberthing per Canadarm2 vergingen noch zwei Stunden, bis das Raumschiff um 13:22 UTC wieder freigesetzt wurde. Entgegen der üblichen Routine steuerte SS „Alan Poindexter“ nun aber keine niedrigere Bahn an, um binnen Stunden über dem Pazifik zu verglühen. Vielmehr manövrierte das Raumschiff zunächst auf eine Bahn knapp oberhalb der der ISS. Hier wurde das SAFFIRE-​II Experiment durchgeführt, bei dem verschiedene Materialproben unter kontrollierten Bedingungen in Brand gesetzt wurden. Ihr Verhalten dabei wurde ausgiebig dokumentiert. Dann steuerte die „Cygnus“ eine noch höhere 500 km Kreisbahn an. Am 25. und 26.11.2016 erfolgte von dort aus im Abstand von knapp vier Stunden das Aussetzen von zwei Paaren von Lemur 2 Satelliten für das US Unternehmen Spire. Danach wurde die Bahn wieder abgesenkt. Und schließlich gezielt der Wiedereintritt eingeleitet. Beladen mit etwa 1.268 kg Abfällen trat das Raumschiff am 27.11.2016 gegen 23:36 UTC in die Atmosphäre ein und verglühte über dem Südpazifik.