Chronik
Olafs Raumfahrtkalender

Olafs Raumfahrtkalender

Geschichte und Geschichten aus sechs Jahrzehnten Raumfahrt

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Statistik erstellt: 2018-07-21T07:43:56+02:00

Mai 2018.

3Mai

Einschließen von APStar 6C in der Nutzlastverkleidung

Der in Hongkong ansässige, mittlerweile aber auf Bermuda registrierte, Satellitenbetreiber APT Satellite Company Ltd. beauftragte im Oktober 2015 (einen Tag nach dem erfolgreichen Start von APStar 9) die China Great Wall Industry Corporation mit dem Start eines neuen Kommunikationssatelliten als Ablösung für den 2005 gestarteten APStar 6, der 2019 das Ende seiner Auslegungsbetriebsdauer erreichen würde. Den Auftrag für den Satelliten selbst erhielt der chinesische Satellitenbauer CAST. Dort rüstete man gemäß der Kundenanforderungen einen DFH-​4 Bus mit einer nachrichtentechnischen Nutzlast von 26 C-​Band und 19 Ku– bzw. Ka-​Band Transpondern aus. Anfang 2018 erfolgte die Endabnahme des neuen APStar 6C Satelliten, der am 09.03.2018 per Luftfracht in Xichang eintraf. Der Start erfolgte am 03.05.2018 mit einer CZ-​3B/​G2, die den Satelliten auf eine supersynchrone Transferbahn beförderte. Unerwartet schnell mußte APStar 6C in den aktiven Dienst überführt werden, als am 27.05.2018 bei seinem Vorgänger überraschend Probleme mit einem der Solarzellenausleger auftraten, die die Energieausbeute signifikant reduzierten. Kurzfristig mußten daraufhin einige Transponder deaktiviert werden. Doch schon am 30.05.2018 konnte APStar 6C über 134° Ost die entstandene Lücke füllen.
5Mai

