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Freitag,

29.09.2017

Mehr als zwölf Jahre waren seit dem letzen Start einer CZ-​2 Rakete von Xichang vergangen, als dort wieder ein Zug mit den Stufen einer CZ-​2C-​III eintraf. Seither war der damals genutzte Startkomplex modernisiert und komplett neu aufgebaut worden. Bis zuletzt wurde nicht bekannt, welche Nutzlast die ungewöhnliche Kombination aus (seit Jahren nicht mehr genutzter) Trägerrakete und Startgelände erforderlich gemacht hatte. Offenbar jedenfalls nicht die Fortführung eines existierenden Programms. Noch größer war die Verwirrung, als in den offiziellen Pressmitteilungen zum Start am 29.09.2017 von einer „Yaogan 30 Gruppe 01“ die Rede war. Denn ein Yaogan 30 Satellit war bereits im Mai 2016 gestartet worden. Zu erwarten gewesen wäre nun ein Yaogan 31. Zunächst nahmen westliche Beobachter an, daß die drei Satelliten der Yaogan 30 Gruppe 01 eine 2010 mit Yaogan 9 begonnene Reihe fortsetzten. Bei bisher fünf Starts waren jeweils Tripel von Satelliten gestartet worden, von denen man vermutete, daß sie eine ähnliche Rolle wie die amerikanischen NOSS (Naval Ocean Surveillance Satellites) spielten — also den Funkverkehr von Marinekampfverbänden belauschten und ihre Position triangulierten. Gestützt wurde diese Einschätzung auch dadurch, daß die Aufgabenstellung offiziell u.a. mit dem „Monitoring elektromagnetischer Signale“ beschrieben wurde. Erst chinesische Presseberichte brachten etwas Licht ins Dunkel. Unverblümt berichtete etwa die South China Morning Post, daß die Yaogan 30 Satelliten terrestrische Kommunikationsverbindungen abhören, Hinweise auf mögliche Atomwaffentests sammeln und möglicherweise auch hochauflösende Aufklärungsfotos gewinnen sollten. Ihre Mission war dabei mit der des größeren, 2016 gestarteten, Yaogan 30 abgestimmt. Auch wurden weitere Starts in Aussicht gestellt. Tatsächlich zeigten die Satelliten der Yaogan 30 Gruppe 01 auch ein so bis dahin nicht beobachtetes Verhalten. So manövrierten zwei der Satelliten auf Bahnen mit anderer Bahnhöhe und leiteten so ein Aufbrechen der bis dahin engen Formation ein. Drei Wochen nach dem Start hatten sie sich im Abstand von 120° auf einer gemeinsamen Bahn verteilt und waren offenbar bereit, ihre koordinierte Mission aufzunehmen.