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Freitag,

24.01.1986

Die im August 1977 gestartete Raumsonde Voyager 2 erreichte auf ihrem Flug durch unser Sonnensystem als erster von Menschen geschaffener Raumflugkörper im Januar 1986 den Planeten Uranus. Als sich die Sonde dem erst 1781 entdeckten Planeten näherte, wußte man nicht viel über ihn. Fünf größere Monde waren bekannt und seit wenigen Jahren eine Reihe von Ringen aus kleineren Brocken bis hin zu staubfeinen Teilchen. Nun erkundete Voyager 2 diesen ungewöhnlichen Planeten, dessen Rotationsachse nahezu parallel zur Ekliptik verläuft. Eine Einmaligkeit in unserem Sonnensystem! Obwohl zum Zeitpunkt des Vorbeifluges der Südpol von Uranus nahezu direkt der Sonne zugewandt war, wurden am Äquator höhere Temperaturen gemessen. Die Ursache dafür blieb bisher ungeklärt. Auch der innere Aufbau des Planeten scheint sehr ungewöhnlich zu sein. Die atmosphärische Zusammensetzung wurde zu etwa 83% Wasserstoff, 15% Helium und 2% Methan bestimmt. Da das Methan das rote Lichtspektrum ausfiltert, wirkt der Planet auf allen Farbaufnahmen deutlich blaugefärbt. Bei der Auswertung der Aufnahmen von Voyager 2 wurden zehn neue Monde entdeckt, die die Namen Puck (170 km), Portia (80 km), Juliet (80 km), Cressida (60 km), Rosalind (60 km), Belinda (60 km), Desdemona (60 km), Cordelia (50 km), Ophelia (50 km) und Bianca (50 km) erhielten (erst dreizehn Jahre später fand sich bei der Auswertung der Fotos noch ein weiterer Mond, Perdita). Lediglich Puck konnte gezielt fotografisch erkundet werden, wenn auch aus 500.000 km bei 10 km Auflösung nur schemenhafte Details erkennbar waren. Umso besser waren aber die Bilder des Mondes Miranda. Die jahrelangen Vorbereitungen auf den Vorbeiflug hatten sich ausgezahlt. Denn die Voyager-​Sonden waren nie für solch extreme Bedingungen konzipiert worden, wie sie am Uranus herrschten. Während die verfügbare Energie auf 400 W abgesunken war, kamen die Funksignale auf der Erde viermal schwächer an, als bei der Saturn-​Passage und auch die Belichtungszeit war auf das Vierfache gestiegen. Der Betrieb der Experimente an Bord mußte sorgfältiger koordiniert werden als je zuvor. Ein vollkommen neuer Datenkompressionsalgorithmus für die Bildübermittlung wurde implementiert, während auf der Erde nun mehrere Großantennen zusammengeschaltet wurden, um die schwachen Signale zu empfangen. Neue Verfahren kompensierten die aus der langen Belichtungszeit resultierende Bewegungsunschärfe. Dank neuer Software konnten vielfach die beim Start noch geltenden technischen Beschränkungen aufgehoben und manche Parameter um Größenordnungen verbessert werden. Daß die anderen großen Uranus-​Monde nicht besser erkundet werden konnten, lag an ihrer Konstellation. Zum Zeitpunkt der Uranus-​Passage am 24./25.01.1986 standen die Monde fast senkrecht zur Ekliptik, eine denkbar ungünstige Anordnung. Für den geplanten Weiterflug zum Neptun mußte Uranus nämlich sehr dicht passiert werden und so war nur eine detailliertere Erkundung des innersten Mondes möglich. Die Wissenschaftler erwarteten nicht viel von diesem kleinen als geologisch tot erachteten Mond. Und doch gerieten gerade die Fotos von Miranda zur Sensation. Neben flachen Ebenen zeigten die Bilder kraterübersähte Gebiete, tiefe Schluchten und bis zu 20 km hohe Klippen! Geologische Strukturen endeten abrupt und setzten sich Kilometer entfernt mit anderer Ausrichtung wieder fort. Offenbar hatte ein gewaltiger Einschlag den Mond in Stücke gerissen, bevor die Trümmer sich wieder zusammenfanden und den heutigen Mond Miranda bildeten. Aber auch die Aufnahmen von Umbriel, Oberon, Ariel und Titania zeigten noch vielfältige interessante Details bei teils vollkommen unterschiedlichen Oberflächen. 578 Aufnahmen übertrug Voyager 2 bei seinem Uranus-​Vorbeiflug zur Erde. Erst das Hubble Space Telescope lieferte Jahre später bessere Aufnahmen und verlieh der Erforschung dieses rätselhaften Planeten neue Impulse.