Start der InSight Mission im kalifornischen Küstennebel

der InSight Lander im Clean Room von LMSS

Test eines der MarCO Satelliten

die InSight Mission der NASA

Eine für die US Westküste ungewöhnliche Raumfahrtmission startete am 05.05.2018 um 11:05 UTC von der Vandenberg AFB. An diesem Tag beförderte eine Atlas V Mod. 401 die Raumsonde InSight nebst zwei begleitenden CubeSats auf eine interplanetare Bahn zum Mars. Für gewöhnlich starteten amerikanische Raumsonden von der US Ostküste, die nicht nur bessere bahnmechanische Voraussetzungen bot, sondern auch über eine umfassendere Infrastruktur mit zahlreicheren Startkomplexen für unterschiedliche Raketentypen. Mit dem Ende des Delta II und Titan IV Programms war der Standortvorteil von Cape Canaveral aber nur noch bedingt gegeben. Demgegenüber konnte die VAFB mit ihrer geringeren Zahl jährlicher Starts für sich verbuchen, daß die „Range“ über einen längeren Zeitraum für eine Mission mit hoher Priorität reserviert werden konnte. Und selbst das kleinste Atlas V Modell bot bei der vergleichsweise leichten Nutzlast für einen (hinsichtlich der Bahnneigung beschränkten) Start von der VAFB noch ausreichend Leistungsreserven. So entschied sich die NASA erstmals für einen Raumsondenstart von der US Westküste (lediglich das US Militär hatte 1994 die Mondsonde „Clementine“ von dort gestartet). 2012 war im Rahmen des „Discovery“ Programms der Vorschlag für eine Mission namens GEMS (Geophysical Monitoring Station) angenommen worden. Ziel war es, mit einem stationären Lander Informationen zur geologischen Struktur des Planeten als Ganzes zu sammeln. Die schließlich in InSight (Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport) umbenannte Mission wurde dazu mit drei wesentlichen Instrumenten ausgerüstet: SEIS (Seismic Experiment for Interior Structure) — ein hochempfindliches Seismometer, HP3 (Heat-​Flow-​and-​Physical-​Properties-​Package) — eine sogenannte „Wärmestromsonde“ und RISE (Rotation and Interior Structure Experiment) — ein Kommunikationssystem, mit dem auch minimale Veränderungen der Achsenausrichtung des Mars mittels Messungen der Doppler-​Verschiebung registriert werden konnten. Beim Lander setzte die NASA nach den positiven Erfahrungen mit dem 2007 gestarteten „Phoenix“ Lander auf eine strukturell praktisch identische Zwillingssonde. Eine weitere Kostenreduzierung versprach die Einbeziehung internationaler Partner. So stammte das SEIS Instrument von der französischen Raumfahrtagentur CNES (mit Unterstützung französischer, schweizer, deutscher, britischer und amerikanischer Institute). H3P dagegen war eine Entwicklung des DLR in Berlin-​Adlershof. Zur Ermittlung der Wärmeleitfähigkeit des Marsbodens sollte ein mit Sensoren bestückter Instrumentenkopf mittels einer Rammsonde an der Landestelle bis zu fünf Meter in den Untergrund getrieben werden und alle 50 cm eine voreingestellte Heizleistung abgeben, um dann die Wäremeausbreitung zu messen. Weiterhin war die Bestimmung der dielektrischen Leitfähigkeit (Permittivität) und Struktur bzw. mechanischen Eigenschaften des Bodens vorgesehen. Die beiden Kameras des Landers dienten dagegen primär ingenieurtechnischen Zwecken. Sie sollten das Absetzen des Seismometers mittels eines Manipulatorarms unterstützen. Der Start der InSight Mission war für den März 2016 geplant. Doch seit Ende 2015, InSight war bereits in Kalifornien eingetroffen, zeichnete sich ab, daß die bei Tests festgestellten Undichtigkeiten am SEIS Instrument sich nicht rechtzeitig für einen Start noch im 2016er Startfenster beheben ließen. Das war umso kritischer für die MIssion, als deren Budget ohnehin nicht gesichert war. Da trotz mehrerer Reparaturversuche an mehreren Durchführungen für Kabel und zur Vakuumpumpe für das Instrumentenghäuse des Seismometers inakzeptabel hohe Leckraten festgestellt worden waren, blieb aber nur ein Aufschub des Starts von 26 Monaten. Da das CNES das Leckage-​Problem nicht in den Griff bekommen hatte, wurde in dieser Zeitspanne ein neuer Druckbehälter vom JPL (Jet Propulsion Laboratory) entwickelt und flugqualifiziert. Das nächste Startfenster zum Mars konnte dann aber problemlos gehalten werden. Exakt zum voraus angesetzten Starttermin hob die Rakete von der Vandenberg AFB ab. Nach zwei Zündungen der Centaur Oberstufe war InSight auf Kurs zum Mars. Auch die beiden MarCO (Mars Cube One) Begleiter waren erfolgreich ausgesetzt worden und meldeten sich über das Deep Space Network. Die identisch ausgerüsteten MarCO-​A (WALL-​E) und MarCO-​B (EVE) — benannt nach den beiden Hauptfiguren des Pixar Animationsfilms „WALL·E — Der Letzte räumt die Erde auf“ — sollten während der Landephase von InSight als Datenrelais für Telemetrieinformationen fungieren. Dazu trugen die 6U CubeSats neben ausklappbaren Solarzellenflächen über Antennen für die UHF– (InSight→MarCO) bzw. X-​Band (MarCO↔DSN) Kommunikation. Jeweils eine Kamera war auf die Antennen gerichtet, um deren korrekte Entfaltung zu dokumentieren. Acht Miniatur-​Kaltgasdüsen auf Basis von R236FA (einem handelsüblichen nicht entflammbaren Fluorkohlenwasserstoff) erlaubten die notwendigen Kurskorrekturen. Allerdings trat bei MarCO-​B ein Leck an einem der Mikrotriebwerke auf, das ein konstante Bahnabweichung verursachte. Während also MarCO-​A wie auch InSight (am 22.05.2018) ihre erste Kurskorrektur problemlos absolvierten, mußten die Ingenieure bei MarCO-​B zunächst lernen, die Abweichung bei der Planung der Korrekturmanöver einzukalkulieren. Trotz der Probleme war vorläufig weder die InSight Mission noch die der beiden Mars Cube One gefährdet.
5Mai
Nach einem annähernd einmonatigen Aufenthalt an der Internationalen Raumstation näherte sich Anfang Mai 2018 die CRS-​14 Mission ihrem Ende. Beladen mit den Ergebnissen diverser Experimente, aber auch defekten und verschlissenen Gerätschaften (darunter als besonders prominentes Beispiel der humanoide Roboter Robonaut-​2, der an Bord von einem unerklärlichen Defekt befallen worden war) sowie Abfällen, löste sich das Dragon Raumschiff am 04.05.2018 wieder vom „Harmony“ Modul. Dann, am 05.05.2018 um 13:23 UTC, gab auch der Manipulatorarm der Station das Raumschiff frei. Dieses manövrierte auf einen sicheren Abstand, bevor das Retromanöver eingeleitet wurde. Während der „Trunk“ (in dem sich u.a. eine verschlissene Pump and Flow Control Subassembly (PFCS) befand) in der Atmosphäre verglühte, wasserte die Kapsel des Raumschiffs am 05.05.2018 um 19:03 UTC wie üblich im Pazifik vor der kalifornischen Küste. Dort wartete bereits ein kleines Bergungsschiff, das sie an Bord nahm und im Hafen von Los Angeles anlandete.
8Mai

