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Donnerstag,

15.04.2010

Hohe Erwartungen richteten sich an den Start der ersten GSLV Mk. II Rakete, den die Techniker der ISRO im Frühjahr 2010 vorbereiteten. Das Entwicklungsprogramm des Geostationary Launch Vehicle war seit seinen Anfängen zu Beginn der 1990er Jahre immer wieder von Rückschlägen begleitet gewesen. Vor allem die Entwicklung der kryogenen Endstufe der Rakete hatte sich als größerer Herausforderung erwiesen, als ursprünglich erwartet. Daher hatte man für die ersten Flüge der GSLV auf aus Rußland importierte Triebwerke zurückgreifen müssen. Nun endlich war die Erprobung der eigenentwickelten Cryogenic Stage abgeschlossen. Beim Jungfernflug sollte die Rakete den Satelliten GSat 4 auf eine geostationäre Transferbahn befördern. Der auch HealthSat genannte Technologiedemonstrator basierte auf dem I-​2K Satellitenbus. Er trug sowohl eine experimentelle Ka-​Band Nutzlast als auch eine Navigationsnutzlast für das C-​, L1– und L5-​Band. Letztere sollte Korrektursignale für das GPS System liefern und so die Grundlage für ein lokales Navigationssatellitensystem GAGAN (GPS Aided Geo Augmented Navigation) bilden. Erstmals wollte die ISRO zudem auf einem ihrer Satelliten Xenon-​Triebwerke für die Routinebahnmanöver erproben.
Bis wenige Wochen vor dem Start war eigentlich geplant, auf dem Satelliten auch das israelische TAUVEX 2 Experiment (Tel Aviv University Ultra Violet Explorer) zu fliegen. Diese eigenständige astronomische Nutzlast mit ihren drei kleinen Teleskopen war ursprünglich für die russische Spektr-​RG Mission entworfen worden, deren Start sich jedoch auf unbestimmte Zeit verzögert hatte. Doch auch die Kooperation mit Indien verlief nicht besser. Aufgrund von Bedenken hinsichtlich der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der indischen Endstufe wurde kurzerhand beschlossen, das TAUVEX Experiment am Boden zu lassen. Der Start der GSLV erfolgte schließlich am 15.04.2010 von Sriharikota. Er endete mit dem Verlust der Mission, nachdem der Schub der Endstufe nur Sekundenbruchteile nach der Triebwerkszündung wieder zusammenbrach (eine genauere Analyse der Daten ließ sogar Zweifel aufkommen, ob das Triebwerk überhaupt gezündet hatte). Das TAUVEX Experiment war damit zwar der Vernichtung entgangen. Da aber auf absehbare Zeit keine neue Mitfluggelegenheit abzusehen war, entschied Israel im Februar 2011, das Projekt einzustellen.
Für das indische Raumfahrtprogramm war der Fehlstart ein schwerer Rückschlag. Noch schlimmer wurde die Situation, als im Dezember 2010 eine GSLV Mk. I mit der letzten verfügbaren russischen Endstufe ebenfalls verlorenging. Das GSLV Programm kam damit praktisch zum Erliegen. Umfangreiche Tests und eine kritische Prüfung der bisherigen Programmfortschritte wurden angeordnet. Dennoch blieb vorläufig kein anderer Ausweg, als die nächsten Kommunikationssatelliten auf ausländischen Trägern zu starten.