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Dienstag,

01.06.1982

Ein sowjetischer maritimer Radaraufklärungssatellit des Typ US-​A oder US-​AM (Erzeugnis 17F16?) startete am 01.06.1982 vom Kosmodrom Baikonur. Eine Zyklon-2 11K69 brachte den großen Satelliten als Kosmos 1372 auf eine zunächst erdnahe Umlaufbahn. Hier wurde der kleine, aber immerhin rund 5 kW leistende Kernreaktor des Satelliten aktiviert, der die notwendige Energie für den Betrieb eines großen Seitensichtradars lieferte. Rund zwei Monate lieferte der Satellit Tag und Nacht Aufklärungsdaten über die Position von NATO Schiffsverbänden, speziell natürlich über den Standort der atomgetriebenen Flugzeugträger der USA. Da die Sowjetunion kein vergleichbares Waffensystem besaß, wurden diese Kampfverbände als besondere Bedrohung eingestuft und entsprechend überwacht. Die wichtigste Rolle spielten dabei die US-​A Satelliten und die mit ihnen zusammenwirkenden US-​P Funkaufklärer. Der Start von Kosmos 1372 nur zwei Wochen nach Kosmos 1365 weist aber noch auf eine Besonderheit seiner Mission hin. Zwischen April und Juni 1982 kam es im Südatlantik zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Argentinien und Großbritannien um die Hoheitsrechte über die Inselgruppe der Falklands (Malwinas). Beide Länder setzten dabei größere Marineverbände ein, wobei Großbritannien seine Einheiten aus 15.000 km Entfernung heranführen mußte. Das gab der Sowjetunion umfassende Möglichkeiten, den Einsatz von NATO Streitkräften im Kriegsfall zu beobachten. Sehr wahrscheinlich wurde Kosmos 1372 extra gestartet, um noch mehr Informationen aus diesem Krieg gewinnen zu können. Sowjetische Dokumente belegen jedenfalls, daß sich das „Ideogramma-​Pirs“ System aus US-​A und US-​P Satelliten dabei ausgezeichnet bewährte. Nach 70 Tagen, am 10.08.1982 kam die Mission von Kosmos 1372 erkennbar zu ihrem Abschluß, als die Reaktorsektion des Satelliten programmgemäß abgetrennt und auf eine höhere Umlaufbahn zwischen 900 und 1.000 km manövriert wurde. Hier soll die Radioaktivität abklingen. Bei einer Halbwertszeit von über 700 Mio. Jahren bzw. fast 4,5 Mrd. Jahren der in den Reaktoren eingesetzten Brennstoffe U-​235 bzw. U-​238 schiebt dieses Vorgehen die Lösung des grundlegenden Problems tatsächlich aber nur um einige hundert Jahre auf.