Start von Gaofen 5 mit einer CZ-4C

Mit Gaofen 5 baute China seine Flotte an hochauflösenden zivilen Erderkundungssatelliten weiter aus. Dieses Exemplar war mit sechs Instrumenten für die multispektrale (hyperspektrale) Erdbeobachtung ausgerüstet: Advanced Hyperspectral Imager (AHSI), Visual and Infrared Multispectral Sensor (VIMS), Greenhouse-​gases Monitoring Instrument (GMI), Atmospheric Infrared Ultraspectral (AIUS), Environment Monitoring Instrument (EMI) und Directional Polarization Camera (DPC). Die Zusammenstellung machte deutlich, daß einer der Schwerpunkte der Mission Umweltbeobachtungen und klimatologische Forschungen waren. China, das zunehmend unter den Folgen der Klimaveränderungen und von Umweltverschmutzung litt, unternahm zuletzt erhebliche Anstrengungen zum Klima– und Umweltschutz. Eine sichere Datenbasis war dafür unerläßlich. Obwohl chinesische Wissenschaftler in einem engen Austausch mit ihren Kollegen im Ausland standen, planten sie auch eigene Missionen. Eine der bisher umfassendst instrumentierten war nun der im Auftrag der Chinesischen Akademie der Wissenschaften gestartete GF-​5. Sein Start erfolgte am 08.05.2018 mit einer CZ-​4C von Taiyuan. Die Basis des Satelliten bildete ein 3-​Achsen-​stabilisierter SAST-​5000B Bus der SAST. Die Rakete beförderte ihre Nutzlast auf einen sonnensynchronen Orbit in 700 km Höhe. Wenige Tage später berichtete die CAS vom Empfang der ersten wissenschaftlichen Daten.
11Mai

Präsentation von 1KUNS-PF und Irazú mit dem J-SSOD

Zwei der im April mit der Dragon CRS-​14 angelieferten CubeSats wurden am 11.05.2018 um 10:30 UTC aus dem J-​SSOD (JEM Small Satellite Orbital Deployer) #8 ausgestoßen. Dabei handelte es sich um 1KUNS-​PF (Kenia) und Batsú-​CS 1 alias Irazú aus Costa Rica. Beide Satelliten waren die ersten ihrer Länder und entsprechend einfach gehalten. Bei 1KUNS-​PF (1st Kenyan University NanoSatellite-​Precursor Flight) hatte das studentische Team aus Nairobi die Unterstützung der „La Sapienza“ Universität in Rom gesucht. Zwischen Kenia und Italien bestanden praktisch seit den 1960er Jahren Anknüpfungspunkte auf dem Gebiet der Raumfahrt, als die San Marco Plattform zum Start von Scout Feststoffraketen vor Malindi an der Küste des Indischen Ozeans vor Anker gegangen war. Auch die UNO respektive UNOOSA (United Nations Office for Outer Space Affairs) sowie die japanische Raumfahrtagentur JAXA hatten die Entwicklung des 1U CubeSats unterstützt. Gemeinsam hatten sie das „KiboCUBE“ Programm aufgelegt. Für einen so kleinen Satelliten war die Implementierung eines Lagekontrollsystems auf Basis von Momentenkreiseln die anspruchsvollste realisierte Lösung. Die mitgeführte Nano-​Kamera war quasi ein Vorgriff auf den geplanten IKUNS (Italian-​Kenyan University NanoSatellite), einen Erderkundungssatelliten auf Basis von CubeSat Technologien.
Batsú-​CS 1 (Batsú = Kolibri in der Sprache der indigenen Bribri, CS = Cube Sat) war ein nationales Prestigeprojekt. Die Central American Association of Aeronautics and Space (CAAE) und das Costa Rica Technology Institute (ITCR) hatten die Federführung bei seiner Entwicklung. Bei der Satellitenstruktur griff man auf ein Kit der dänischen GOMSpace zurück. Miniaturisierte Gyroskope, Magnetometer und Akzelerometer sollten Daten zum Verhalten des Satelliten in der Bahn und zum umgebenden Magnetfeld liefern.
11Mai

Präsentation von UBAKUSAT durch die JAXA

Nur Minuten nach den beiden 1U CubeSats 1KUNS-​PF und Batsú-​CS 1 wurde am 11.05.2018 um 10:40 UTC auch der türkische UBAKUSAT alias UBAK-​3U-​SAT aus dem J-​SSOD #8 ausgestoßen. Obwohl er die Nachfolge des bereits 2013 gestarteten TurkSat-​3USat antrat, stellte der 3U CubeSat eine vereinfachte Modifikation seines Vorgängers dar. Weiter ging es um die Erprobung von VHF/​UHF Kommunikationssystemen unter Einsatz vor allem von COTS (Commercial-​off-​the-​Shelf) Untersystemen. Partner der İstanbul Teknik Üniversitesi waren diesmal das Japan Space Forum und das Kyushu Institute of Technology. Wie von den beiden zuvor gestarteten Satelliten konnten Amateurfunker auch die Signale des 3U CubeSats UBAKUSAT empfangen.
11Mai

spektakuläre Aufnahme des Bangabandhu 1 Starts

Der ursprünglich noch im Dezember 2017 erwartete Start des ersten nationalen Kommunikationssatelliten Bangladeschs fand schließlich am 11.05.2018 statt. Dabei hatte die Bangladesh Telecommunication Regulatory Commission (BTRC) SpaceX als Startanbieter gewählt, weil dieser anders als Arianespace einen Start von Bangabandhu (svw. „Freund Bangladeschs“ — ein Ehrenname von Sheikh Mujibur Rahman, dem ersten Premierminister Bangladeschs) bis zum „Tag des Sieges“ (Nationalfeiertag) am 16. Dezember wenigstens unverbindlich zugesagt hatte. Auch im Frühjahr 2018 hielten die Verschiebungen des Starttermins an, da der Satellit als erster auf einer Falcon 9 v1.2 in der neuen Block V Konfiguration fliegen sollte. Doch NASA Missionen (auf den letzten Block IV Exemplaren) hatten Vorrang. Und offenbar war die Qualifikation des neuen Boosters noch nicht abgeschlossen. Zuletzt hatten zu starke Höhenwinde und die Auswertung der Daten des Hot Fire Tests nochmal für einen einwöchigen Aufschub gesorgt. Ein erster Startversuch am 10.05.2018 wurde bei T-​58 s vom Computer abgebrochen. Am nächsten Tag gelang dann aber ein scheinbar fehlerfreier Start. Bangabandhu 1 wurde auf einer geostationären Transferbahn ausgesetzt, die erste Stufe (Booster) landete über 600 km von Cape Canaveral entfernt sicher auf der „Of Course I Still Love You“ Plattform im Atlantik. Lediglich bei der Bergung der Nutzlastverkleidung gab es keine erkennbaren Fortschritte. Wieder konnte nur eine Hälfte aus dem Wasser geborgen werden. Bangabandhu 1 steuerte unterdessen zügig einen geostationären Orbit an. Den Betrieb des Satelliten sollte im Auftrag des formalen Betreibers Bangladesh Communication Satellite Company Ltd. (BCSCL) sein Hersteller, Thales Alenia Space, übernehmen. Zwei Bodenstationen hatte Thales Alenia im Rahmen des Kontrakts in den Distrikten Gazipur und Rangamati errichtet. Von 119,1° Ost strahlte der Satellit mit seinen 14 C-​Band und 26 Ku-​Band Transpondern nach Bangladesch und in die umliegenden Regionen ab.
Trotz des dichtgedrängten Startkalenders von SpaceX ließ nach diesem Start die Schlagzahl nach. Zwar erfolgte der nächste Start nur anderthalb Wochen später. Doch handelte es sich dabei wie auch bei der nächsten Rakete um Block IV Modelle, die jeweils ihren zweiten und letzten Start unternahmen. Obwohl die Falcon mit auf das Leistungsniveau der Block IV Modelle gedrosselten Triebwerken geflogen war, gab es in der Fülle der Telemetriedaten des Block V Premierenflugs offenbar einige, die eine nähere Betrachtung erforderlich machten. Selbst angesichts der Tatsache, daß bald alle verbliebenen älteren Raketen verschossen sein würden, ging SpaceX nicht das Risiko ein, neue Exemplare mit bekannten Problemen zu starten.
16Mai

Richard Arnold verläßt zu Beginn von EVA-50 die „Quest“ Luftschleuse

Andrew Feustel während der EVA-50

Ihr zweites gemeinsames Außenbordmanöver unternahmen die beiden US Astronauten Andrew Feustel und Richard Arnold am 16.05.2018. Arbeitsschwerpunkt war das Thermokontrollsystem der Internationalen Raumstation. Insbesondere stand der Austausch einer Ammoniak-​Pumpe, NASA Bezeichnung Pump Flow Control Subassembly, an. Während die neue PFCS (Spitzname „Frosty“) mit Unterstützung der Astronauten von einem „Lagerplatz“ für Ersatzteile an den Special Purpose Dexterous Manipulator (Dextre) übergeben wurde, mit dessen Hilfe später die Montage erfolgen sollte, mußte die defekte PFCS „Leaky“ wieder sicher verstaut werden. Außerdem tauschten Feustel und Arnold am „Destiny“ Labormodul eine Kamera aus und arbeiteten am Ku-​Band Kommunikationssystem. Da es der Zeitplan zuließ, wurden auch noch einige der vorbereiteten zusätzlichen Arbeiten in Angriff genommen. So erfolgte die Installation von Handläufen und über einer Direct Current Switching Unit (DCSU), in der ein Kurzschluß vermutet wurde, wurde die Thermoisolierung entfernt. Nach 6:31 h (geplant war die EVA auf 6:30 h gewesen) endete der Weltraumausstieg in der Luftschleuse des „Quest“ Moduls, das damit den 50. derartigen Einsatz erlebt hatte.
20Mai

„Queqiao“ Startvorbereitung

einer der beiden „Longjiang“ Satelliten

Aufnahme des „Longjiang“ 2 Satelliten

Zur Vorbereitung der „Chang’e“ 4 Mission — eines Mondrovers, der auf der erdabgewandten Seite des Mondes operieren sollte — startete China am 20.05.2018 mit einer CZ-​4C Rakete (die damit erstmals von Xichang eingesetzt wurde) einen Datenrelais-​Satelliten zum L2–Punkt des Erde-​Mond-​Systems. Damit griffen die chinesischen Wissenschaftler und Ingenieure auf eine Idee zurück, die in den 1960er Jahren erstmals der US Amerikaner Robert W. Farquhar formuliert hatte. Damals zur Unterstützung des Apollo-​Programms. Der nach einer Geschichte aus der chinesischen Mythologie, gemäß der in jeder siebten Nacht des siebten Monats (des Mondkalenders) Elstern mit ihren Flügeln eine Brücke über die Milchstraße bilden, damit Zhi Nu, eine Tochter der Himmelsgöttin, zu ihrem geliebten Mann gelangen kann, „Queqiao“ (Elsternbrücke) getaufte Satellit basierte auf dem kompakten CAST-​100 Bus. Prominentes Merkmal war eine auf 4,2 m Durchmesser entfaltbare Parabolantenne. Sie erlaubte die Kommunikation mit dem Lander/​Rover im X-​Band sowie mit der Erde im S-​Band.
Trotz des geringen Gewichts konnte auf dem Satelliten auch noch ein niederländisches Experiment, der Netherlands-​China Low-​Frequency Explorer (NCLE) untergebracht werden. Dieses war als Pfadfinderexperiment für spätere Missionen der Radioastronomie auf niedrigen Frequenzen (130 MHz) konzipiert. NCLE sollte zunächst die Emissionen im Mondumfeld charakterisieren, konnte dank der gewählten Bahn aber auch beispielsweise solare oder terrestrische Aktivitäten erforschen. Die Wissenschaftler des ASTRON Instituts erhofften sich, eine bisher so nicht existente Karte des Himmels im LF-​Bereich erstellen zu können. Zusammen mit „Queqiao“ flogen zwei baugleiche „Longijang“ Mikrosatelliten des Harbin Institute of Technology. Benannt waren diese nach dem Heilongjiang Fluß, besser bekannt unter dem russischen Namen Amur. In der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz ist das HIT ansässig. Die beiden Satelliten sollten im Mondorbit eine radioastronomische Mission auf extrem langwelligen Frequenzen unternehmen. Dabei fungierte der Mond selbst als effektive Abschirmung für Störeinflüsse von der Erde. Partner der DSLWP (Discovering the Sky at Longest Wavelengths Pathfinder) Mission war das King Abdulaziz City for Science and Technology aus Saudi-​Arabien. Das KACST steuerte jeweils eine miniaturisierte Kamera und eine Amateurfunk-​Nutzlast bei. Während „Queqiao“ am 14.06.2018 am L2 Punkt eintraf, war das Schicksal eines der beiden DSLWP Satelliten zunächst unklar. DSLWP-​A2 alias „Longjiang“ 2 übertrug aus dem Mondorbit Meßdaten und spektakuläre Bilder, die an die Hochzeiten des „Wettlaufs zum Mond“ erinnerten. DSLWP-​A1 alias „Longjiang“ 1 schien dagegen im Erdorbit verblieben zu sein. Allerdings legten spätere Veröffentlichungen nahe, daß beide Satelliten einen Mondorbit erreicht hatten.
21Mai

Start der Antares-230 mit der CRS-9 Mission

„Cygnus“ OA-9E nähert sich der ISS

Die CRS-​9 Mission mit Nachschub für Internationale Raumstation startete am 21.05.2018 um 08:44 UTC vom Mid Atlantic Regional Spaceport auf Wallops Island. Als Trägerrakete fand diesmal wieder die Antares-​230 von Orbital ATK Verwendung (nach dem Fehlstart einer Antares-​130 hatte das Unternehmen einige Flüge auf der leistungsfähigeren Atlas V Mod. 401 buchen müssen). Sie transportierte die Cygnus OA-​9E SS „J. R. Thompson“ planmäßig auf den erdnahen Übergangsorbit zur ISS. Der Flug war dem Gedenken an James R. Thompson Jr. gewidmet, der nach über einem Vierteljahrhundert Karriere bei der NASA mehr als zwanzig Jahre bei der Orbital Sciences Corporation leitende Positionen bekleidet hatte. Erstmals fand bei dieser Mission eine überarbeitete Nutzlastverkleidung Verwendung, die noch bis 24 Stunden vor dem Start ein unproblematisches Nachladen von Fracht erlaubte. Ein weiteres Novum sollte das gegen Ende des etwa zweimonatigen Fluges geplante Bahnanhebungsmanöver der ISS mit den Cygnus Triebwerken sein. Doch zunächst mußte der Frachter die Raumstation sicher erreichen. Die Manöver bis dahin waren Routine. Am 24.05.2018 um 09:26 UTC war „RMS capture“ vollzogen, die beim Start 6.173 kg schwere Cygnus „hing“ am Manipulatorarm der Station. Das Berthing am erdzugewandten Port des „Unity“ Moduls erfolgte am 24.05.2018 um 12:13 UTC. Damit waren 3.350 kg Nachschub (davon 3.268 kg in der druckbeaufschlagten Sektion) auf der ISS eingetroffen. Neben den üblichen Versorgungsgütern, Ersatz– und Austauschteilen sowie einigen neuen Experimenten (darunter beispielsweise das Cold Atom Laboratory und die europäische Ice Cubes Facility) standen auch neun CubeSats auf der Frachtliste (weitere sechs sollten nach dem Ablegen von der ISS aus einem NanoRacks External Cygnus Deployer ausgestoßen werden. Dabei handelte es sich um vier mit der STRATOS GPS Radio-​Okkultationsnutzlast und einem SENSE AIS Empfänger zur Schiffsverfolgung ausgerüstete Lemur 2 der Spire Global Inc. sowie zwei AeroCube 12 von The Aerospace Corporation, die verschiedene neue Systeme erproben sollten. Die restlichen Satelliten mußten von der Besatzung zur Vorbereitung auf ihren Start ins japanische Segment der ISS transportiert werden: CubeRRT (CubeSat Radiometer Radio Frequency Interface Technology) der Ohio State University zur Erprobung von neuen Systemen zur Erderkundung; EQUiSat — eine studentische Nutzlast der Brown University mit technologischer und pädagogischer Ausrichtung; der astronomischen Forschungen dienende HaloSat der University of Iowa; MemSat der Rowan University als technologischer Demonstrator zur Erprobung von Memristor–Speichern unter Weltraumbedingungen; RadSat-​g von der Montana State University, mit dem unter kosmischen Bedingungen der neue Typ eines strahlungsresistenten Computers getestet werden sollte; RainCube, mit dem das Jet Propulsion Laboratory ein miniaturisiertes Ka-​Band Radar zur Sondierung der Atmosphäre erproben wollte; TEMPEST-​D (Temporal Experiment for Storms and Tropical Systems — Demonstrator), ein Gemeinschaftsprojekt von Colorado State University und JPL, als Pfadfindermission einer geplanten Konstellation aus sechs Satelliten zum Studium von Prozessen im Zusammenhang mit Wolkenbildung und Niederschlägen. Sie alle flogen mit NASA Unterstützung im Rahmen des ELaNa XXIII Programms. Dazu kamen noch der bulgarische EnduroSat One, primär ein Trainingsobjekt mit Amateurfunknutzlast, und der 6U CubeSat Radix von Analytical Space, die mit dem Satelliten Kommunikationsexperimente, insbesondere mit einem Laser-​Downlink, unternehmen wollte.
22Mai

die Falcon 9 mit den beiden GRACE-FO auf dem Startkomplex

Nutzlaststack auf fünf Iridium-NEXT und zwei GRACE-FO

Zweieinhalb Monate nach dem Wiedereintritt des letzten der beiden 2002 gestarteten GRACE (Gravity Recovery And Climate Experiment) Satelliten erreichten die zwei von den Wissenschaftlern sehnsüchtig erwarteten Nachfolger endlich ihre Bahnen. Das seinerzeit auf fünf Jahre angelegte GRACE Programm hatte es ermöglicht, das Erdschwerefeld mit bis dato nie erreichter Präzision global zu vermessen. Vermessungen des exakten Abstands der Satelliten untereinander mittels Mikrowellen und der Einsatz von hochwertigen GPS Empfängern erlaubten es, schon geringste Abweichungen im Schwerefeld zu registrieren. Selbst Veränderungen durch das Abschmelzen des antarktischen Eisschildes ließen sich exakt nachvollziehen und erweiterten so die Datenbasis für klimatologische Modelle. Die deutschen Wissenschaftler des GFZ in Potsdam und ihre amerikanischen Kollegen bemühten sich daher frühzeitig darum, die Mittel für eine Nachfolgemission bewilligt zu bekommen. Erfolgreich. Die Alterung der Solarzellen und Batterien auf den beiden GRACE Satelliten ließ schon länger nur noch Messungen im Sonnenlicht zu. Dennoch wäre ein nahtloser Übergang auf die GRACE-​FO (GRACE-​Follow On) Mission möglich gewesen. Als im Oktober 2017 GRACE 2 endgültig ausfiel, hätten die Nachfolger bereits im Orbit sein sollen. Doch der auf einer Dnepr-​1 gebuchte Start kam nicht zustande. Die militärische Konfrontation der Partner im Dnepr Konversionsraketenprogramm in der Ostukraine und auf der Krim brachte die Starts zum Erliegen. So mußte für die GRACE-​FO nach einer Alternative gesucht werden. Diese fand sich in einer Mitfluggelegenheit, die SpaceX bei einer Mission zum Start von Iridium-​NEXT Kommunikationssatelliten einräumen konnte. Zwar verzögerte sich auch dieser Start nicht unbeträchtlich. Doch am 22.05.2018 hob die Falcon 9 v1.2 endlich von der Vandenberg AFB ab. Die beiden GRACE-​FO wurden als erste ausgesetzt, gefolgt von den fünf Hauptnutzlasten Iridium-​NEXT 110, Iridium-​NEXT 147, Iridium-​NEXT 152, Iridium-​NEXT 161 und Iridium-​NEXT 162 auf ihren höheren Bahnen. Da die Erststufe bei dieser Mission ein bereits einmal geflogener Block IV Booster war, für den keine weitere Verwendung bestand, verzichtete SpaceX diesmal auf eine kontrollierte Landung der Stufe. Dagegen hatte das schnelle Mehrzweckschiff „Mr. Steven“ Position bezogen, um den Versuch zu unternehmen, eine oder gar beide Hälften der Nutzlastverkleidung mit großen aufgespannten Netzen aufzufangen, bevor sie ins Meer stürzten. Doch diesbezüglich blieb auch diesmal der Erfolg aus.